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StartseiteCorso"Der eindimensionale Mensch" als Bühnenstück13.10.2014

Herbert Marcuse"Der eindimensionale Mensch" als Bühnenstück

Vor 50 Jahren erschien Herbert Marcuses Buch "Der eindimensionale Mensch" - eine scharfe Abrechnung des Philosophen und Vordenkers der Linken mit dem Kapitalismus. Heute sind Autor und Werk nahezu vergessen. Zum Jubiläum geht jetzt eine Theaterversion auf Tournee.

Weiterführende Information

Herbert Marcuse: Schriften in neun Bänden.
(Deutschlandfunk, Politische Literatur, 11.10.2004)

"Morgen hatte gestern noch einen ganz anderen Klang..."

Vier alte Bekannte, die etwas Neues wagen: Da ist der Schauspieler Robert Stadlober, der jetzt singt, da sind Kristof Schreuf, Ex-Frontmann der kolossalen Jugend und Andreas Spechtl, Sänger der Band Ja, Panik. Und dann noch Thomas Ebermann, Ex-Politiker, der sich heute geehrt fühlt, wenn man ihn den "letzten Querulanten" nennt. Zusammen sind sie das "Team Marcuse". Ebermann hat das Gesamtwerk des linken Philisophen studiert:

"Er geistert immer noch als Bösewicht, als geistiger Brandstifter durch die Welt. Was natürlich damit zu tun hat, dass er sich im Unterschied zu anderen Köpfen der Kritischen Theorie sich ungefähr ab 1966, 1967 sich sehr ins Getümmel stürzt."

Robert Stadelober auf Bühne: "Den Marcuse kann man nicht ins Museum stellen, da wo 68 ausgestellt wird. Den eindimensionalen Menschen kann man nicht begraben. Das kann man alles mit Marcuse nicht machen!! Dafür ist er zu subversiv! Und das wisst ihr doch eigentlich. Und genau da liegt doch unsere Chance, versteht ihr das nicht?"

Marcuse sah im Kapitalismus den Verursacher einer umfassenden Krise des menschlichen Wesens. Unter kapitalistischen Verhältnissen träten Wesen und Existenz des Menschen auseinander, der Mensch könne nur als marktwirtschaftliche Marionette funktionieren. Marcuses Befund sei zwar 50 Jahre alt, aber trotz digitaler Evolution nicht veraltet. Informiertheit und Verblödung wären heute verschwistert, sagt das "Team Marcuse". Schwer auszuhalten.

"Wir halten alles aus ... "

"Der eindimensionale Mensch" ist ein Stück, das die Zuschauer befragt: Warum gibt es keine Revolte in dieser übersatten Gesellschaft, sondern nur versklavte Zufriedenheit? Was hat den jungen Menschen, der die Welt aus den Angeln heben wollte, an diesem Ansinnen gehindert? Alle, die heute als links, als progressiv, als bürgerbewegt gelten, haben sich von einer substanziellen Kritik des Bestehenden entfernt, bilanziert das "Team Marcuse". Man tröste sich mit kleinteiligen "Immerhins":

"Immerhin."

"Immerhin haben wir das Dosenpfand erkämpft, immerhin haben wir das Kindergeld erhöht. ... Immerhin... "

Die kleinen Wellen an Rebellion, die heute noch entstehen, verkommen rasch zu einem Teil von Lifestyle. Die Gesellschaft leidet unter Oppositionslosigkeit. Es geht nur noch um die Verbesserung im Kleinen und um Selbstoptimierung, sagen die Autoren.

Das Bühnenstück "Der eindimensionale Mensch" folgt keiner klassischen Dramaturgie, ist eine Art Multimediaprojekt:

Ebermann: "Na ja, erst mal kommt Marcuse ja selbst zu Wort und Zeitgenossen wie Angela Davis zum Beispiel Oder auch Reaktionäre ,die so etwas sagen wie: Als die Krawalle ausbrachen in Rom war Herbert Marcuse da, als die Krawalle ausbrachen in Paris war Herbert Marcuse da, als die Krawalle ausbrachen in Berlin war Herbert Marcuse da."

Die eigens für diesen Abend komponieren Lieder werden mit inszenierten Streitgesprächen verwoben. Das Stück ist schwierig, aber keine Randgruppenbeschallung; sondern gehobene Unterhaltung für Besucher, die zur Reflexion ihres eigenen gesellschaftlichen Status noch fähig sind.

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