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Hinter den Kulissen eines Filmauto-Verleihs

Oldtimer für die Leinwand

Von Julia Batist

Vom Cadillac über das klassische schwarze Londoner Taxi bis hin zur Ente oder zum Trabbi – Beuren hat sie.
Vom Cadillac über das klassische schwarze Londoner Taxi bis hin zur Ente oder zum Trabbi – Beuren hat sie. (Stock.XCHNG / Jean-Marc Labbe)

In einer alten Kölner Halle hortet Egbert Beuren historische Requisiten und Gefährte aus vergangenen Zeiten. Der Sammler hat sein Hobby zum Beruf gemacht: 250 Oldtimer hält er in Schuss, um sie für Film- und Fernsehproduktionen zu vermieten.

(Motorengeräusch)

So klingt ein Ford Thunderbird Cabrio von 1959. Mit diesem Auto fing alles an. Egbert Beurens Vermieter wollte den großen, weißen, amerikanischen Straßenkreuzer loswerden.


"Dann hab ich mir den angesehen und vom Schrottplatz weg gerettet. Über drei Jahre restauriert, das war Anfang der 80er. Ist dann ein stattliches Auto draus geworden."

Viel Chrom, rote Sitze, weißes Lenkrad – Egbert Beuren, heute 53 Jahre alt, kennt jede Schraube. Weil er damals Ersatzteile brauchte, kaufte er seinen zweiten Oldtimer. Heute sind es 250 und eine alte, unsanierte Halle voller Requisiten. Straßenschilder, Hüte, blinkende Leuchtreklamen, Scheinwerfer. Sogar ein alter Flipper steht bereit.

"Ist was in die Jahre gekommen, Kugel rollt. Turnierfähig ist er nicht mehr, aber als Dekoration eignet er sich nach wie vor. Der ist von 1962 – Jackpot!"

Egbert Beuren ist ein echter Sammler. Fündig wird er auf Flohmärkten, im Internet oder durch seinen Zweitjob als Techniker in der Gastronomie. So kam er an ausrangierte, alte amerikanische Bar-Einrichtungen. Vom Kühlschrank bis zur Jukebox - vieles davon steht heute in Beurens Halle.

"Seit meiner Jugend haben mir Flohmärkte Spaß gemacht oder gerade so alte Artikel, irgendwo rumzustöbern. Das ist einfach – ja – eine Leidenschaft. Ganz einfach. Persönliche Schätzchen sind immer die Sachen, die man gerade neu erstanden hat oder günstig bekommen hat. Das sind die Sachen, die im Moment am schönsten sind, wo man dran hängt."

Das gilt natürlich auch für seine Autos. Bei jedem Filmeinsatz sind andere Details gefragt.

"Da werden amerikanische Pick Ups gebraucht für eine Fernsehsendung und die sollen getönte Scheiben hinten haben. Präparieren wir jetzt. Ich glaub, ich helfe mal lieber wat hier. In dem Fall macht man das dann selbst, weil einfach die Zeit fehlte für die Produktion. Das ist dann einfach sehr, sehr kurzfristig manchmal. Solche Art Arbeiten ist eigentlich nicht unser Job."

Sondern der der Innenrequisite. Am Filmset ticken die Uhren anders. Viele Aufträge kommen von heute auf morgen. Ein Bäckerei-Schriftzug auf dem alten Lieferwagen oder herausnehmbare Sitze – für den Filmauftritt muss alles stimmen.

"Der spielt in Kalifornien, die brauchten kalifornische…
Für diesen Auftrag werden auch dementsprechend Kennzeichen geordert.
Hier haben wir schon mal zwei von Kalifornien."

Und manchmal haben die Filmleute auch unrealistische Vorstellungen.

"Dann müssen wir genau sagen, ja mit diesem Auto ist das machbar, andere Szenen oder Stuntszenen – nicht mit diesem Auto. Dann wird wirklich was dafür besorgt oder dementsprechend präpariert. Also das ist ein langer Entscheidungsprozess und es muss viel, viel diskutiert werden, bis dann die Wahl auf so ein Fahrzeug auch fällt."

Mitten in der Halle steht ein alter, schwarzer Ford Popular mit einer Vorkriegskarosserie. Staubig und rostig, so ist er für einen Puppenfilm bestellt. Anspringen muss er trotzdem – wie alle Film-Autos.

"Der hustet noch was. Da isser. Das ist ein ganz kleiner, einfacher Vier-Zylinder-Motor. 1000 Kubik."

Manchmal werden Faltdächer eingebaut oder Seitenspiegel zum Abtreten vorbereitet. Die Filmautos sind wandelbar. Aber sie müssen in Schuss bleiben. Und das kostet Zeit und Geld. Lohnt sich der Aufwand?

"Ist doch ein sehr großer Punkt an Leidenschaft dabei. Aber wir haben natürlich jetzt im Lauf der Jahre einen Punkt erreicht, wo man auch jährliche Umsätze haben muss. Das ist ja ganz klar. Wir haben hier Hallen und das muss alles bezahlt werden."

Am Ende zählt für Egbert Beuren sowieso nur eins:

"Die Autos haben die Hauptrollen. Darum geht‘s ja schließlich. Ich freu mich dann auch wenn die historischen Autos in einem historischen Film in einer netten Kulisse fahren. Wenn die Ausstattung dann auch stimmt – das ist das was mir Spaß macht."

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