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StartseiteBüchermarktHow to be good15.04.2002

How to be good

Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann

Der inzwischen 43jährige englische Schriftsteller Nick Hornby hat ein ganzes Genre kreiert, wenn auch sicherlich nicht mit Vorsatz - die sogenannte <em>Lad-Lit</em>, was sich in etwa mit Kerle-Literatur übersetzen lässt. Nachdem der Lehrer mit seinen ersten Arbeiten nirgendwo hatte landen können, kam ihm die geniale Idee, ein Buch über einen Fußballfanatiker zu schreiben, also jene Sorte Mensch, die in tiefste Depressionen stürzt, wenn sie auch nur ein einziges Spiel ihrer Lieblingsmannschaft nicht im Stadion miterleben kann. Nick Hornbys amüsante, witzige und selbstironische Beichte eines Fußballfanatikers sprach Millionen Fans aus der Seele. Hunderttausende, die sonst nie ein Buch in die Hand nehmen, kauften den Roman. Ein Star war geboren. Schwierig war es nur, beim zweiten Roman die Leserschaft zu behalten, auch wenn es dabei nicht um Fußball ging. Diesmal stand ein junger Schallplattenladenbesitzer im Mittelpunkt, der sich zwar mit Raritäten aus der Pop- und Rockmusik bestens auskennt, aber mit dem anderen Geschlecht seine liebe Not hat. Er versteht die Frauen einfach nicht.

Johannes Kaiser

Auch Hornbys 1998 herausgekommener dritter Roman About a boy traf offenkundig der Nerv der Zeit. Sein Held ist ein Mitdreißiger, der versucht, alleinerziehende Mütter damit in sein Bett zu bekommen, dass er ein Single-Erzieherdasein vorgaukelt. Leider geht das schief, denn der Junge, den er sich quasi ausleiht, weckt in ihm tatsächlich väterliche Gefühle. Dieses Jahr nun hat sich Nick Hornby der Kleinfamilie angenommen oder besser gesagt des häuslichen Ehekriegs, denn sein Roman How to be good verhandelt vor allem die sich anhäufenden Unverträglichkeiten einer eigentlich zum Scheitern verurteilten Ehe, die dennoch anhält, weil es zu ihr keine vernünftige oder realistische Alternative gibt. Katie, Ärztin hat ihren Mann David, einen verhinderten Schriftsteller, der zynische Zeitungskolumnen schreibt, seit langem herzlich über. Sie lässt sich sogar auf einen Seitensprung ein. Doch dann löst ein Wunderheiler, der DJ GoodNews mit Handauflegen Davids massive Rückenprobleme. Der wird über Nacht ein völlig anderer Mensch, der nicht nur seine Essensgewohnheiten komplett ändert, sondern auch seine Einstellung zum Leben. Aus dem gottlosen Zyniker wird ein selbstloser Lazarus. Eine für die Familie unerträgliche Situation. Das Chaos bricht aus. Hornby:

Das Buch ist eine Art moralische Komödie, in der vor dem Hintergrund einer scheiternden Ehe moralische Fragen aufgeworfen werden. Es ging darum, die Widersprüche einer linken Einstellung zu erkunden. Während wir alle sagen, wir wollen was für die Obdachlosen tun und den Zustand der Welt ändern, leben wir doch ziemlich bequem und machen eigentlich gar nichts. In gewisser Weise ist es ein postpolitisches Buch, in der es eher um Tony Blair denn um Mrs. Thatcher geht, da das Buch zu einer Zeit anfängt, als diejenigen, die ihn gewählt hatten, von der Labour-Regierung desillusioniert wurden. Wir hatten so lange, ganze 18 Jahre auf eine linke Regierung gewartet und während der 18 Jahre wuchs das Gefühl, wenn sie in Anführungszeichen erst einmal gegangen wäre, dann würde die Welt besser werden. Und das war unrealistisch. Die Welt funktioniert so nicht. Eine Regierung ist eine Regierung. Aber wenn eine Regierung nichts ändert, wer sollte dann was ändern? Man könnte entweder auf eine noch linkere Regierung hoffen oder - realistischer - man fängt an, sich umzuschauen, was man anstelle dessen unternehmen könnte.

In Hornbys Roman fängt der bekehrte David an, sein Geld an Penner zu verschenken. Hingebungsvoll kümmert er sich um obdachlose Kinder, hält seine Tochter und seinen Sohn zu selbstlosem Handeln an, wird zum milden, verständnisvollen Mann. Seine Frau Katie ist verzweifelt.

Eines der Dinge, die mich interessierten und immer noch interessieren, ist die Tatsache, dass David im Prinzip Recht hat und es keine Antwort auf das gibt, was er sagt oder tut. Das ist Teil von Katies Krise. Sie weiß nicht, was sie dagegen sagen soll, findet keine Argumente und fühlt nur Verlegenheit und Unbehagen und vielleicht reicht das nicht aus. Es sollte wie eine ontologische Argumentation wirken, bei der man all das liest, was die Existenz von Gott beweist und jeder Schritt ist in sich vollkommen logisch, aber am Schluß glaubt man dennoch nicht daran und ich denke, so geht es auch Katie. Sie versteht die Logik jedes Schrittes und will letztendlich ihr Geld doch nicht verschenken und nennt sich dennoch eine Linke.

Nick Hornbys bittere Tragikomödie bietet keine glückliches Ende. Katie, die die Nase von ihrem Mann und auch ihrer Familie voll hat, kehrt zwar wieder zurück, doch damit ist keiner der Konflikte wirklich gelöst. Es herrscht denn auch nicht wieder eitel Frieden und Sonnenschein:

Vielmehr bleibt offen, um die verlorenen Ideale des linken Londoner Mittelstandes hat eine ganze Schar von Nachahmer auf den Plan gerufen. Doch keiner hat sein Talent, durchaus ernste Themen so leicht verständlich und humorvoll zu servieren. Das hat ihm viel Erfolg eingebracht und durchaus gute Kritiken, denn die Londoner Literaturwelt ist erheblich weitherziger und großzügiger als die deutsche - davon jedenfalls ist der renommierte 36jährige Schriftsteller Philip Hensher überzeugt.

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