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StartseiteKultur heuteHaneke räumt ab24.04.2010

Haneke räumt ab

Zur Verleihung des 60. Deutschen Filmpreises in Berlin

Der deutsche Filmpreis, der nun in Berlin vergeben wurde, ehrt die anspruchsvolle deutsche Filmproduktion. Fatih Akins Hamburger Szene-Komödie "Soul Kitchen" oder "Alle Anderen" sind ins Rennen um die "Lola" gegangen. Klarer Favorit war jedoch "Das weiße Band" von Michael Haneke über schwarze Pädagogik im deutschen Pfarrershaushalt Anfang des letzten Jahrhunderts.

Von Josef Schnelle

Der österreichische Regisseur Michael Haneke.  (AP Archiv)
Der österreichische Regisseur Michael Haneke. (AP Archiv)

"Mensch Akademie, Ihr habt mich so oft geärgert und jetzt macht ihr uns so glücklich. Ihr wisst gar nicht wie toll ihr seid. Wir waren mit dem Film auf ein paar Preisveranstaltungen aber ihr seid die einzige Akademie, die wirklich erkennt, dass ein Film nicht von einem oder von zweien gemacht wird, sondern dass dahinter ein ganzes Team steht"

Stephan Arndt, Produzent von "Das weiße Band" war überglücklich und spielte darauf an, dass der Film nur in einer Kategorie, die möglich war, nicht einmal nominiert worden war und nur drei Mal leer ausging. Bester Kinderfilm und Bester Dokumentarfilm konnte er nicht werden. Und die immer noch stattlich ausgestatteten Trostpreise silberne und bronzene Lola neben dem Hauptpreis nicht auch noch mitnehmen. So einen Durchmarsch gibt es auf Preisverleihungen nur selten und dann war es noch einer mit Ansage. Im Unterschied zum letzten Jahr, in dem der vollkommen misslungene "John Raabe" von Florian Gallenberger gewann und es hinterher niemand gewesen sein wollte, gelang der Deutschen Filmakademie ein harmonischer Abend mit tosenden Beifallsstürmen. Und so zeigte sich Hans-Christian Schmid auch äußerst verblüfft, über die silberne Lola, die immerhin noch mehr als 400.000 Euro Preisgeld einbringt.

"Mensch Filmakademie, ihr seid ja wirklich unglaublich. Ich hab einige Wetten laufen, dass ich heute leer ausgehe. Die muss ich jetzt auslösen glaub ich."

An der Kinokasse war sein Film "Sturm" über das Den Haager Tribunal zu Unrecht mit rund 30.000 Zuschauern ziemlich erfolglos gewesen. Weswegen die Auszeichnung für Hans-Christian Schmid neben Bargeld auch eine längst überfällige Anerkennung seiner Arbeit bedeutete. Sie war auch eine Art der Aussöhnung mit einem der Skeptiker in Sachen Filmpreis und Filmakademie, deren Gründung vor sechs Jahren von viel Kritik begleitet war. Kritik weniger an der Akademie als Selbstorganisation der deutschen Filmschaffenden, sondern Kritik daran, dass die Bundesregierung es der Filmwirtschaft überlassen hatte, staatliche Förderprämien von insgesamt 2,8 Millionen Euro zu verteilen. Die Akademie hat sich in den letzten Jahren allerdings immer stärker gewandelt. Das Auswahlverfahren wurde dreistufig mit Juryelementen und erst am Ende gibt es eine großen Abstimmung. Kritiker aus der Branche wurden besänftigt, originelle Veranstaltungsformen erfunden und mit Alfred Holighaus ein allseits geachteter Sympathieträger zum Geschäftsführer gemacht. Mit 1200 Mitgliedern erfasst die Filmakademie zwar immer noch nicht sämtliche Filmschaffenden, aber der Organisationsgrad kann sich sehen lassen. Die Landschaft der Filmproduktionen ist auch so Komplex, dass Produzent Stefan Arndt vor wenigen Monaten noch Vorstandsvorsitzender gewesen ist.

Zur Politik pflegt man ein so gutes Verhältnis, dass Kulturstaatsminister Neumann sich über einen Witz auf seine Kosten mitamüsieren konnte und Angela Merkel offenbar gerne zum entspannten Termin mit den Leuten vom Film in den Friedrichstadtpalast kam. Barbara Schöneberger begrüßte sie denn auch besonders herzlich.

"Manchmal ist es ja auch Hape Kerkeling in Verkleidung. Aber wir haben die echte. es ist wirklich Angla Merkel. Ich habe das überprüft. Und wo wir schon beim Begrüßen sind: Christoph Walz ist da. Herzlich Willkommen. Eben saß er noch neben Penelope Cruz bei den Oscars, jetzt neben Bernd Neumann."

Die historische Reminiszenz galt dem Produzenten Bernd Eichinger, der die zunächst kontrovers diskutierte Akademie, mit seinem Einfluss als einziger deutscher Produzent, der eine Filmproduktion fast aus der Westentasche finanzieren kann, durchgepaukt hatte. Eine goldene Lola hatte man dem Filmtycoon mit lauter Großproduktionen von "Das Parfüm" über den "Untergang" zum "Baader-Meinhof-Komplex" aber bisher nicht verliehen. Es dürfte trotzdem sicher keiner im Saal gewesen sein, der mit ihm nicht gerne Mal einen Film drehen möchte. Im Land des Lächelns gehört Beifall zum Standardrepertoire. Gestern bekam Eichinger endlich eine goldene Lola für sein Gesamtwerk und bedankte sich artig wie ein Filmschüler.

"Das war ja eine fantastische Zusammenstellung meiner Eigenschaften. Man ist ja immer wieder überrascht, was andere Leute so erzählen. Wird schon so sein. Mir sagen jedenfalls die meisten Regisseure, dass ich ganz toll bin. Schauen auch so aus, als ob sie's meinen."

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