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StartseiteSport am WochenendeDie härteste Szene der Republik18.01.2015

HooligansDie härteste Szene der Republik

Am Donnerstag wird der BGH in Karlsruhe das Urteil gegen die Hooligans Elbflorenz verkünden. Sie gelten als die härtesten Hools Deutschlands. Aber sind sie auch eine kriminelle Vereinigung?

Peer Vorderwülbecke

Demonstranten sammeln sich am 15.11.2014 vor der Anti-Islamismus-Demo "Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa)" in Hannover  (dpa/picture alliance/Julian Stratenschulte)
"HoGeSa" - Hooligans demonstrieren (dpa/picture alliance/Julian Stratenschulte)

Das Wichtigste für einen Hooligan ist das Match, also die vereinbarte Prügelei  mit anderen Hooligans. 20 gegen 20, 30 gegen 30, manchmal kämpfen auch 50 gegen 50. Seit Ende der neunziger Jahre finden diese Matches fast nur noch auf Wiesen oder Waldlichtungen statt. Wer ein bisschen im Internet sucht, findet zahlreiche dieser Matches – gefilmt mit einer wackeligen Handkamera.

Meistens dauert so ein Kampf nur ein bis zwei Minuten, dann ist eine Gruppe entweder geflohen oder liegt mehrheitlich am Boden – und wer am Boden liegt darf nicht mehr geschlagen oder getreten werden, so wollen es die Regeln der Hooligan-Kämpfe. Die Hooligans Elbflorenz gelten als die härteste und schlagkräftigste Gruppierung in Deutschland. Der Bundesgerichtshof will jetzt entscheiden, ob sie eine kriminelle Vereinigung gebildet haben, und ob diese vereinbarten Schlägereien eine Straftat darstellen. Rolf Franek, der Verteidiger eines Dresdner Hooligans positioniert sich eindeutig:

"Ich bin der Meinung, dass da verfassungsmäßige Recht eines jeden einzelnen mit seinem Körper das zu machen, was er möchte  - bis zu einer gewissen Grenze – nicht eingeschränkt werden darf, nur weil wir vielleicht sagen, das gefällt uns nicht, was die Leute machen."

In der Regel kommen bei diesen Hooligan-Schlägereien nur die Teilnehmer zu Schaden, die bei diesen Kämpfen freiwillig mitmachen – und keine unbeteiligten. So zumindest die Argumentation der Verteidigung. Christian Kabs vom Fanprojekt bestätigt, dass er bei seiner Arbeit im Stadion kaum noch mit Hooligans zu tun hat.

"Das Hooligan-Phänomen hat sich stark gewandelt. Es ist auf jeden Fall nicht mehr so wie in den 80er oder Anfang der 90er Jahre. Mittlerweile ist der Hooliganismus aus den Stadien fast verschwunden. Die Hooligans treffen sich auf der Wiese, in Wäldern auf Feldern, um sich dort mit Gleichgesinnten zu prügeln. Die Spiele werden fast gar nicht mehr vom Hooliganismus tangiert."

Aber trotzdem sind die Hooligans in Dresden aktiv, 50 Mann sollen zum harten Kern von Hooligans Elbflorenz gehören, bis zu 150 zum erweiterten Kreis. Im Jahr 2008 haben die Hooligans türkische Imbissläden in der Alternativen Dresdner Neustadt überfallen, das Landgericht Dresden hat in seinem Urteil den Hooligans eine rechte Gesinnung attestiert.

Was die Hooligans denken, kann man im Buch von Veit Pätzung nachlesen. Der Grafiker ist selbst Dynamo Fan und hat erst kürzlich den dritten Teil seiner Trilogie über die Dresdner Fankultur veröffentlicht:  Schwarzer Hals, gelbe Zähne, so der Titel. Für das Buch hat der 42jährige auch mit dem harten Kern der Dynamo Hools gesprochen. Wie kann man die politische Gesinnung beschreiben?

"National rechts. Das sagen die auch von sich, da tritt man denen auch nicht ins Kreuz, wenn man das so sagt."

Aber nach der Einschätzung von Veit Pätzug ist die rechte Gesinnung nicht das entscheidende Merkmal, dass die Gruppe zusammenhält.

"Die heutige Generation sind in erster Linie Extremsportler, die dafür trainieren, die ihr Leben danach ausrichten. Natürlich gehen alle arbeiten, es sind auch viele Studenten dabei, Unternehmer, es gibt auch einige mit Migrationshintergrund."

Bei einem in dem Buch zitierten Mitglied von Hooligans Elbflorenz klingt das so:

"Von der Staatsanwaltschaft werden wir als dumpfer, militanter Haufen hingestellt. Nicht alle von uns, aber ich bin sozialer Nationalist. Ich stehe dazu. Wir haben auch links angehauchte Neustadt-Bagaluden dabei, auch Russen oder Syrer, Ungarn vom Balkan - also darum gehts nicht."

Martin Döring vom sächsischen Verfassungsschutz bestätigt diese Aussage in gewisser Weise:

"Hooligans als grundsätzlich gewaltgeneigte Fußballfans sind kein Beobachtungsobjekt der Verfassungsschutzbehören. Aber es ist in der Tat so, dass ein nicht unerheblicher Teil der Hooligans auch extremistisch positioniert ist und auch zum Teil Bestandteil von rechtsextremistischen Bestrebungen ist. Und dort, wo wir das erkennen, können wir natürlich auch rechtsextremistisch motivierte Hooligans beobachten."

Der Bundesgerichtshof wird entscheiden, ob die Hooligans Elbflorenz eine kriminelle Vereinigung sind. Ob die Mitglieder rechtsextremistisch sind oder nicht, spielt dabei eine untergeordnete Rolle

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