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StartseiteUmwelt und VerbraucherEnergiewende auf die Straße bringen17.05.2017

Hindernisse auf dem Weg zum ElektroautoEnergiewende auf die Straße bringen

Elektroautos stellen weniger als ein Prozent des Pkw-Bestandes, erst Recht bei privaten Haltern. Experten empfehlen der Politik, Bürger von Anfang an bei der Planung der nötigen Infrastruktur einzubinden. Doch das größte Hindernis beim Ausbau der Elektromobilität sei die jüngste Deckelung des Ausbaus erneuerbarer Energiequellen, sagen Experten.

Von Daniela Siebert

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Ein Areal des Aksdal Einkaufcenters im südwestlichen Norwegen, in dem sich Tankstellen mit herkömmlichen Treibstoffen befinden und Elektro-Ladestationen.  (imago/Ludwig Heimrath)
Hier gehts einfach: hier in Norwegen kann man das Elektrofahrzeug während des Einkaufs "betanken". Experten empfehlen, Bürger von Anfang an bei der Planung der nötigen Ladestellen einzustellen. (imago/Ludwig Heimrath)
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Ein Opel Ampera parkt vor der Tür der Hessischen Landesvertretung. Er soll wohl Appetit auf die Veranstaltung machen, schließlich kann er laut Hersteller elektrisch über 500 Kilometer weit fahren. Doch Elektroautos - mit Ökostrom betrieben und potentielle Pfeiler der Energiewende – sie sind in Deutschland noch immer Ladenhüter.

Sie stellen weniger als ein Prozent des Pkw-Bestandes, erst Recht bei privaten Haltern. Die Bochumer Umweltpsychologin Petra Schweizer-Ries glaubt zu wissen, warum.

"Erstmal sind sie natürlich schon skeptisch, aber eigentlich eher weil das so vermittelt wird. Auch in unseren Medien wird viel Kritisches über das Elektroauto gesprochen. 'Werde ich dann wieder nach Hause kommen?', und 'Trägt es mich überhaupt so weit?' – Alle diese Dinge, wenn wir das anders kommunizieren, dann sind viele dazu bereit."

Pilotprojekte in Berlin oder im Harz

Teilnehmer von Pilotprojekten etwa in Berlin oder im Harz hätten sich viel positiver über diese Mobilitätsvariante geäußert. Überhaupt hat sie einen Bevölkerungsteil ermittelt, der E-Autos besonders offen begegne. Sie nennt sie die "Hedonisten":

"Das sind die Menschen, die sich an ihrem Leben erfreuen und die auch gerne Neues erproben, in diesem Bereich ist es dann schicker, auch mal so ein Elektroauto zu haben."

Der Politik empfiehlt die Wissenschaftlerin, die Bürger von Anfang an mit einzubinden, etwa bei der Planung der nötigen Infrastruktur, also Ladestellen.

Merkel zu Elektroautos: "Wir halten nach wie vor an dem Ziel fest"

Auch die Bundesregierung setze nach wie vor auf Elektroautos sagt Staatssekretär Norbert Barthle vom Bundesverkehrsministerium. Der Eindruck, dass die Kanzlerin jüngst von dem Ziel abgerückt sei, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, beruhe auf einem Missverständnis:

"Die Kanzlerin hat dieses Ziel nicht kassiert, sondern sie hat gesagt, dass Stand heute es sehr schwer sein wird, dieses Ziel zu erreichen oder sogar unwahrscheinlich, aber sie hat hinzu gefügt: man hat ja z.B. bei Smartphones erlebt, dass es teilweise sehr rasche Entwicklungssprünge gibt, also wir halten nach wie vor an dem Ziel fest, auch wenn man tatsächlich Stand heute sagen muss, die Wahrscheinlichkeit, dass wir es erreichen ist nicht sonderlich groß."

"Batterie-Elektrik? Wasserstoff- und Brennstoffzelle?"

Tatsächlich fördere die Bundesregierung die neue Technik ja nach Kräften: mit Geld für die Forschung, Kaufprämien, einem Förderprogramm für Ladesäulen, steuerlicher Förderung und Sonderparkplätzen. Aber letztlich sei man immer noch Technologie-offen.

"Technologieoffen heißt: wir wissen nicht, was sich letztendlich durchsetzt. Ist es Batterie-Elektrik? Ist es Wasserstoff- und Brennstoffzelle? Ich könnte mir vorstellen beides. Es gibt ja sogar die Möglichkeit, beides zu kombinieren, als Hybridautofahrzeug sozusagen."

"Elektrifizierung des Verkehrs fordert ganz andere Ausbaudynamik"

Das Problem "Wohin bewegt sich der Markt?" haben auch die Autohersteller. So sagt Benjamin Sokolowski von Opel freimütig:

"Wir sind gezwungen, ein Stück weit darauf zu hoffen, dass die Elektromobilität angenommen wird vom Kunden und bisher Beweis noch ausstehend."

Thorsten Ebert von den Stadtwerken in Kassel sieht als Haupthindernis, die Energiewende auf die Straße zu bringen, die Deckelung des Ausbaus der erneuerbaren Energiequellen.

"Wenn wir wirklich alle drei Teilmärkte mit erneuerbaren Energien bedienen wollen, Strommarkt, den Wärmemarkt und den Verkehrsmarkt, dann müssen wir die Ausbaugeschwindigkeit, die gerade von dem Wirtschaftsministerium, Energieministerium deutlich reduziert worden ist mit dem EEG, verdreifachen. Also die Elektrifizierung jetzt auch des Verkehrs, fordert nochmal eine ganz andere Ausbaudynamik erneuerbarer Energien."

"Derzeit herrscht allerorten Verunsicherung"

Derzeit herrscht stattdessen allerorten Verunsicherung vor und das hemmt die Entwicklung. Ein vielsagendes Beispiel: Bremens Umweltsenator Joachim Lohse von Bündnis 90/Die Grünen bräuchte eigentlich einen neuen Dienstwagen. Aber:

"Ich habe dem Hersteller, bei dem ich den Wagen bestelle, vor anderthalb Jahren einen Brief geschrieben und gefragt: Wie sind die realen Emissionen meines Fahrzeugs? Ich hab die Antwort bis heute nicht bekommen. Ich hab nur den Hinweis bekommen, dass er nach den Rollenprüfstandmesswerten des europäischen Prüfverfahrens also gesetzeskonform ist, das ist die Antwort, die ich erhalten habe, das ist aber nicht die Frage, die ich gestellt hatte. Ich stehe jetzt vor der Frage 'Was für ein Auto nimmst Du?' 'Gehst Du zurück zum Benziner?', dann haste wieder mehr CO2-Emissionen, aber weniger Stickoxide oder ich tendiere jetzt zum Hybridantrieb, aber eigentlich bin ich noch allein gelassen als Verbraucher damit, welches Auto bringt mich denn 500 Kilometer weit?"

Immerhin: Wenn sie ihre Blicke in die Ferne richten, auf das Jahr 2050, dann sind sich die Diskutanten alle einig, dass die Elektrifizierung des Straßenverkehrs zur Normalität gehören wird. Und er werde weitgehend ohne Kohlenstoff auskommen.

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