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StartseiteVerbrauchertippWie man sich gegen die Krätze schützen kann27.03.2018

HautkrankheitenWie man sich gegen die Krätze schützen kann

Die Krankheit war längst in Vergessenheit geraten, aber nun stellen immer mehr Menschen fest, wie sie zu ihrem Namen kam: Die Krätze. Hautjucken ist das hervorstechende Merkmal. Die Barmer Ersatzkasse macht darauf aufmerksam, dass in letzter Zeit wieder mehr Medikamente gegen Krätze verschrieben werden.

Von Daniela Siebert

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Die Obdachlosen-Ärztin Jenny De la Torre führt am 18.02.2014 in Berlin in ihrer Praxis im Gesundheitszentum für Obdachlose ein Patientengespräch.  (dpa, Daniel Naupold)
In der Praxis der Obdachlosen-Ärztin Jenny De la Torre in Berlin gehört die Krätze-Behandlung zum Alltag (dpa, Daniel Naupold)
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Svetlana Krasovska-Nikiforova ist Krankenschwester bei der Berliner Stadtmission. Sie hat schon Dutzende Fälle von Krätze gesehen und erlebt, worunter die Betroffenen leiden:

"Das ist ein starker Juckreiz. Vor allem nachts. "

Krätze – medizinisch Skabies genannt – zeigt sich häufig in den Zwischenräumen der Finger oder der Fußzehen, in der Armbeuge, unter den Achseln oder an den Genitalien. Sie kann aber auch anderswo am Körper und auch großflächig auftreten.

"Manchmal sieht man auch die Spuren, diese Milbengänge. Das sind so kleine Straßen unter der Haut, manchmal sieht man sie gar nicht mit bloßem Auge, aber dazu kommen noch die Kratzspuren."

Verursacht wird die Erkrankung durch winzige Parasiten: die Krätzmilben. Mit bloßem Auge sind sie kaum zu erkennen.

Übertragung durch engen Hautkontakt

Das Heimtückische an ihnen ist: bevor die Menschen den Befall durch den Juckreiz bemerken, sind die Milben schon vier bis sechs Wochen auf ihnen und können auch auf andere Menschen übergehen.

Das passiere vor allem durch engen Hautkontakt, sagt Toni Aebischer, Experte für Parasiten am Berliner Robert-Koch-Institut RKI. Besonders gefährdet seien daher beispielsweise Sexualpartner, Pflegekräfte und Menschen, die auf engem Raum zusammenleben, etwa in Flüchtlingsunterkünften. Grundsätzlich könne es aber jeden treffen, in allen Schichten und Regionen Deutschlands. Einfaches Händeschütteln sei für eine Übertragung zu kurz, versichert er.

Sobald sich die typischen Symptome zeigen, ist Skabies von einem Hautarzt gut zu diagnostizieren, so Toni Aebischer.

"Die definitive Diagnose kann er nur stellen, wenn er wirklich ein Dermatoskop zum Beispiel benutzt oder ein Mikroskop und die Milbe oder Milbenausscheidungen oder -eier detektiert. Das typische Zeichen ist, dass Sie eben so einen Bohrgang sehen und am Ende des Bohrgangs ein sogenanntes "Drachen-Zeichen", das ist eine bräunlich verfärbte Struktur, die wie ein Dreieck aussieht und entspricht dem Rückenhautschild der Skabies-Milbe."

Allerdings würden Hautärzte nicht immer bis zum eindeutig sichtbaren Beweis suchen, sondern oft schon auf Verdacht einschlägige Mittel verschreiben, beobachtet Toni Aebischer. Deshalb hält er die jüngst veröffentlichten Zahlen der Barmer Ersatzkasse zur gestiegenen Zahl verschriebener Krätzepräparate für nicht repräsentativ. Statistisch gut belegt sei dagegen ein durchschnittlicher Krätzebefall der Bevölkerung von etwa 0,2 Prozent. Regionale Häufungen träten dabei immer mal wieder auf, so der RKI-Experte.

Gute Behandlungsmöglichkeiten

Einig sind sich die Krankenschwester und der Parasitologe, dass sich Krätze sehr gut behandeln lässt. Dazu halte man sich am besten an die medizinische Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, sagt Toni Aebischer.

"Die Behandlung besteht zur ersten Wahl aus einer Creme, die einen Wirkstoff enthält – Permethrin – diese Creme wird auf dem ganzen Körper, in alle Falten möglichst aufgetragen, über Nacht einwirken gelassen, und dann geht man von einer Heilung oder jedenfalls einer Abtötung der Milben aus. Nach einer Anwendung und einer Wiederholungsanwendung, die auch empfohlen wird, weil die Eier zum Teil nicht empfindlich sind auf diese Wirkstoffe."

Auf keinen Fall sollte man einen Krätzebefall verheimlichen, damit auch das Umfeld und die Kontaktpersonen geschützt werden können. Die Barmer Ersatzkasse empfiehlt Betroffenen und Kontaktpersonen, Kleidung und Bettwäsche täglich zu wechseln und mit mindestens 60 Grad Celsius zu waschen. Handtücher sogar nach jedem Gebrauch. Toni Aebischer hält das nur bei der besonders aggressiven Borken-Krätze für bedeutend und zwar bei Menschen mit reduzierter Immunabwehr. Langen Hautkontakt sollte man aber bei allen Krätzevarianten vermeiden.

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