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Humor auf Plattdeutsch

Vor 200 Jahren wurde der Schriftsteller Fritz Reuter geboren

Von Holger Teschke

Seinen ersten Romanversuch brach Reuter ab. 1853 machten ihn seine plattdeutschen Gedichte schlagartig bekannt.
Seinen ersten Romanversuch brach Reuter ab. 1853 machten ihn seine plattdeutschen Gedichte schlagartig bekannt. (AP)

Seine Gedichte und Romane, aber auch seine humorvollen Erinnerungen und Reisebeschreibungen machten den Mecklenburger Volksdichter Fritz Reuter zu einem der beliebtesten und erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit. Auch politische Töne schlug er an.

"Wenn einer Augen hat zu sehen, so wird er zwischen den Zeilen meiner Schreibereien herauslesen müssen, dass ich immer Farbe gehalten habe und dass die Ideen, die den jungen Kopf beinahe unter das Beil gebracht hätten, noch in dem alten spuken."

Dieses Bekenntnis Fritz Reuters stammt aus einem Brief aus dem Jahre 1864, als er an seinen Erinnerungen "Ut mine Stromtid" arbeitete. Aber welche Ideen hätten den plattdeutschen Humoristen in seiner Jugend fast unters Beil gebracht ? Am 7. November 1810 im mecklenburgischen Stavenhagen geboren, studierte Reuter ab 1831 in Rostock und später in Jena Jura. Er wurde Mitglied der Burschenschaft "Germania" und diskutierte mit seinen Kommilitonen über demokratische Reformen, die einer konstitutionellen Monarchie den Weg ebnen sollte.

"Hier ist alles ganz anders als bei uns : Das Volk ist lebendiger und aufgeklärter, verlangt Preßfreiheit und Geschworenengerichte und alle verbotenen Blätter werden öffentlich mit rauschendem Beifall in den Kneipen vorgetragen."

Nach dem Sturm auf die Frankfurter Hauptwache im April 1833 griffen die Regierungen in ganz Deutschland gegen die Burschenschaften durch. Reuter wurde im Oktober 1833 verhaftet, wegen Hochverrat angeklagt und zum Tode verurteilt. Erst nach vier Jahren Haft verwandelten die preußischen Richter das Urteil in eine dreißigjährige Festungsstrafe. Im August 1840 wurde er nach Intervention einflussreiche Freunde endlich begnadigt. Vergebens hoffte er, die verlorenen Jahre als Student und Landwirtschaftsvolontär wieder aufzuholen. Es folgten Jahre unsteter Wanderung, bis er 1847 versuchte, als Schriftsteller ein Auskommen zu finden. Schon in seinem ersten Romanversuch "Herr von Hakensterz" schlug er wieder politische Töne an.

"Du bist krank, mein Vaterland, sehr krank ! Kommt nur alle her in den durchgetretenen Pantoffeln eurer Gemeinplätze und der müffigen Nachtmütze eurer Philisterweisheiten und werft mir Sozialismus und Kommunismus vor und schimpft mich Wühler und Aufhetzer und roten Republikaner. Freie Bahn, und wir schlagen dich, Junker, im ersten Rennen und wir übertölpeln dich, Geldbeutel, bei der ersten Aktienwette."

Der Geist von 1848 hatte auch Mecklenburg erreicht. Aber nach dem Scheitern der Revolution brach Reuter die Arbeit an diesem Roman ab und wurde Lehrer für Turnen und Zeichnen in Treptow. 1850 begann er plattdeutsche Gedichte zu schreiben, die ihn 1853 schlagartig bekannt machten: die "Läuschen und Riemels", "Geschichten und Reimen."

Wer weit, wat Fisematenten heit
De tret mal upp und seggt !
Ick gloew, ji gebt mi kein Bescheid
Un keiner kriggt dat recht.
Paßt up ! Ick mak jug ok so klauk
Will jug dat Ding vertellen
Doch moet ji nich mien lustig Bauk
För Fisematenten schellen.


Der Erfolg dieses Buches brachte ihm 1855 eine Stelle als Redakteur des "Unterhaltungsblatts für beide Mecklenburg und Pommern" ein, die er schon nach einem Jahr aufgab, um sich wieder der Politik zuzuwenden. Für den Landkreis Treptow nahm er an der Wahl zum preußischen Abgeordnetenhaus teil und begann mit der Arbeit an "Kein Hüsung", seiner radikalsten Kritik an den sozialen Verhältnissen in Mecklenburg. Doch trotz seiner Erfolge bei den Lesern änderte sich an den politischen Verhältnissen wenig. Reuter zog mit seiner Frau nach Thüringen und kehrte nie wieder in seine Heimat zurück. Am 12. Juli 1874 starb er in Eisenach. In seinen nach dem Tod herausgegebenen Briefen kann man nachlesen, dass Fritz Reuter auch im Alter den Träumen seiner Jugend nicht abgeschworen hatte.

"Da sitz ich nun schon an die dreißig Jahre, bis mir das Haar grau geworden ist und warte auf eine tüchtige Revolution, in der sich der der Volkswille einmal energisch dokumentieren soll, aber was hilfts ? Es wird schon noch eine kommen…"

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