Montag, 20.11.2017
StartseiteVerbrauchertippOhne Einbruchsicherung kein Schutz?20.10.2017

HausratversicherungOhne Einbruchsicherung kein Schutz?

Eine Hausratversicherung ersetzt Einbruchschäden - vorausgesetzt, die Täter hatten nicht zu leichtes Spiel. Vor Abschluss einer solchen Versicherung sollte man daher genau prüfen, welche Sicherheitsstandards bei den einzelnen Anbietern gelten.

Von Detlev Karg

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Schnell und leise will er die Tat hinter sich bringen: Ein Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen eine Tür im Keller eines Wohnhauses auf. ((c) dpa)
Schnell und leise will er die Tat hinter sich bringen: Ein Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen eine Tür im Keller eines Wohnhauses auf. ((c) dpa)
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Der Abschluss einer Hausratversicherung ist meist einfach und unkompliziert. Die Versicherer wollen in der Regel keine weiteren Nachweise. Zu Problemen kommt es allerdings immer wieder, wenn die Versicherung nach einem Einbruch zahlen soll. Dann kann es manchmal ein böses Erwachen geben, sagt Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in Kiel:

"Der Konflikt, den wir immer haben bei der Verbraucherzentrale: dass der Verbraucher kommt und sagt, ich habe mir aber doch gedacht, es reicht. Und jetzt wo der Schaden da ist, heißt es: Nein, es hat doch nicht gereicht. Also muss konkret geregelt werden, was denn erwartet wird."

Kritierien der Versicherungsunternehmen weichen voneinander ab

Meist wird der so genannte Stand der Technik gefordert. Fenster und Türen sollen aufhebelsicher und abschließbar sein, das ist der Mindeststandard. Dabei ist zu beachten, dass jedes Versicherungsunternehmen im Detail abweichende Kriterien ansetzt, sagt Petra Schindler. Se ist Produktmanagerin Hausratversicherung bei der Gothaer Versicherung in Köln.

"Bei uns im Hause ist es so, dass wir zum Beispiel bei kleineren Versicherungssummen keine Mindestsicherung vorschreiben, sondern wir sagen: Erst ab 200.000 Euro Versicherungssumme, da verlangen wir dann schon, dass nachgewiesen wird, dass die Wohnung, das Haus gesichert ist, dass also ein Einbruchdiebstahl nicht so ohne weiteres stattfinden kann."

Hier lohnt der Blick ins Kleingedruckte, empfiehlt Verbraucherschützer Michael Herte. Allerdings seien die Allgemeinen Versicherungsbedingungen meist verklausuliert. Er rät deshalb, vor allem auf die so genannten Annahmebedingungen zu achten:

"Da steht dann zum Beispiel, dass der Schließzylinder bündig sein muss, wie viele Zinken der Schlüsselbart haben muss, was für Türen und Fenster denn als einbruchsicher gelten."

Abhängig vom Wert des Objektes und vom Versicherer lässt sich das dann konkret festmachen, wie Petra Schindler für die Gothaer Versicherung erläutert:

"Da gibt es also diese Widerstandsklassen, die für Bauelemente vorgegeben sind, die englisch 'Resistance Class' heißen, und ideal wäre eine 'Resistance Class Nr. 2'. Die Einbruchszeit wird dadurch verlängert, und dann lassen die meisten Täter relativ schnell davon ab."

Bei besonderer Nachlässigkeit verweigern Versicherer die Leistung 

Denn schnell muss es gehen beim Einbruch. Und leise. Deshalb werden in Wohngebieten auch praktisch nie Fenster eingeschlagen, da in den modernen Doppelverglasungen ein Vakuum herrscht, das sich mit einem lauten Knall auflösen würde. Es gilt also für die Mehrheit der Verbraucher: Der Stand der Technik reicht in der Regel aus. Nur bei besonderer Nachlässigkeit verweigern Versicherer die Leistung oder rechnen ein Mitverschulden an. Michael Herte gibt ein fiktives Extrembeispiel:

"Ich wohne in einem ganz alten Haus. Baujahr 1910. Und da habe ich noch die Schließanlage von 1910 mit dem großen Schlüssel mit einem Zinken, dann muss ich davon ausgehen, dass die Versicherung sagt: Halt, Stopp! Das reicht nicht aus, so ein Schloss kann man einfach knacken."

Wer also über einen zeitgemäßen Einbruchsschutz verfügt, ist meist auf der sicheren Seite. Wer hingegen sehr hohe Werte sein eigen nennt, wie etwa antike Möbel oder Gemälde, wird ohnehin sein Heim mit Alarmanlage und weiteren Mitteln sichern.

Besteht Unklarheit darüber, wie sicher eine Wohnung ist, dann rät Verbraucherschützer Michael Herte den Versicherungskunden:

"Im Zweifelsfall sollte ich immer bei der Versicherung nachfragen und denen sogar anbieten, sich das einmal anzusehen, ob das denn reicht, was ich an Sicherungsmaßnahmen bei mir getätigt habe."

Verlangt die Versicherung dann Nachbesserungen, besteht in der Regel kein Anspruch auf Kostenübernahme durch den Vermieter, es sei denn, Fenster und Türen sind besonders veraltet.

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