Samstag, 26.05.2018
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteWirtschaft am MittagDer Höllenhund im Norden braucht einen neuen Besitzer08.02.2018

HSH NordbankDer Höllenhund im Norden braucht einen neuen Besitzer

Riskante Finanzgeschäfte, Geld für den internationalen Schiffbau: Das von Hamburg und Schleswig-Holstein getragene Bankhaus steht am Abgrund. Bereits Milliarden an Steuergeldern hat die HSH Nordbank verbraucht, bis zum 28. Februar soll sie privatisiert werden. Doch es fehlt noch ein Käufer.

Von Johannes Kulms

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Das Firmenschild am Gebäude der HSH Nordbank in Kiel (picture alliance / dpa/ Carten Rehder)
Ein möglicher Käufer der HSH Nordbank könnten zwei Finanzinvestoren in den USA sein. (picture alliance / dpa/ Carten Rehder)
Mehr zum Thema

Zukunft der HSH Nordbank Hängepartie mit Milliardenrisiko

Beihilfe zur Steuerhinterziehung HSH Nordbank akzeptiert Bußgeld

HSH Nordbank Mutige Strafverfolgung

Schon lange ist die HSH Nordbank Dauerthema im Finanzausschuss des Kieler Landtags. Auch an diesem Donnerstagvormittag müssen die Ausschussmitglieder überlegen, "ob der Verkauf wirtschaftlich ist oder ob nicht eine Abwicklung der Bank wirtschaftlicher wäre", sagt der Ausschussvorsitzende Thomas Rother.

Wie es mit der HSH Nordbank weitergeht, darüber entscheiden am Ende auch die Abgeordneten aus Hamburg und Schleswig-Holstein. Die beiden Länder sind die Haupteigentümer des Bankhauses. Ein Urteil über das komplexe Thema habe er sich noch nicht bilden können, sagt SPD-Mitglied Rother vor dem Sitzungsbeginn:

"Und wir fühlen uns eigentlich ordentlich informiert, sehen natürlich auch erst die Unterlagen, um die es dann geht, Ende des Monats."

Möglicher Käufer in den USA

Am 28. Februar endet die Frist: Bis dahin muss der Kaufvertrag für die HSH Nordbank unterschrieben sein.

Inzwischen sind Informationen über den möglichen Käufer bekannt geworden: Zwei US-Finanzinvestoren sollen gemeinsam übrig geblieben sein, wie Medien übereinstimmend berichtet haben: Die New Yorker Investmentfirma Cerberus und der Investor J.C. Flowers. Von einer Kaufsumme von 700 Millionen Euro ist die Rede. Angaben, die von offizieller Seite niemand bestätigt aber auch nicht dementiert. Monika Heinold ist Schleswig-Holsteins Finanzministerin und sagt im Gespräch mit diesem Sender:

"Wir haben eine Reihe von Interessenten, sind jetzt in der Endphase, der Prozess muss hoch vertraulich sein, es geht um viel für’s Land und da ist Verschwiegenheit Trumpf."

Ein Verkauf des Bankhauses sei die bessere Lösung als eine Abwicklung ist die Grünen-Politikerin überzeugt.

"Weil das nach unserer Erkenntnis die wirtschaftlichste Entscheidung wäre für das Landesvermögen und darum geht es ja. Wir kriegen sowieso viele Schulden durch die Altlast HSH Nordbank und je weniger Schulden wir bekommen, aus diesem ganzen Schlamassel, je besser." 

Riskante Finanzgeschäfte, hohe Verluste

Denn egal, was in Sachen HSH in den nächsten Wochen entschieden wird: Die beiden Länder Hamburg und Schleswig-Holstein werden auf einem riesigen Verlust sitzen bleiben. Fünf Milliarden Euro schlügen allein für Kiel zu Buche, wenn nun alles glatt gehe. Im schlimmsten Fall blieben acht Milliarden Euro bei den schleswig-holsteinischen Steuerzahlern hängen, prognostiziert Finanzministerin Monika Heinold.

Die beiden Hauptursachen für den Niedergang der HSH Nordbank: Riskante Finanzgeschäfte, vor allem aber die hohen Verluste bei der Schiffsfinanzierung, auf die das Bankhaus so lange gesetzt hatte.

Würde die Bank nun von Finanzinvestoren übernommen, zöge ein anderer Wind an den Standorten in Hamburg und Kiel ein, macht Norbert Dieckmann deutlich. Er ist Professor an der privaten EBC-Hochschule in Hamburg und forscht zum öffentlich-rechtlichen Bankensektor.

"Es ist doch völlig legitim, wenn Sie jetzt private Bieter haben, Finanzinvestoren, dass die als erstes Ziel die Wirtschaftlichkeit vor Augen haben. Dass die Finanzinvestoren natürlich irgendwo auch an angemessener Gewinnerzielung interessiert sind und das ist natürlich schon ein Unterschied gegenüber früher, wo die Politik auch gewisse Rahmenbedingungen setzen konnte und sagen konnte: Diese Bank wird betrieben, um das maritime Cluster in Norddeutschland zu unterstützen. Da sehe ich schon einen deutlichen Unterschied."

"Die Arbeitsplätze sind keine Bedingung im Kaufvertrag"

Nicht automatisch sei eine Abwicklung am Ende schlechter als ein Verkauf. Nämlich dann, wenn für einzelne Teilbereiche der HSH sich ein anderes Bankhaus als Käufer finden ließe, sagt Dieckmann. Allerdings räumt er auch ein: Die Regierungen in Hamburg und Kiel stehen unter enormem Zeitdruck. Denn wird bis zum 28. Februar kein neuer Käufer gefunden, wird die Bank automatisch abgewickelt, wie die EU-Kommission vorgegeben hat.

Rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt die HSH Nordbank derzeit in Hamburg und Kiel. Man werbe um den Standort, sagt Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Kieler Finanzministerium. Doch eine Jobgarantie gebe es für die HSH-Belegschaft nicht.

"Die Arbeitsplätze sind keine Bedingung im Kaufvertrag."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk