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StartseiteCampus & KarriereZwischen Beratung und Marketing17.09.2015

HochschulkommunikationZwischen Beratung und Marketing

Es geht um viel mehr als nur darum, Studierende zu gewinnen. Das sagt die Kommunikationschefin der Universität in Konstanz, Julia Wandt, über ihr Metier, die Hochschulkommunikation. Wo die Handlungsfelder der Pressesprecher und Marketingfachleute heute liegen, war ein Thema auf der Jahrestagung des Bundesverbandes Hochschulkommunikation.

Julia Wandt im Gespräch mit Kate Maleike

Luftaufnahme der Universität in Konstanz (picture-alliance/ dpa - Patrick Seeger)
Warum ausgerechnet an der Universität Konstanz studieren? Attraktive Antworten soll die Hochschulkommunikation finden. (picture-alliance/ dpa - Patrick Seeger)

Kate Maleike: Posten, liken, was ist unsere Rolle, was ist unsere Aufgabe - alles nur noch digital? Über diese grundsätzlichen Fragen und über aktuelle Herausforderungen tauschen sich auch gerade die Pressesprecher und Marketingfachleute der deutschen Hochschulen aus, und zwar auf ihrer Jahrestagung an der Uni Duisburg-Essen. Julia Wandt ist die Vorsitzende des Bundesverbandes und Kommunikationschefin der Uni Konstanz. Frau Wandt, wenn Hochschulen denn so einen Bewerberansturm haben wir gerade jetzt, warum braucht man denn eigentlich noch Marketing?

Julia Wandt: Es geht natürlich aus unserer Sicht um viel mehr als um reine Gewinnung von Studierenden. Die Hochschulkommunikation - ich würde es gern sozusagen als Überbegriff auch verwenden - hat eine ganz, ganz große Veränderung auch erfahren in den vergangenen Jahren. Also die Aufgaben, die wir bearbeiten, sei es von der klassischen Pressearbeit, der Medienarbeit über das von Ihnen angesprochene Marketing, insbesondere im Studierendenbereich, dazu zählen aber auch die gesamte Onlinekommunikation, das Veranstaltungsmanagement, Alumniarbeit, und diese Bereiche in ihrer Gesamtheit haben meiner Meinung nach eine hohe Relevanz auch für die Strategiefähigkeit einer Hochschule insgesamt.

Wir diskutieren auch hier zurzeit in Duisburg auf unserer Tagung auch solche Themen wie einfach die Beratungsfunktion, die die Hochschulkommunikation auch innerhalb der Universitäten und Hochschulen hat, und ich finde, man sieht daran auch die Spannbreite und die Vielfalt. Wir sprechen auch hier über wirklich ganz operative Themen, also wie sollte man seine Social-Media-Kanäle als Hochschule befüllen, welche Themen, wie ist die Ansprache, bis hin zu strategischen Themen der Funktion von Hochschulkommunikation auch zum Beispiel in der dritten Phase der Exzellenzinitiative oder Qualitätsstandards. Und das zeigt einfach auch die Spannbreite des Themas und vor allem halt auch die Vielfalt der Mitglieder des Verbandes.

Maleike: Und das zeigt aber auch den Spagat, den man dann unter Umständen machen muss. Wenn Sie sagen, wir unterhalten uns darüber, wo wir eigentlich stehen, wie empfinden die Kommunikationsexperten der Hochschulen die Kommunikation in die Hochschulen hinein?

Wandt: Also ich finde, da gab es eine sehr große Wandlung oder auch einen sehr großen Wandel in den vergangenen zehn Jahren. Ich persönlich und auch viele meiner Kolleginnen und Kollegen empfinden das als sehr positiv, also dass wir auch Positionen in den Hochschulen haben, dass wir auch diese Themen bekommen. Ich finde, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler melden sich sehr häufig aktiv von sich aus und sagen, ich habe die und die Themen, und sie fragen dann auch sehr häufig nach Beratung einfach, nach dem bestmöglichen Kommunikationsweg. Und ich finde auch, dass einfach diese Erkenntnis, wie wichtig Kommunikation auch für Hochschulen, nicht nur für den einzelnen Wissenschaftler und die einzelnen Themen, sondern für die Institution insgesamt geworden ist, hat auch dazu beigetragen, dass es eine sehr hohe Bereitschaft innerhalb der Hochschulen gibt, dort auch mit der Kommunikation zusammenzuarbeiten. Und das, finde ich, ist eine sehr positive Entwicklung, die wir auch in den Häusern, also auch dann in der internen Kommunikation merken.

Maleike: Frau Wandt, wir haben gerade vorher ein Interview gehört, da ging es um hochschulwatch.de und den Vorwurf, dass an der ein oder anderen Hochschule Hochschulräte zu stark wirtschaftlichen Einfluss nehmen. Welche Rolle spielen dabei auch die Hochschulkommunikationen, die Pressestellen - kommen die Informationen transparent genug und schnell genug?

Wandt: Hochschulkommunikation sollte immer offen sein, sie sollte transparent sein, schnell - das ist immer auch so ein Punkt, den wir zurzeit diskutieren. Es ist immer schneller geworden, und wir sind daran interessiert, auch immer so schnell wie möglich natürlich Auskunft zu geben. Aber gerade auch bei diesem Thema sieht man - also ich möchte da gern nur noch mal diesen Link auch schaffen zu der Diskussion, die wir Anfang des Jahres hatten bei dem Thema Transparency und hochschulwatch, was ja in diese Richtung geht -, den Hochschulen, denen ist Transparenz genauso wichtig wie den Einrichtungen, die sozusagen mit diesen Aktionen dann auch bei uns die Daten abfragen. Und wir sind auf jeden Fall da auch sehr offen, die Daten zu liefern, aber es hat halt auch gezeigt, dass es gerade bei solchen Themen darum geht, dass man auch die korrekten Daten hat und dass man auch, sage ich mal, gerade bei solchen sensiblen Diskussionen wie Einflussnahme oder potenzielle Einflussnahme, dass da auch wirklich mit korrekten Daten und Fakten aus den Hochschulen gesprochen und argumentiert wird.

Von daher, Transparenz auf jeden Fall, Richtigkeit der Daten auf jeden Fall, und Schnelligkeit würde ich immer an die ersten beiden Punkte knüpfen - so schnell wie möglich, aber die ersten beiden müssen gegeben sein. Und dann ist es natürlich eine ganz wichtige Diskussion, der sich die Hochschulen aber meiner Meinung nach zurzeit auch gut stellen.

Maleike: Vielleicht noch ein Wort für die Zukunft: Wie sieht für Sie die optimale Hochschulkommunikation der Zukunft aus?

Wandt: Also ich finde, dass wir in den vergangenen Jahren schon sehr viel erreicht haben, sei es in der Wahrnehmung, die die Hochschulkommunikation heutzutage hat, und es freut uns einfach, dass sozusagen auch das Bewusstsein dafür da ist, wie wichtig die Hochschulkommunikation auch für die Strategiefähigkeit der Hochschulen ist. Da haben wir viel erreicht, aber wenn es in diese Richtung positiv weitergeht, dann wird uns das alle sehr freuen.

Maleike: Sagt Julia Wandt, die Vorsitzende des Bundesverbandes für Hochschulkommunikation. Sie ist auch Kommunikationschefin der Universität in Konstanz. Herzlichen Dank für das Gespräch!

Wandt: Vielen Dank!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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