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StartseiteHörspielDie verlorenen Söhne03.06.2017

Hörspiel des MonatsDie verlorenen Söhne

Anschließend: Hörspielmagazin

Vor fast hundert Jahren beginnt Robert Schoens neues Hörspiel „Die verlorenen Söhne“. Am 9. März 1918 zählt der aus Tizi Ouzu in Algerien stammende Buhamad Azau ben Ali plötzlich bis zehn. Das Dokument dieses Ereignisses – eine Schellackplatte mit der Archivnummer PK 1229 – wird heute im Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin aufbewahrt. Ort der Aufnahme: das sogenannte Halbmondlager bei Wünsdorf in der brandenburgischen Heide südlich Berlins.

Hörspiel von Robert Schoen

Robert Schoen (Deutschlandradio / Britta Passmann)
Der Autor und Regisseur Robert Schoen (Deutschlandradio / Britta Passmann)

Begründung der Akademie der Darstellenden Künste:

"Robert  Schoen, Autor und Regisseur zugleich, riskiert hier viel und gewinnt dabei ungewöhnlichen Spiel- und Erkenntnisraum. So verbindet er in "Die verlorenen Söhne" authentisches Tonmaterial der Berliner Phonographischen Kommission von 1915 und einen fiktiven modernen Musterfall. Die Wissenschaftler, die damals im Kriegsgefangenenlager Wünsdorf französische und für sie  exotische Dialekte der Insassen aufzeichneten, gern mit Lesungen des Gleichnisses vom Verlorenen Sohn,  verdrängten zugunsten ihrer Klangausbeute das Unglück der Testpersonen. Phonetisch fixiert ist auch  der heutige Berliner Linguist, der die Tonaufnahmen der Hauptfigur des Hörspiels untersucht  und darin "Hesitations-Vokalisationen", also Ähs, entdeckt. Grotesk und tragikomisch diagnostiziert er die strapazierte "Knarrstimme", ohne  sich für das Scheitern des Sprechers zu interessieren, der da wie der verlorene Sohn  die Rückkehr zum Vater erwägt.  Mit Schoens  suggestiver Montage und dem  auf lässige Weise eindringlichen Lorenz Eberle in der Hauptrolle glückt hier ein Kunststück: Konträr zu wissenschaftlicher Versuchsdominanz wächst die emotionale Anteilnahme des  Hörers. In intensiven Momenten verschränken sich Eberles Sprechen und Klänge von Prokofjews "L’enfant prodigue". Manchmal erkennt der junge Mann in der Musik sein Scheitern, seine Hoffnung und sich selbst."

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main zeichnet jeden Monat ein Hörspiel aus den Produktionen der ARD-Anstalten aus. Die Entscheidung über das HÖRSPIEL DES MONATS trifft eine Jury, die jeweils für ein Jahr unter der Schirmherrschaft einer ARD-Anstalt arbeitet. Am Ende des Jahres wählt die Jury aus den 12 Hörspielen des Monats das HÖRSPIEL DES JAHRES.

Regie und Konzeption: Robert Schoen
Mit Lorenz Eberle, Bernd Pompino-Marschall, Wilhelm Doegen, Herr Lachiman, Max Myron, Karl Heinrich, Paul Bousquet, Bernard Bilhès, Louis Serrier, Kurt Williger, August Brockmann, Robert Schoen
Produktion: hr
Länge: 51‘55"

Anschließend:
Hörspielmagazin
Neues aus der Welt der akustischen Kunst

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