• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 20:00 Uhr Nachrichten
StartseiteUmwelt und VerbraucherUnkräuter entwickeln Immunität gegen Pflanzengift26.09.2014

Herbizid-StudieUnkräuter entwickeln Immunität gegen Pflanzengift

"Superweeds - resistente Unkräuter bedrohen die Ernte" - so heißt eine von den europäischen Grünen in Auftrag gegebene Studie, die den übermäßigen Einsatz von Herbiziden in der konventionellen Landwirtschaft und dessen Folgen untersucht hat. In Berlin wurden nun die Ergebnisse vorgestellt.

Daniela Siebert im Gespräch mit Georg Ehring

Georg Ehring: Unkraut bekämpft die konventionelle Landwirtschaft mit Herbiziden, doch das geht oft nur eine Zeit lang gut.
Irgendwann entwickelt auch ein Unkraut Resistenzen, das heißt, das Spritzmittel kann ihm nichts mehr anhaben und es verbreitet sich auf den Äckern.

Das gilt ganz besonders, wenn ein Herbizid sehr weit verbreitet ist, ein Beispiel ist Glyphosat. Die Industrie hat gentechnisch veränderte Pflanzen hervorgebracht, die gegen Glyphosat immun sind, doch immer mehr Wildpflanzen tun es ihm gleich.

Heute Vormittag wurde dazu in Berlin im Auftrag der Europäischen Grünen verfasste Studie veröffentlicht - der Titel: "Superweeds - resistente Unkräuter bedrohen die Ernte". Daniela Siebert in Berlin, die Rede ist also von Superunkräutern - was ist das?

Daniela Sibert: Die Studie listet auf, welche Auswirkungen vor allem Glyphosat - das ja vom allem von Monsanto unter dem Namen Round-up vertrieben wird - auf die wachsende Zahl von Herbizid Resistenzen bei sogenannten Unkräutern hat.

Wir reden hier über diverse betroffene Pflanzen wie Amaranthus Palmeri, das sehr schnell und hoch wächst und so beispielsweise Soja- oder Baumwollpflanzen verdrängt. Oder den Ackerfuchsschwanz, der zunehmend auf Getreidefeldern wuchert.

Auch auf vielen Äckern, auf denen eigentlich nur Mais, Raps oder Reis und derlei Nutzpflanzen wachsen sollen, bereiten zunehmend Superweeds Ärger.

Ein Autor der Studie ist Christoph Then, der sich schon lange mit der Thematik befasst und sich als Gentechnik-Kritiker auch gegen Patente auf Saatgut und auf Leben einsetzt.

"Das Hauptproblem ist der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen, die gegen Glyphosat resistent gemacht worden sind und dadurch kam es zu einer zu hohen Ausbringung, zu häufigen Ausbringung auf diesen Feldern, und das hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass sich innerhalb kurzer Zeit eben sehr viele Unkräuter an Glyphosat angepasst haben. "

Wilder Herbizidcocktail

Ehring: Wie wirkt sich diese Entwicklung aus?

Siebert: Das wirkt sich laut Studie so aus, dass mancherorts jetzt Unkraut von Hand gejätet werden muss und dass teilweise alte sehr giftige Unkrautvernichter wieder zum Einsatz kommen.

Insgesamt werden immer mehr Herbizide verwendet und immer wildere Cocktails davon gemischt.
So oder so: Die Produktionskosten in der Landwirtschaft werden dadurch zusätzlich erhöht. Und es kommt zu weniger Ernteertrag bis hin zu kompletten Ernteausfällen. Auch keine Kleinigkeit: Es gibt mehr Rückstände in den Nahrungsmitteln und Böden.

Superunkräuter nicht nur in den USA ein Problem

Ehring: Ist das denn nur ein Problem in den USA, wo besonders exzessiv solche Landwirtschaft betrieben wird oder auch anderswo?

Siebert: Die USA haben ein besonders großes Problem damit, dort sind bereits Millionen Hektar Ackerland durch glyphosatresistente Unkräuter befallen. Insgesamt fänden sich dort 145 von insgesamt 432 Resistenztypen listen die Studienverfasser auf. Aber auch in Australien, Kanada und Südamerika ist das ein Riesenthema und auch in Deutschland und Europa wachsen solche Unkräuter immer mehr.

Ehring: Was für einen Widerhall könnte die Studie denn auf politischer Ebene finden?

Siebert: Also Auftraggeber ist ja die Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament. Dort sitzt auch der grüne Abgeordnete Martin Häusling und der leitet auf den hinteren Seiten der Studie von Christoph Then und Runa Boeddinghaus auch gleich radikale politische Forderungen ab, etwa dass Europa den ökologischen Landbau zum Leitbild machen müsse und auch nur noch in diesen Sektor öffentliche Zahlungen fließen sollten.

Nicht immer bloß die Chemiekeule schwingen

Siebert: Dass Glyphosat 2015 keine erneute Zulassung in der EU bekommen dürfe und Europa auch keine neuen Zulassungen zum Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen geben sollte. Auch Studienautor Christoph Then sieht die Politik in der Pflicht:

"Deutschland und die EU sind Teil des Problems, bisher wird in der EU viel zu wenig auf eine naturnahe und nachhaltige Landwirtschaft gesetzt und damit haben wir eben auch in der Europäischen Union Probleme mit Herbizidresistenz."

Siebert: Die Studie selbst empfiehlt unter anderem intelligentere Fruchtfolgen auf den Feldern und einen ganzheitlicheren Ansatz in der Landwirtschaft als immer bloß die "Chemiekeule".

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk