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StartseiteVerbrauchertippWenn im alten Job nichts mehr geht22.12.2017

Hilfsangebote für SchwerbehinderteWenn im alten Job nichts mehr geht

Ob angeboren, in Folge eines Unfalls oder durch eine Krankheit: Manchmal ist es erforderlich, aufgrund einer Schwerbehinderung sich beruflich zu verändern. Wer die Kosten für eine Umschulung oder eine behindertengerechte Arbeitsplatzausstattung übernimmt, kann je nach Fall allerdings unterschiedlich sein.

Von Bernd Debus

Ein junger Mann sitzt in einem Rollstuhl. (Imago / Westend61)
Eine Behinderung kann einen unerwartet treffen (Imago / Westend61)
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Wenn im alten Job nichts mehr geht: Hilfsangebote für Schwerbehinderte

Martin, der seinen richtigen Namen nicht nennen möchte, ist seit seiner Kindheit gehbehindert. Schuld daran ist eine spastische Lähmung. Trotz der Behinderung absolvierte er eine Berufsausbildung zum Elektrogerätemechaniker und fing in einer Firma an, die Haushaltsgeräte repariert. Doch dann fiel ihm das Laufen immer schwerer:

"Waschmaschinen reparieren, die musst du auf die Seite legen, musste an die Geräte dran kommen und letztendlich auch in der Firma, wo ich zuletzt gearbeitet habe, auch ausliefern. Und das ging dann hinterher gar nicht mehr."

Sein neues Berufsziel: Ergotherapeut. Ergotherapeuten helfen Menschen, die körperlich eingeschränkt sind oder eine psychische Erkrankung haben. Die Therapie besteht in Alltagstätigkeiten, wie zum Beispiel Gartenarbeit. Aber auch Werken und Basteln gehören mit dazu.

Martins handwerkliche Ausbildung war die perfekte Basis für die Umschulung. Aber wer finanziert so einen beruflichen Neuanfang? Das kommt zum Beispiel darauf an, wie es zu der Schwerbehinderung kam und wie lange man schon in die Rentenversicherung einzahlt. Ulrich Adlhoch vom Integrationsamt in Münster:

"Wir haben in Deutschland ein sogenanntes gegliedertes System, bei dem unterschiedliche Träger für bestimmte Leistungen für behinderte Menschen und ihre Arbeitgeber zuständig sind."

Bei Berufskrankheiten oder nach Arbeitsunfällen ist die Unfallversicherung zuständig.

Kostenträger können unterschiedlich sein

Wenn es um eine medizinische Rehabilitation geht - beispielsweise wegen einer chronischen Krankheit - dann ist das Sache der Krankenversicherung oder der Rentenversicherung.

Und um die berufliche Rehabilitation kümmert sich die Bundesagentur für Arbeit:

"Dort ist dann aber auch die Rentenversicherung möglicherweise zuständig. Sie müssen 15 Beitragsjahre haben in der Rentenversicherung, dann ist die Rentenversicherung zuständig, ansonsten immer die Agentur für Arbeit."

Das ist alles reichlich kompliziert. Doch immerhin gibt im Dschungel der unterschiedlichen Zuständigkeiten Hilfe durch die Integrationsämter und ihre Fachstellen vor Ort, die in all diesen Fällen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Ulrich Adlhoch:

"In der Tat versteht sich das Integrationsamt durchaus als Koordinator, als jemand, der, wenn er gerufen wird, auch prüft: Kommen Leistungen anderer Träger infrage, braucht es die Hilfe der Rentenversicherung, braucht es eine Unterstützung durch die Agentur für Arbeit?"

Martin hatte noch keine fünfzehn Beitragsjahre in der Rentenversicherung zusammen. Deshalb wandte er sich an die Arbeitsagentur:

"Und die haben mir letztendlich eine Umschulung angeboten, auch die Finanzierung dazu."

Es muss nicht immer eine komplette Umschulung sein

Oft muss es aber nicht gleich eine Umschulung zu einem komplett neuen Job sein. Erstes Ziel der Integrationsämter ist es, den alten Arbeitsplatz für einen schwerbehinderten Menschen zu erhalten. Und auch dafür gibt es finanzielle Hilfen:

"Da geht es um spezifisch am Arbeitsplatz einzusetzende Leistungen, wie zum Beispiel behinderungsgerechte Gestaltung eines solchen Arbeitsplatzes mit technischen Arbeitshilfen. Zum Beispiel ein Hebegerät, bei einem Wirbelsäulenleidenden."

 

Die Arbeitgeber müssen sich in der Regel nicht an den Kosten beteiligen. Widerstände von Arbeitgeberseite gibt es - nicht nur deshalb - eher selten. Schließlich halten die Betriebe auf diese Weise oftmals gut eingearbeitete und erfahrene Mitarbeiter.

Martin hat übrigens eine Stelle als Ergotherapeut gefunden. Den beruflichen Neuanfang betrachtet er inzwischen durchaus positiv:

"Von der Arbeit selber her ist es ein ganz anderes Leben. Mir macht das mit den Menschen arbeiten sehr viel Spaß. Mehr wie mit Waschmaschinen."

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