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Herumgedoktert?

Das Netzwerk des spanischen Dopingarztes Garcia Del Mora

von Jürgen Kalwa

Sportärzte mit Dopingerfahrung sind auch im Tennis aktiv.
Sportärzte mit Dopingerfahrung sind auch im Tennis aktiv. (picture alliance / dpa / Petr Sznapka)

Der erstaunliche Höhenflug der italienischen Tennisspielerin Sara Errani ist besonders bemerkenswert, weil ihr Arzt, Garcia Del Mora, auch der Betreuer von Lance Armstrong war. In dessen Team soll er für das Doping zuständig gewesen sein.

Wie nennt man das, wenn eine nicht mehr ganz taufrische Tennisspielerin nach Jahren der Zweitklassigkeit plötzlich Konkurrenten schlägt, die in der Rangliste besser stehen? Unwahrscheinlich? Das war zumindest das Wort, mit dem in ersten Reaktionen der unerklärliche Erfolg der Italienierin Sara Errani bei den French Open quittiert wurde.

25 Jahre alt ist die Frau aus Bologna, die niemand bislang auf dem Zettel hatte und die in Roland-Garros mit ihrer Partnerin Roberta Vinci das Doppel gewann und im Einzel das Finale gegen Maria Sharapowa erreichte.

Lag es an den Schlägern der neuen Firma, zu der sie in der Winterpause gewechselt war? Hat sie ein Patentrezept für Sandplätze gefunden? Sie wisse es nicht, sagte sie in Paris. Sie habe mit so etwas schlichtweg nicht gerechnet.

""Es ist unglaublich. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.”"

Zumindest soviel sagte sie dann doch: Sie bedankte sich bei der Tennisakademie in Valencia, ihrem Trainer und allen Menschen, die sie dort seit sechs Jahren unterstützt haben. Ihr Erfolg sei auch deren Erfolg. "Denn”, so sagte sie, "ohne sie wäre ich gar nicht hier.”

Einer jener Betreuer in der spanischen Stadt ist Mediziner. Dr. Luis García del Moral. Seinen Namen kennt man. Er war zwischen 1999 und 2003 Teamarzt im Rennstall von Lance Armstrong und bekam aus diesem Grund vor etwas mehr als einer Woche Post von der amerikanischen Anti-Dopingagentur.

Der Arzt und Kettenraucher, der in der Radsportszene wegen seines Aussehens den Spitznamen "El gato negro” hatte – "die schwarze Katze” – soll Radrennfahrer im Team des Texaners ermuntert haben, Dopingmittel einzunehmen und ihnen dabei geholfen, sie zu benutzen. Sein Arbeitsplatz: Ein abgetrennter Raum im Mannschaftsbus.

Verdachtsmomente hatte es in der Vergangenheit bereits gegeben. So während der Tour de France 2000, als ihm ein französischer Fernsehreporter bis auf einen Rastplatz folgte und die Entsorgung von Müll beobachtete. Im Abfall befanden sich leere Schachteln des leistungssteigernden Medikaments Actovegin. Eine Untersuchung der französischen Polizei brachte jedoch keine Resultate.

2003 nahm er seinen Abschied von Armstrongs Team,, weil er, so sagte der 55-Jährige vor wenigen Tagen in einem Interview mit einem spanischen Sportmagazin, müde gewesen sei und der Druck enorm. Er nahm einen Posten beim Instituto de Medicina del Deporte in Valencia an, wo man sich nicht nur um Sportverletzungen, sondern auch um Leistungsoptimierung kümmert. Die Patienten: Radfahrer, Leichtathleten, Fußballer und Tennisspieler. Einer seiner ersten Kunden nach der Rückkehr nach Spanien: Floyd Landis, der den Arzt aus eigener Tasche bezahlte.

2007 belastete ihn der Radfahrer Jesús Manzano, als der der französischen Zeitung "L’Equipe” einen Einblick in die Art und Weise gab, wie man im spanischen Radsport Dopingkontrollen ins Leere laufen ließ. "Die schwarze Katze” erhielt Manzano zufolge Vorabwarnungen aus einem der zuständigen Labore und dort von dem mit ihm befreundeten Eigentümer. Walter Virú – ein ehemaliger Mitarbeiter des sehr viel bekannteren Dokor Fuentes.

Die spanische Polizei unternahm zwei Jahre später eine Razzia und nahm den ebenfalls in Valencia ansässigen Virú fest. In seinem Büro wurden Unterlagen beschlagnahmt, die die Namen von Sportlern und die fraglichen Doping-Methoden enthalten. Es ist demnach nicht ausgeschlossen, dass sie auch Anhaltspunkte für die Arbeit von Dr. Luis García del Moral liefern.

In einer Stellungnahme vor einer Woche erklärte der, die Anschuldigungen seien "nicht wahr”. Er habe "niemals in seiner Karriere” einem Sportler leistungssteigernde Mittel verabreicht. Der Bruder und Manager der Tennisspielerin Sara Errani reagierte ebenfalls. Seine Schwester, so sagte er, habe in all den Jahren nur eine Herzuntersuchung bei García del Moral gehabt. Mehr nicht. Die Tennisspielerin, zur Zeit Nummer zehn der Weltrangliste, schweigt.

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