• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 07:00 Uhr Nachrichten
StartseiteCampus & KarriereHerausragende Promotionen fallen bei Statistikern hinten über31.05.2011

Herausragende Promotionen fallen bei Statistikern hinten über

Kein Summa cum laude wegen gerundeter Note

Summa cum laude, mit höchstem Lob - mit diesem Prädikat werden in Deutschland herausragende Promotionen benotet. Wie oft das vergeben wird, erfasst das Statistische Bundesamt. Ein Mathematik-Professor der Uni Duisburg-Essen hat jedoch entdeckt, dass die offizielle Statistik gar nicht stimmt.

Von Aeneas Rooch

Summa cum laude wird bei Statistikern bei der Note 0,5 registriert. (Stock.XCHNG / Yaroslav B)
Summa cum laude wird bei Statistikern bei der Note 0,5 registriert. (Stock.XCHNG / Yaroslav B)

Professor Günter Törner interessiert sich für Zahlen rund ums Mathematikstudium: Abbrecherquoten, Frauenanteil und so weiter. Beim Zeitungslesen stieß er auf eine Übersicht, wie oft an deutschen Universitäten Promotionen die Note "summa cum laude" erhalten, und er fragte sich, wie das wohl konkret in seinem Fach, der Mathematik, aussieht.

Er kaufte daher beim Statistischen Bundesamt den Notenspiegel für Mathematik-Promotionen aus den letzten vorliegenden Jahren.

"Und ich musste feststellen, dass in Duisburg-Essen null Prüfungen mit der Note summa cum laude versehen waren."

Günter Törner war entsetzt: Dass seine Fakultät in den letzten Jahren nicht ein einziges Mal die Bestnote vergeben hat, wollte er nicht glauben. Immerhin erhält bundesweit durchschnittlich etwa jede fünfte mathematische Promotion die Note "summa cum laude". Außerdem kannte Günter Törner Kandidaten persönlich, die vor kurzem in Duisburg-Essen ihre Promotion mit "summa cum laude" abgeschlossen hatten.

"Insofern dachte ich, da stimmt was nicht, und dann fragt man sich: Woran liegt das? Und daraufhin haben wir in Wiesbaden nachgefragt, Wiesbaden, Statistisches Bundesamt, hat bestätigt, die Zahlen sind korrekt."

Ganz offensichtlich sind dem zuständigen Statistischen Landesamt also nicht die richtigen Noten gemeldet worden. Günter Törner hat zusammen mit seiner Mitarbeiterin Miriam Dieter nachgeforscht. Alle "summa cum laude"-Promotionen seiner Fakultät wurden als null Komma sieben an das Statistische Landesamt NRW übermittelt.

"In unserem Fachbereich, und möglicher Weise auch in anderen Fakultäten, wird die Note summa cum laude als ein eins plus verstanden. Und dieser Zusatz plus bei einer Note bedeutet, dass man einfach die Note um den Anteil 0,3 verringert."

Im Landesamt jedoch wurden die Noten gerundet: von 0,7 auf 1. Und das entspricht nur der Note "magna cum laude", also der Note "sehr gut" - die offizielle Statistik ist falsch.

Dabei sollte doch gerade ein Statistisches Landesamt wissen, wie man mit Datensätzen umgeht. Und dass 0,7 die Bestnote bezeichnet - und nicht das gleiche wie eine 1,0 -, ist allgemein üblich, sogar schon an der Schule.

Das Statistische Landesamt NRW teilt allerdings mit: Es gibt bundesweit einheitliche Regeln, wie Hochschulen ihre Noten übermitteln müssen. Als "summa cum laude" werden dabei alle Noten von 0,00 bis 0,50 eingestuft. Ab 0,51 wird die Note als "magna cum laude" interpretiert. Offensichtlich eine Regel, die an der Universität Duisburg-Essen nicht bekannt war.

Ob auch andere Universitäten ihre Noten falsch übermittelt haben, ist unbekannt. Die Humboldt-Universität Berlin, die TU München und die Universität Hamburg teilen auf Anfrage von "Campus & Karriere" jedenfalls mit, dass sie "summa cum laude" als null in die Statistik eintragen.

Günter Törner hält es allerdings für möglich, dass auch andere Universitäten "summa cum laude" traditionell (und falsch) als 0,7 notieren.


"Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass an der Universität Bayreuth, dass in Erlangen, Nürnberg, dass an der Universität Göttingen, Greifswald, München und weiteren Universitäten in diesem fraglichen Zeitraum, obgleich es einige Promotionen gegeben hat, keine die Note "summa cum laude" bekommen hat. "

Zumindest laut Statistik. Ob die dortigen Professoren einfach nur streng waren, oder ob auch hier die Bestnoten vom Statistischen Landesamt weggerundet wurden - aus den offiziellen Zahlen ist das nicht herauszulesen.

Wenn Günter Törner und Miriam Dieter in Kürze ihre Untersuchung veröffentlichen, wird an den Fakultäten also wahrscheinlich das hektische Nachzählen beginnen, wie viele Doktoranden bisher wirklich "summa cum laude" erhalten haben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk