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StartseiteSprechstundeWenn das Herz aus dem Takt ist20.06.2017

HerzrhythmusstörungenWenn das Herz aus dem Takt ist

Vorhofflimmern und Vorhofflattern können durch Bluthochdruck oder Übergewicht verursacht werden. Blutdrucksenkenden Medikamente oder Abnehmen können manchen Patienten helfen. Gelingt das nicht, muss operiert werden. Ein Eingriff, der viel Feingefühl erfordert.

Von Barbara Weber

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Ein Stethoskop liegt vor einem Kardiogramm. (imago/Science Photo Library)
Herzrhythmusstörungen können viele Ursachen haben. (imago/Science Photo Library)
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Herzzentrum Universitätsklinik Köln. Der 70jährige Patient schläft auf einer Liege.

Bevor die Behandlung beginnt, hat das Operationsteam um Professor Daniel Steven, Leiter der Abteilung Elektrophysiologie, alle Vorbereitungen für den Eingriff getroffen. Eine kleine Öffnung in der Leiste des Patienten schafft den Zugang für die Geräte, die der Arzt vorsichtig in den linken Vorhof des Herzens schiebt:

"Das ist einmal ein ringförmiger Katheter wie ein Lasso, so nennen wir den auch. Der hat verschiedene Elektroden, mit denen wir dann diese elektrischen Herzströme ableiten können."

Das heißt, der Lasso-Katheter misst die elektrische Aktivität am Herzmuskel

"Wir haben dann einen Ablations-Katheter, der liegt hier so gebogen im linken Vorhof, mit dem können wir die Verödungspunkte machen und letztlich die Therapie durchführen."

Damit hilft der Lasso-Katheter exakt die Orte zu finden, an denen der Ablations-Katheter zum Einsatz kommt.

Mithilfe eines neuen strahlungsfreien Verfahrens kann der Operateur auf einem Monitor sehen, wo sich die Katheter im Körper befinden.  

"Typischerweise fangen wir in der linken oberen Pulmonal-Vene an und arbeiten uns dann links unten, rechts oben, rechts unten an den vier Pulmonal-Venen ab.

Wir beginnen jetzt mit der Lasso-Positionierung in der linken oberen Pulmonal-Vene. Wir sehen, wir drehen den Katheter nach hinten und können dann mit der Behandlung beginnen."

Vorsichtig schiebt der Arzt den Ablations-Katheter in die richtige Position.

"Sie sehen das jetzt hier: In diesem linken Vorhof bewegt der sich jetzt ebenso wie eben dieser Lasso-Katheter. Und dieser Katheter hat eine Besonderheit: Er kann mittels ausgeklügelter Mini-GPS-Technologie den Anpressdruck des Katheters messen. Das bedeutet, er kann uns eine Information geben, wie hoch die Kraft ist, die wir aufbringen, wenn wir das Herzgewebe berühren."

Komplikationen vermeiden

Dadurch lassen sich Komplikationen vermeiden wie die Verletzung des Herzmuskels, zum anderen kann Professor Steven die Menge des Stroms dosieren, mit der er das Gewebe verödet.

"Und jetzt können wir mit dem Katheter an den Oberrand der linken Pulmonal-Vene gehen und jetzt beginnen Strom abzugeben, und wir haben jetzt hier ein Fuß-Pedal unter dem Tisch, mit dem wir den Generator, der letztlich den Strom zwischen der Katheter-Spitze und einem speziellen Rückenpatch, was an dem Patienten befestigt ist, abgeben kann. Das ist ein spezieller 50-Hertz-Strom, also ein hochfrequenter Strom, der sich als eine gute Energiequelle ergeben hat. Und sie wollen natürlich sehr lokal Energie am Gewebe abgeben, wollen aber auf der anderen Seite vermeiden, dass es zu größeren Gewebeschädigungen kommt, die dann auch zu Komplikationen führen können."

Durch ein ausgeklügeltes Spülsystem erreicht die Spitze des Katheters nur etwa 30 Grad.

"Aber die Gewebetemperatur, die wir unter dem Katheter erreichen, die kann sicherlich bei 70, 80 Grad liegen, die wir ... für den Umbau der Eiweiße in den Herz-Muskel-Zellen brauchen, um diese elektrische Leitfähigkeit den Herzmuskelzellen zu nehmen."

"Dieses Piepen ist letztlich unser Kontrollgeräusch vom Generator, was uns anzeigt, dass überhaupt irgendetwas passiert, weil sonst würde das geräuschlos ablaufen, und es ist für alle im Raum, auch für den Untersucher, das Signal, dass hier Strom abgegeben wird und gerade der Moment der Verödung läuft."

"Es geht jetzt vor allem darum, da eine komplette Linie zu schaffen und durch diese komplette Ablationslinie letztlich die komplette Isolation herbeizuführen. Das nimmt aber ein paar Minuten in Anspruch, und wir sind jetzt aber hier schon relativ weit vorgedrungen und sind jetzt hier in der Vorderwand der linken Pulmonal-Vene unterwegs, und das ist von der Gesamtdistanz, die wir brauchen, jetzt wahrscheinlich noch etwa 20 Prozent übrig geblieben sind, die wir noch komplettieren müssen."

Nach einigen Minuten ist auch das geschafft!

 "Okay, dann können wir einmal entlang der Ablationslinie stimulieren."

Elektrische Impulse als Kontrollmittel

Das geschieht mithilfe von elektrischen Impulsen. Leitet das Gewebe diese nicht mehr weiter, war die Behandlung erfolgreich.

"Eine zusätzliche Sicherheit, die man noch erlangen kann, um auf Dauer das Wiederauftreten von Vorhofflimmern zu vermeiden."

Alles ist in Ordnung.

"Okay, das sieht jetzt alles gut aus."

Doch um ganz auf Nummer Sicher zu gehen, gibt es noch einen Medikamenten-Test.

"Und mit diesem Test kann man feststellen, ob es hier zu einer Leitungserholung kommt und das würden wir zum Abschluss, wenn wir mit der rechten Seite fertig sind, noch mal machen."

Gute Chancen für ein unbeschwertes Weiterleben

Am Ende der Operation ist Prof. Daniel Steven zufrieden: Die OP war erfolgreich und alle Tests verliefen gut.

"Sodass wir alle Voraussetzungen dafür geschaffen haben, dass der Patient möglichst hohe Chance hat, weder Vorhofflimmern noch Vorhofflattern in der Zukunft zu bekommen."

 

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