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StartseiteVerbrauchertippHalsbänder gegen das Bellen22.01.2018

Hunde-ErziehungHalsbänder gegen das Bellen

Aufregung, Angst, Frust: Hunde bellen oft und aus den unterschiedlichsten Gründen. Für Menschen ist dieses Verhalten meist störend. Spezielle Erziehungs-Halsbänder sollen den Tieren übermäßiges Bellen abgewöhnen. Doch ist das eine gute Lösung für Hund und Halter?

Von Susanne Kuhlmann

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Schlittenhunde tummeln sich am 28.01.2017 in Benneckenstein (Sachsen-Anhalt). In dem Harzort wurde das 25. Schlittenhunderennen veranstaltet. (dpa / Matthias BEin)
Nach jedem Bellen ein Sprühstoß - für Hunde eine unangenehme Erfahrung (dpa / Matthias BEin)
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Bellen gehört zum typischen Verhalten von Hunden. Wie häufig sie das tun, ist dann in erster Linie eine Frage der Rasse, sagt Michael "Atze" Nehmann. Er arbeitet als zertifizierter Hundetrainer in Rösrath, in der Nähe des Köln-Bonner Flughafens. Auf seinem Trainingsplatz macht er sich zunächst immer ein Bild vom Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund.

"Wie lebt der Hund? Was ist es für ein Typ Hund? Was ist es für ein Typ Mensch?"

Automatischer Sprühstoß als "Strafe"

Gerade ist Janine Schmitz da, gemeinsam mit Akira, einer munteren Australien-Shepard-Hündin mit einem lebhaft bunt gezeichneten Gesicht und leuchtend blauen Augen. Australien Shepards wurden zum Hüten von Schafherden gezüchtet, zählen also zu den eher bellfreudigen Rassen. In vielen Alltagssituationen stört Janine Schmitz das. Sie probierte deshalb ein Erziehungshalsband aus, das bei Gebell automatisch einen Sprühstoß mit Zitrusaroma auslöst. Manchmal fährt sie zu einem Ponystall und nimmt Akira mit.

"Dann ist ein Pony auf sie zugekommen und wollte auf sie losgehen. Ich habe mich dazwischen gestellt. Es war eigentlich kein Problem, ich habe das Pony weggeschickt. Und sie hat in dem Moment angefangen zu bellen, weil sie das aufgeregt hat. Das Halsband hat ausgelöst, und sie hat dies Auslösen vom Halsband mit dem Pony verbunden und mochte erst mal keine Ponys mehr. Das hat dazu geführt, dass dieser Hund, der nie ein Problem mit Ponys hatte, dieses Pony beißen wollte. Und das war so ziemlich das letzte Mal, wo wir dieses Halsband verwendet haben."

Stimmung überträgt sich auf den Hund

Solche Fehlverknüpfungen kommen immer wieder vor, erklärt der Hundetrainer. Janine Schmitz könnte vergleichbare Situationen auflösen, indem sie sich anders verhält.

"Das alles Entscheidende ist, dass Frau Schmitz ruhig ist. Der Hund kommt in einen Erregungszustand, und die Stimmungsübertragung funktioniert in beide Richtungen."

Janine Schmitz zeigt das. Sie macht einige hektische Bewegungen und läuft hin und her. Das reicht, um Akira, die eben noch ruhig auf dem Boden lag, aufzustacheln.

"Wenn Frau Schmitz sich selber ein bisschen aufregt, dann sieht man, wie der Hund anfängt zu bellen, auch ein bisschen hochzudrehen. Das ist die andere Stimmung, die Frau Schmitz überträgt. Das sieht man sofort am Hund. Und wenn man andersrum diesen Weg geht, wenn die Frau Schmitz wieder in der Lage ist, Ruhe wieder hinein zu bringen in den Hund, kann man sofort merken und auch hören, dass man nichts hört."

Janine Schmitz hat sich zum Beispiel angewöhnt, Akira erst mal im Auto zurückzulassen, wenn sie ihre beste Freundin besucht.

Tierschutzbund lehnt Erziehungs-Halsbänder ab

"Wenn wir uns begrüßt haben, dann kann auch Akira meine beste Freundin begrüßen. Die weiß, dass die das ruhig machen muss. Dann bin ich dabei, gebe ein bisschen Hilfestellung. Dann geht das auch."

Auf Anti-Bell-Halsbänder will sie künftig komplett verzichten. Der Hundetrainer ist jedoch nicht rundheraus dagegen. Wenn die Beziehung zwischen Mensch und Hund stimme, könnten sie eine Absicherung sein, ein letzter Schritt im Training.

Das sieht der Deutsche Tierschutzbund anders. Er lehnt alle Arten von Erziehungshalsbändern ab. Sie seien nicht tierschutzgerecht, so das klare Urteil. Der Hund werde unabhängig von der Absicht seiner Handlung bestraft, sagt die Verhaltensbiologin Dr. Katrin Umlauf.

Als Strafreize irritierten Sprühstoß oder Ultraschallton des Anti-Bell Halsbandes den Hund, ohne dass er seine Handlungen ändern könne. Das Halsband bekämpfe nur Symptome, beseitige aber nicht die Ursachen fürs häufige Bellen.

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