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StartseiteForschung aktuellPflanzenschutzgift beeinträchtigt Fruchtbarkeit 08.12.2016

HonigbienenPflanzenschutzgift beeinträchtigt Fruchtbarkeit

Für viele Lebensmittel sind wir darauf angewiesen, dass etwa Honigbienen, wilde Bienen oder Schmetterlinge Pflanzen bestäuben. Doch diese Insekten leiden unter der intensiven Landwirtschaft. Besonders in der Kritik stehen Pflanzenschutzmittel. Forschern zufolge können sie die Fortpflanzungsfähigkeit von Bienen beeinträchtigen.

Von Sonja und Joachim Budde

Der Imker Michael Bauer aus dem Alten Land in Jork (Niedersachsen) versucht am 02.06.2014 einen entflohenen Bienenschwarm wieder einzufangen. (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)
Imker klagen in den letzten Jahrzehnten vermehrt über eine verringerte Lebenserwartung ihrer Bienenköniginnen. Ist das Pflanzenschutzmittel Fipronil mit dafür verantwortlich? (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)
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Um die sogenannten Systemischen Pflanzenschutzmittel gibt es seit Jahren Streit: Nicht darüber, ob auch nützliche Insekten wie Bienen oder Schmetterlinge damit in Kontakt kommen, sondern darüber, ob die Mengen in Nektar und Pollen ausreichen, diesen Tieren erheblichen Schaden zuzufügen. Denn Nektar und Pollen dienen vielen Insekten als Nahrung.

Ein solches Systemisches Insektengift ist Fipronil. Forscher um Jean-Luc Brunet vom Institut national de la recherche agronomique im französischen Avignon haben es jetzt näher untersucht:

"Wir haben Fipronil verwendet, weil bekannt ist, dass es im gesamten Tierreich Probleme bei der Fruchtbarkeit verursachen kann. Wir verwenden Fipronil als Referenzchemikalie, um festzustellen, ob Pestizide die Fortpflanzungsfähigkeit von Insektenmännchen beeinträchtigen."

Fipronil tötet Insekten schon in niedrigen Dosen. Es kommt weltweit einerseits gegen Parasiten wie Flöhe oder gegen Kakerlaken zum Einsatz, andererseits aber auch gegen Ackerschädlinge. In Europa aber ist Fipronil seit Anfang 2014 im Pflanzenschutz nicht mehr zugelassen.

Die Forscher des französischen Agrarforschungsverbunds haben für ihr Experiment Zuckersirup mit winzigen Mengen Fipronil versetzt, ein Zehntel Mikrogramm Gift pro Liter Zuckerlösung. Bei dieser Konzentration haben andere Forschergruppen bislang keine direkten Auswirkungen bei Bienen gefunden. Die Forscher aus Avignon haben aber nicht die Drohnen direkt gefüttert, denn die männlichen Bienen bleiben die meiste Zeit im Stock:

"Die Sammelbienen haben von dem kontaminierten Sirup gefressen und ihn in den Stock gebracht. Dort haben sie die Drohnen entweder direkt mit dem Pseudo-Nektar gefüttert oder ihn als Honig eingelagert, den die Drohnen dann später gefressen haben."

"Es liegt nahe, dass Königinnen, die Samen schlechter Qualität gespeichert haben, weniger fruchtbar sind"

Die Versuche liefen unter großen Gaze-Tunnelzelten, die über nacktem Erdboden aufgeschlagen waren, sodass die Bienen tatsächlich nur den Fipronil-Sirup sammeln konnten. Äußerlich entwickelten sich die Drohnen gleich gut und lebten genauso lange wie in Vergleichsvölkern, die sich von Zuckerwasser ohne Fipronil ernährten. Auch die Menge der Samenflüssigkeit war identisch.

Doch die Qualität war schlechter. Die Samenflüssigkeit der Fipronil-Drohnen enthielt insgesamt weniger Samenzellen und einen größeren Anteil toter Samenzellen. Die Auswirkungen auf die Königinnen ließen sich direkt messen, sagt Jean-Luc Brunet:

"Wir haben Jungköniginnen mit diesem Samen befruchtet. Die Spermatheken, die Samenzellenspeicher, von Bienenköniginnen, die von Fipronil-Männchen befruchtet waren, enthielten 30 Prozent weniger Samenzellen als bei der Vergleichsgruppe."

Das dürfte Konsequenzen für die gesamte Kolonie haben: Bienenköniginnen paaren sich nur während des Hochzeitsflugs zu Beginn ihres Lebens, dann aber gleich mit bis zu 20 Drohnen. Der Samenzellenvorrat in ihrer Spermathek reicht normalerweise für bis zu vier Jahre.

"Wir haben die Auswirkungen auf die Kolonie nicht untersucht, aber es liegt nahe, dass Königinnen, die Samen schlechter Qualität gespeichert haben, weniger fruchtbar sind und das Gift darum die Bienenkolonie schwächt und vor allem die Lebenserwartung dieser Königin verkürzt."

Über ähnliche Effekte hatten Forscher des Schweizer Bienenforschungszentrums in Bern bei anderen Systemischen Insektengiften, bei bestimmten Neonicotinoiden, berichtet. Diese Prozesse könnten erklären, warum Imker in den letzten Jahrzehnten vermehrt darüber klagen, dass die Königinnen ihrer Bienenvölker weniger lange leben als in früheren Zeiten, sagt Jean-Luc Brunet. Denn ist der Samenzellenvorrat aufgebraucht, tauschen die Arbeiterinnen die Königinnen aus.

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