• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 09:10 Uhr Das Wochenendjournal
StartseiteForschung aktuellHoffen auf Higgs10.09.2008

Hoffen auf Higgs

Der LHC-Teilchenbeschleuniger soll schottischen Geniestreich beweisen

Um ihre Teilchen zu benennen, lassen sich die Physiker gern Fantasienamen einfallen. Oft sind diese Namen originell oder sogar drollig: Quark zum Beispiel, Neutrino oder Superstring. In diese Reihe scheint auch das Higgs-Teilchen zu passen. Aber falsch - hinter dem Higgs steckt etwas anderes.

Von Frank Grotelüschen

Der Physiker Peter Higgs zu Besuch im Large Hadron Collider des CERN. (AP/Keystone, University of Edinburgh/Alan Walker)
Der Physiker Peter Higgs zu Besuch im Large Hadron Collider des CERN. (AP/Keystone, University of Edinburgh/Alan Walker)

"Peter Higgs, Professor of Theoretical Physics at Edinburgh University."

Peter Higgs, 79 Jahre alt, der Schöpfer des Higgs-Teilchens. Freundlich, bescheiden, beinahe schüchtern erzählt von seiner physikalischen Pioniertat - die nun schon ein paar Jahre her ist.

" Es geht zurück auf das Jahr 1960. Damals stieß ich auf die Arbeiten des Japaners Yoichiro Nambu. Nambu wollte eine neue Theorie über Elementarteilchen aufstellen - eine Theorie inspiriert durch die Theorie der Supraleitung, bei der Strom völlig verlustfrei durch ein Metall fließen kann. Das Problem: Nambu musste bei seiner Theorie von der Existenz bestimmter masseloser Teilchen ausgehen. Doch solche Teilchen gab es offenbar nicht, sonst hätte man sie damals längst entdeckt. Also suchte ich nach einem Trick, wie man diesen masselosen Teilchen irgendwie Masse verleihen konnte. "

Jahrelang blieb das Problem ungelöst, erzählt Peter Higgs. Dann endlich stieß er auf die Lösung.

" Ich schrieb einen kurzen Fachartikel, der einen Ausweg aus dem Problem skizzierte. Und zwar musste man das Problem innerhalb bestimmter Theorien angehen, sog. Eich-Theorien. Dann ging ich einen Schritt weiter und verband die Eich-Theorien mit der Theorie der Supraleitung. Dabei kam ein neues Teilchen heraus, das zwar den Photonen ähnelt, also den Lichtteilchen, das aber dennoch Masse besitzt. Und das war es - das war die Lösung! "

Peter Higgs hatte einen Mechanismus postuliert, der Elementarteilchen wie den Quarks und den Elektronen Masse verleiht. Und zwar liegt dem Universum ein alles durchdringendes Feld zu Grunde - das Higgs-Feld. Durch dieses Feld bewegen sich die Teilchen wie durch einen zähen Sirup. Dabei verspüren sie einen Widerstand, so als ob man einem Kochlöffel durch den Sirup rührt. Dieser Widerstand ist es, der den Teilchen Masse verleiht. Und sollte der LHC das Higgs-Teilchen entdecken, wäre die Theorie, die sich Peter Higgs einst qualvoll abgerungen hat, endlich bewiesen. Der Meister selbst jedenfalls ist optimistisch.

" Ich denke, der LHC wird das Higgs-Teilchen finden. Denn die bisherigen Beschleuniger haben schon indirekte Hinweise geliefert, dass es tatsächlich existiert. Ihre Daten sagen uns, dass das Higgs mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht viel schwerer ist als die Teilchen, die man mit den alten Beschleuniger erzeugen konnte. "

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk