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StartseiteCampus & KarriereSorgenkind Lehrerbildung11.06.2014

HochschulbildungsreportSorgenkind Lehrerbildung

Zu wenig Musterschüler, zu wenig Männer, zu wenig Migranten - das seien die großen Defizite in der deutschen Lehrerbildung, sagt der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in seinem neuen Hochschulbildungsreport. Der Verband schlägt auch eine Gegenmaßnahme vor: leistungsbezogene Löhne.

Von Christiane Habermalz

Der Lehrer Timur Kumlu unterrichtet an der Henri-Dunant-Schule in Frankfurt am Main islamischen Religionsunterricht. (picture alliance / dpa)
Qualität im Lehrerberuf zeigt sich nicht nur im Fachwissen. (picture alliance / dpa)

"Zu wenig Musterschüler, zu wenig Männer, zu wenig Migranten" - so könnten die Defizite bei der Lehrerbildung in Deutschland zusammengefasst werden, erklärte der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbands Deutsche Wissenschaft, Volker Meyer-Guckel. Im zweiten Jahr in Folge bekommt die Lehrerbildung im Hochschulbildungsreport des Verbands daher schlechte Noten. Eine repräsentative Befragung unter Abiturienten zeige zudem: Die besten Schüler wollen selten Lehrer werden.

"Das positive Ergebnis war, dass das Lehramt bei den Abiturienten insgesamt noch als eine der angesehensten Berufe gilt, neben Richter, Universitätsprofessor, Polizist und Arzt. Wenn Sie jetzt aber schauen, wie sich der Wunsch, Lehrer zu werden, über die Abiturnoten verteilt, dann können Sie sagen, dass etwa die Hälfte derjenigen, deren Schnitt zwischen zwei und vier liegt, also eher die Mittelguten, sich vorstellen können, Lehrer zu werden, aber wenn Sie auf die Topschüler schauen, dann sind das gerade mal 17 Prozent."

Die Falschen wollen Lehrer werden

Gute Schüler vermissen vor allem attraktive Aufstiegsmöglichkeiten und Flexibilität am Arbeitsmarkt. Und, vielleicht noch gravierender: Offenbar sind es nicht unbedingt die Richtigen, die sich für den Lehrerberuf interessieren. Der Mehrzahl der Interessenten scheinen laut dem Report zwei wichtige Eigenschaften zu fehlen: Nur 16 Prozent von ihnen schätzen Selbstvertrauen und nur 13 Prozent Durchsetzungsfähigkeit als persönliche Stärke ein.

"Bei denjenigen, die tatsächlich Interesse am Lehrerberuf geäußert haben, sagen immerhin knapp die Hälfte, ich kann gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen. Das ist natürlich Grundvoraussetzung und erst mal gut, dass die das sagen. Aber wenn Sie dann mal schauen auf Eigenschaften, die aus unserer Sicht für den Lehrerberuf ganz entscheidend sind - wie ich kann andere gut motivieren, ich rede gern vor einer größeren Gruppe, oder ich habe ein hohes Selbstvertrauen -, dann wandert das zunehmend auf die Werte 15 bis 20 Prozent."

Genau darauf aber beruhe die Wirkungsmacht der Lehrer. Denn Qualität im Lehrerberuf bemesse sich nicht nur an ihrem Fachwissen, betonte McKinsey-Direktor Jürgen Schröder - das Unternehmen war mit der Datenerhebung beauftragt.

"Es gibt interessante Studien, wir haben auch ein paar im Bericht zitiert, die wirklich nachweisen, dass gute Lehrer, gerade bei schlechten Schülern, gerade bei Schülern ohne akademischem Hintergrund, also mit einer relativ großen Bildungsferne, den entscheidenden Unterschied machen."

Bessere Entlohnung, neue Stellen

Als Konsequenz forderte der Stifterverband, den Lehrerberuf attraktiver zu machen - etwa durch ein leistungsabhängiges Entlohnungssystem. In Singapur etwa gebe es neben dem Schulleiterposten verschiedene, planbare Karrierepfade für Lehrer, verbunden mit Spezialisierungen oder zusätzlichen pädagogischen Aufgaben, die ein Lehrer übernehmen könne - mit entsprechend steigender Gehaltsstufe. Fortbildungen müssten in allen Bundesländern verpflichtend werden. Lehrer müssten zudem von fachfremden Aufgaben entlastet werden: Nicht alles dürfe auf den Schultern der Lehrer abgelegt werden. Der Verband regte an neue Stellen wie Schul- oder Unterrichtsassistenten einzuführen. Lehrerverbandspräsident Josef Kraus sieht darin nicht die Lösung:

"Einen Lehrerassistenten brauchen wir nicht, wenn dann brauchen wir zur Übernahme der vermehrt auf die Lehrer zudrängenden sozialpädagogischen Aufgaben Sozialpädagogen an unseren Schulen und eine bessere Ausstattung mit anderen Beratungskräften, Schulpsychologen, da haben wir eine Versorgungsrate, die noch ziemlich dürftig ist."

Die mangelnden Karrierechancen für Lehrer würden vom Lehrerverband schon lange beklagt, sagte Kraus, allerdings stünde dazu im Widerspruch, wie schwer es derzeit sei, freie Schulleiterstellen neu zu besetzen. Hauptgrund dafür sei aber die ziellose Reformerei der Schulpolitik der letzten Jahre, kritisierte er. 

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