Mittwoch, 13.12.2017
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Hörspiel des MonatsFollower

In "Follower" entführt uns Eugen Ruge in die fiktive chinesische Stadt Wu Cheng im Jahr 2055. Dort soll der Vertreter Nio Schulz das neueste Produkt seiner Firma vermarkten. Auf dem Weg zu einem Geschäftstermin verschwindet er vom Radar der Überwachungsbehörden.

Hörspiel von Eugen Ruge

(picture alliance / dpa)
Datenbrillen als tägliche Begleiter (picture alliance / dpa)

Mit seinem gefeierten Debüt "In Zeiten des abnehmenden Lichts", einer Familiengeschichte über vier Generationen, wurde Eugen Ruge bekannt. Sein Roman "Follower", erschienen 2016, führt in eine nicht allzu ferne Zukunft und setzt die Familiensaga auf überraschende Weise fort.
Eugen Ruge entwirft in "Follower" eine verstörende Zukunftsvision, in der er die Gegenwart satirisch fortschreibt. Die Verhältnisse haben sich noch verschärft: Globalisierung, Vernetzung, Transparenz. Nio steht im Kampf gegen eine digitale Welt, totalüberwacht und selbstoptimiert.

MDR KULTUR hat Eugen Ruges Roman "Follower" fürs Hörspiel adaptiert, Regie führte Ulrich Lampen. Die Produktion wurde von der Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats gekürt.

In der Begründung der Jury heißt es:

„Es ist nicht die ferne Zukunft, die Eugen Ruge in der Hörspielbearbeitung seines gleichnamigen Romans ‚Follower‘ in den Blick nimmt. Vielmehr blickt er in den dystopischen Abgrund unserer Zeit. Ein neuer Tag des Jahres 2055 beginnt für Nio Schulz, Marketer für ‚True Barefoot Running‘, ein Produkt, dessen Simplizität nur ein weiteres Glücksversprechen in einer überkomplexen Konsumwelt darstellt, in der nichts mehr wirklich relevant zu sein scheint. Der permanente Subtext seiner Datenbrille begleitet Nio durch den Tag und verbindet ihn mit allen Lebensbereichen, fordert seine ganze Aufmerksamkeit, seine ‚Gefolgschaft' und verwischt die Spur und die Folgen seines eigenen Handelns. Ruge zeichnet ein beunruhigend gegenwärtiges Bild einer durch und durch kommerzialisierten Gesellschaft, in der die Nachricht vom Tod des eigenen Großvaters zum Eintrag im Newsfeed degeneriert und die konsumistische Perversion im ‚Recht auf die Verwertung des eigenen Todes‘ kulminiert. Die enervierende, von Ulrich Lampen präzise gestaltete Klanglandschaft hält die Hörer im nie abreißenden Informationsfluss gefangen - leitmotivisch als digitale nicht abschaltbare Zeitfliege der Marke Universe sonifiziert. In einem zweiten Erzählstrang werden die Vorfahren Nio Schulzes in einer kontinuierlichen Abfolge vom 17. Jh. an vorgestellt. Die genealogische Anrufung gestaltet Ulrich Matthes - man möchte fast sagen: ‚barfuß‘. Ohne Musik und Geräusche. Konzentriert auf Ursache und Wirkung und die begreifbaren Konsequenzen von Leben und Tod, deren eine schließlich die Geburt des Großvaters von Nio Schulz ist. In diesem Fixpunkt treffen sich die Erzählungen, und für Nio eröffnet sich eine neue Option: den Bruch mit seiner bisherigen Welt zu vollziehen.“

Regie: Ulrich Lampen
Mit Ulrich Matthes, Dörte Lyssewski, Patrick Güldenberg, Andreas Schmidt, u.a.
Produktion: MDR 2017
Länge: 88‘57‘‘

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main zeichnet jeden Monat ein Hörspiel aus den Produktionen der ARD-Anstalten aus. Die Entscheidung über das HÖRSPIEL DES MONATS trifft eine Jury, die jeweils für ein Jahr unter der Schirmherrschaft einer ARD-Anstalt arbeitet. Am Ende des Jahres wählt die Jury aus den 12 Hörspielen des Monats das HÖRSPIEL DES JAHRES.

Anschließend:
Hörspielmagazin
Neues aus der Welt der akustischen Kunst

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