Freitag, 15.12.2017
StartseiteSternzeitKrummer Kuipergürtel und ein zehnter Planet05.10.2017

Hinweise auf einen weiteren PlanetenKrummer Kuipergürtel und ein zehnter Planet

US-Astronomen vermuten, dass es ein Objekt planetarer Masse gibt, das nur etwa 60 bis 70 Mal so weit von der Sonne entfernt sein soll wie die Erde. Sollte der vermeintliche Planet tatsächlich existieren, müsste ihn der ESA-Astrometrie-Satellit Gaia bald entdecken.

Von Hermann-Michael Hahn

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Ein Objekt von der Größe des Planeten Mars könnte für eine auffällige "Krümmung" des Kuipergürtels am Rande des Sonnensystems verantwortlich sein (künstlerische Darstellung) (LPL)
Ein Objekt von der Größe des Planeten Mars könnte für eine auffällige “Krümmung” des Kuipergürtels am Rande des Sonnensystems verantwortlich sein (künstlerische Darstellung) (LPL)

Vor zwei Jahren überraschten amerikanische Astronomen mit der Meldung, dass einige hundert Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde ein etwa neptungroßes Objekt seine Bahn ziehen müsse.

Als Indiz führten sie eine auffallend gleiche Ausrichtung mehrerer Asteroidenbahnen weit jenseits der bekannten Planetenbahnen an.

Jetzt nehmen zwei andere US-Astronomen ein weiteres Objekt planetarer Masse an, das nur etwa 60 bis 70 Mal so weit von der Sonne entfernt sein soll wie die Erde. Sie stützen sich darauf, dass die Umlaufbahnen der Objekte in diesem Bereich des Kuipergürtels jenseits von Pluto gegenüber den Bahnen aller übrigen Mitglieder des Sonnensystems deutlich geneigt sind – im Schnitt um etwa acht Grad.

Strukturen ähnlichen dem Kuiper-Gürtel wurden auch schon bei anderen Sternen gefunden (künstlerische Darstellung) (ESO)Strukturen ähnlichen dem Kuiper-Gürtel wurden auch schon bei anderen Sternen gefunden (künstlerische Darstellung) (ESO)
Simulationsrechnungen zeigen, dass ein etwa marsgroßes Objekt mit seiner Schwerkraft diese kollektive Bahnneigung auslösen könnte. Das hypothetische Objekt müsste sich dann auch auf einer etwa um acht Grad geneigten Bahn um die Sonne bewegen.

Unmöglich wäre das nicht, denn schon die Bahn des sonnennächsten Planeten Merkur ist um mehr als sechs Grad gegen die Hauptebene des Sonnensystems geneigt. Die Bahnneigung des Zwergplaneten Pluto liegt sogar bei mehr als 15 Grad.

Eigentlich sollte man erwarten, dass ein marsgroßes Objekt in 60-facher Erdentfernung zur Sonne längst entdeckt wäre. Wenn es aber gerade vor dem Sterngewimmel der Milchstraße entlang zieht, würde seine langsame Bewegung kaum auffallen.

Sollte der vermeintliche Planet tatsächlich existieren, müsste ihn der ESA-Astrometrie-Satellit Gaia bald entdecken.

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