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StartseiteCampus & Karriere"Diplom-Ingenieur aus Deutschland ist eine Marke"03.01.2014

Hochschulfinanzierung"Diplom-Ingenieur aus Deutschland ist eine Marke"

Die Finanzlücken an deutschen Hochschulen sind bekannt. Es sei eine reine Absichtserklärung der Großen Koalition, dass die Hochschulen mehr Geld zur Grundfinanzierung bekommen sollen, meint Hans Jürgen Prömel, Chef der Allianz führender Technischer Universitäten in Deutschland (TU9). Es gehe jetzt darum, die Bundesregierung "darauf festzunageln", wie dieses Vorhaben umgesetzt werden solle.

Hans Jürgen Prömel im Gespräch mit Kate Maleike

Studierende vor dem Hauptgebäude der TU Darmstadt (TU  Darmstadt)
Das Geld ist knapp, auch an der TU Darmstadt (TU Darmstadt)
Weiterführende Information

Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern droht Finanzkollaps (Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 07.11.2013)

"Entwicklung dieses Landes profitiert sehr von intakten Hochschulen" (Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 12.07.2013)

Kate Maleike: Wie können wir Deutschland als Ingenieurland sichern? Diese Frage treibt Professor Hans Jürgen Prömel nicht nur als Präsident der TU Darmstadt um, sondern seit Neuestem auch als Chef von TU9, der Allianz führender Technischer Universitäten in Deutschland. Mit dem Jahreswechsel nämlich hat er dieses Amt von seinem Vorgänger, dem Aachener Uni-Präsidenten Schmachtenberg, übernommen und ist nun, wie die "Süddeutsche Zeitung"es nannte, der Oberingenieur. Guten Tag, Herr Prömel!

Hans Jürgen Prömel: Einen schönen guten Tag, Frau Maleike.

Maleike: Die Allianz TU9 hat sich 2006 gegründet. Dass Ingenieurwissenschaften wichtig sind für die Wirtschaft und unsere Gesellschaft und auch für den Fortschritt, das dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Warum ist also eine solche Extra-Allianz noch notwendig?

Prömel: Aus drei Gründen ist sie aus unserer Sicht notwendig. Ein Grund ist, dass wir untereinander verschiedene Dinge koordinieren, abgleichen, voneinander lernen. Beispielsweise sind unsere Studienprogramme so aufeinander abgestimmt, dass ein Wechsel zwischen den TU9-Universitäten für Studierende leicht möglich ist. Das Zweite, und den Punkt hatten Sie gerade angesprochen, ist, dass wir deutlich machen, wie wichtig Ingenieurausbildung für die Zukunft dieses Landes ist. Sie haben richtig gesagt, dass es in den meisten Sonntagsreden der Politiker inzwischen schon vorkommt – leider fehlt bisweilen noch etwas die konkrete Umsetzung. Und der dritte Punkt ist, dass wir versuchen, international gemeinsam aufzutreten, gemeinsam auf Messen zu gehen, um German Engineering auch in die Welt zu transportieren.

Maleike: In Deutschland stammen rund 50 Prozent der Uni-Absolventen, so kann man es auf Ihrer Homepage lesen, in den Ingenieurwissenschaften von der TU9-Truppe, wenn man das mal so sagen kann, mit 250.000 Studierenden sind rund zehn Prozent aller deutschen Studierenden bei Ihnen eingeschrieben. Das ist ein großes Pfund, das aber wohl bei einigen Landesregierungen nicht unbedingt auf offene Ohren stößt. Oder wie erklären Sie sich aktuelle Rotstiftpolitiken in vielen Ländern?

Prömel: Das ist genau ein Punkt, den ich gemacht habe. Wir müssen noch deutlicher machen, wie wichtig dieser Teil der Bildung, Bildung generell, aber insbesondere Ingenieurbildung auch für die ökonomische Entwicklung dieses Landes ist.

Maleike: Ihr Amtsvorgänger hatte ja auch die neue Bundesregierung da angesprochen, dringend appelliert, eben bei der Grundfinanzierung der Hochschulen einzusteigen, damit eben die Wettbewerbsfähigkeit, die wir erreicht haben, und auch die Qualität des Studiums nicht leiden. Dafür wäre ja aber eine Grundgesetzänderung notwendig. Hören Sie Signale, aktuelle, aus dem Hause Wanka?

Prömel: Leider noch nicht. Nun gibt es den Koalitionsvertrag erst gerade, und wir werden uns bemühen, zeitnah jetzt in Gespräche einzutreten. Der Koalitionsvertrag ist ja, wenn man es negativ sagt, ein Zeugnis von Beliebigkeit. Wenn man es positiv sieht, stehen Positionen drin, die es jetzt zu füllen gilt, und die Akteure können diese Positionen füllen. Es ist klar gesagt, dass das Zentrum des Wissenschaftssystems in Deutschland die Hochschulen sind, und es ist auch klar gesagt, dass in den nächsten vier Jahren seitens des Bundes den Hochschulen mehr Geld zur Grundfinanzierung zur Verfügung gestellt werden soll. Es ist leider nicht konkreter als eine solche Absichtserklärung, und wir werden jetzt versuchen, die Bundesregierung darauf festzunageln, wie das umgesetzt werden soll.

Maleike: Machen Sie es doch dann für uns konkreter. Was wünschen Sie sich, was fordern Sie?

Prömel: Eigentlich genau das, was da drin steht. Ein Mechanismus, dass die Grundfinanzierung der Hochschulen vernünftig sichergestellt wird. Es geht nicht drum, noch mehr Projekte zu haben und Programme aufzulegen, die zu gewissen Themen interessante Dinge beforschen oder in der Lehre umsetzen, sondern dass wir die Möglichkeit haben, in der Grundfinanzierung eine höhere Stabilität zu bekommen.

Maleike: Und über welche Summen reden wir dann?

Prömel: Das würde ich jetzt gerne nicht öffentlich sagen, über welche Summen man zunächst reden soll, sonst fühlen Leute sich erschreckt. Ich würde es auch mit Inhalten unterlegen wollen. Es ist wohlfeil, Zahlen zu nennen, wie viel Geld man mehr braucht, um gewisse Dinge zu tun. Ich würde die Diskussion gerne mit Inhalten koppeln.

Maleike: Herr Prömel, Kritiker sehen in TU9, in dieser Allianz, auch so etwas wie eine selbst erkorene Elite, die vor allen Dingen auch hofft, durch diese Verbindung schneller an Gelder dann zu kommen. Ist das Teil Ihrer Strategie?

Prömel: Nein, überhaupt nicht. Wirklich überhaupt nicht. Eine kleine Gruppe ermöglicht es, eine schnellere Meinungsbildung und ein schnelleres Handeln. Dass es nicht Teil unserer Strategie ist, sehen Sie vielleicht daran, dass es in der Hochschulrektorenkonferenz eine Gruppe aller Technischen Hochschulen und Technischen Universitäten, also die ARGE TU/TH gibt, die offen ist, der jede Hochschule beitreten kann und deren Sprecher ich auch bin. Und wir versuchen, diese beiden Gruppen, die TU9 und die ARGE TH/TU zu koordinieren.

Maleike: In diesem Sommer jährt sich auch zum 15. Mal die Beschlussfassung des Bologna-Prozesses, mit dem sich ja viele europäische Länder unter anderem auch auf die gemeinsame Umstellung, auf die internationalen Studienabschlüsse Bachelor und Master verständigt haben. Die TU9 hält allerdings auch heute noch am Diplom für den Ingenieur fest als das Maß aller Dinge, könnte man sagen. Womit rechtfertigen Sie das?

Prömel: Zunächst einmal möchte ich ganz klar für die TU9 und auch für die TU Darmstadt sagen, wir stehen zum Bologna-Prozess und wir möchten keine Änderung des Bologna-Prozesses. Der modulare, der gestufte Studiengang, den wir jetzt haben, die gestuften Studiengänge, die Diskussion ist beendet, wir sind damit international angekommen und werden das nicht infrage stellen. Das Einzige, was die TU9 noch thematisiert oder was die TU9 thematisiert, ist der Grad des Diplom-Ingenieurs. Dass jemand, der einen Bachelor- und einen Masterstudiengang in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach absolviert hat, die Möglichkeit hat, den Titel Diplom-Ingenieur statt Master zu bekommen. Wir stellen jetzt Äquivalenzbescheinigungen aus, aber der Wunsch ist es, dass wir die Möglichkeit haben, auch diesen Titel zu vergeben. Der Titel hat international in unserer Wahrnehmung einen sehr hohen Wert. Der Diplom-Ingenieur aus Deutschland, das ist eine Marke, und warum soll man ein Markenzeichen, was einen hohen Wert hat, über Bord werfen, wenn die Ausbildung die gleiche ist wie sie vorher war?

Maleike: Das heißt also, Sie wollen eigentlich nur den Titel schützen?

Prömel: Es geht nur um den Titel. Es geht nicht drum, das Rad der Geschichte, das den Bologna-Prozess angeht, zurückzudrehen.

Maleike: Sie haben jetzt zwei Jahre erst mal Zeit, vielleicht werden Sie ja dann noch mal wiedergewählt. Soll aus TU9 vielleicht auch so was wie TU20 mal werden, also mit anderen Worten, sind Sie noch offen für andere Hochschulen?

Prömel: Zunächst einmal ist TU9 TU9. Und die Diskussion, ob man das öffnet oder nicht, halte ich für eine schwierige Diskussion. Es steht mit Sicherheit nicht im Vordergrund auf der Agenda.

Maleike: In Campus und Karriere war das Professor Hans Jürgen Prömel zu seinen Plänen und auch den Herausforderungen als neuer Präsident der Universitätsallianz TU9. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Arbeit.

Prömel: Vielen Dank, Frau Maleike!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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