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StartseiteVerbrauchertippRichtig versichert bei Gefälligkeitsdiensten27.06.2017

Hilfe für Freunde und NachbarnRichtig versichert bei Gefälligkeitsdiensten

Blumengießen während des Urlaubs oder Möbeltragen bei Umzug - das sind Dinge, die man gerne für seine Freunde und Bekannten tut. Doch wer nicht gut aufpasst oder Pech hat, kann beim Helfen schnell hohe Schäden verursachen. Das kann zum Rechtsstreit führen, der für alle Beteiligten unangenehm wird.

Von Katja Scherer

Nahaufnahme Blumengießen im Freien. (imago / Eibner)
Wer haftet, wenn nach dem Blumengießen der Schlauch weiterläuft und ein Wasserschaden entsteht? (imago / Eibner)
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Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale NRW kennt viele Situationen, in denen das Helfen nicht wie erwartet abläuft: "Ein Klassiker ist sicherlich Gartenwässerung, Blumengießen. Da wird mal der Schlauch angelassen und es dringt Wasser über Nacht in die leer stehende Wohnung ein. Da geht es um hohe Summen und das wird schnell zum Nachbarschafts- oder Gerichtsstreit."

Rein rechtlich gilt bei solchen Freundschaftsdiensten: Der Helfende haftet dann, wenn er den Schaden grob fahrlässig verursacht hat. Kathrin Jarosch vom Verband der Deutschen Versicherungswirtschaft nennt Beispiele: "Wenn Sie jetzt total alkoholisiert beim Umzug helfen und etwas kaputt geht, dann würde ich schon sagen, dass das ein Fall von grober Fahrlässigkeit ist."

Von leicht bis grob fahrlässig

Das aber dürfte wohl eher selten vorkommen. In aller Regel verursachen Helfer Schäden nur "leicht fahrlässig", wie Juristen sagen, also aus Unachtsamkeit und nicht aus Absicht oder Gleichgültigkeit. Und dann haftet für solche Schäden nicht mehr der Verursacher, sondern der Hilfesuchende. Dieses Prinzip wird als sogenannter stillschweigender Haftungsausschluss bezeichnet, erklärt Opfermann: "Wenn ich leicht fahrlässig meinem Nachbarn einen Schaden in seiner Wohnung zufüge, dann wird von der Rechtsprechung davon ausgegangen, dass sie dafür einen Haftungsschluss vereinbart haben, auch wenn das vorher nicht deutlich besprochen wurde. Der Nachbar ist ja nett und hilft seinem Nachbarn: Dafür soll er dann nicht bestraft werden."

Im Klartext heißt das: Der Freund oder Nachbar bleibt auf seinem Schaden sitzen. Damit das nicht passiert, können Helfer solche Freundschaftsdienste in ihrer Haftpflichtversicherung mitversichern: Dann zahlt die Versicherung selbst dann, wenn sie rein rechtlich gar nicht muss. Philipp Opfermann hat einige Verträge mitgebracht: "Bei dem einen Versicherer heißt dieser Baustein Gefälligkeitshandlungen, bei dem anderen Schäden aus Gefälligkeitsverhältnis oder Leistung bei fehlender Haftung. Verschiedene Begriffe für den gleichen Versicherungsschutz."

Das Kleingedruckte lesen

Allerdings lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte. Denn oft sind die Bedingungen, zu denen solche Schäden abgesichert sind, sehr unterschiedlich: "Auf den zweiten Blick sieht man, der erste Versicherer haftet bei Schäden bis zu 100.000 Euro, der andere Versicherer hat das begrenzt auf 0,1 Prozent der Versicherungssumme. Das sind dann je nach Versicherungssumme nur wenige 1.000 oder 10.000 Euro."

Manche Versicherer zahlen erst, wenn der Schaden eine bestimmte Summe erreicht, oder sie verlangen eine Selbstbeteiligung. Und bei einigen Versicherungsverträgen, gerade der älteren Generation, sind solche Schäden sogar gar nicht versichert. Dann sollte man beim Versicherer nachfragen, ob eine Erweiterung des Versicherungsschutz möglich ist - oder man sollte den Anbieter wechseln.

Darüber hinaus können auch Hilfesuchende etwas tun, um sich zu schützen, sagt Kathrin Jarosch vom Verband der Versicherungswirtschaft. Sie sollten das Risiko minimieren - etwa bei Umzügen: "Wenn man teure Sachen hat, entweder man trägt sie selbst oder man beauftragt ein Umzugsunternehmen, die sind dann auch versichert." Das kostet dann zwar mehr Geld oder Muskelkraft, hilft aber vielleicht, den ein oder anderen Streit zu vermeiden.

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