Sternzeit / Archiv /

 

Hundert Jahre kosmischer Zollstock

Von Dirk Lorenzen

Henrietta Leavitt, die Entdeckung der Periode-Leuchtkraft-Beziehung
Henrietta Leavitt, die Entdeckung der Periode-Leuchtkraft-Beziehung (HCO)

Manche Sterne im Weltall verändern regelmäßig ihre Helligkeit, weil sie sich aufblähen und wieder schrumpfen. Die klassischen Vertreter dieser Sternsorte sind die Cepheiden - benannt nach ihrem Prototypen im Sternbild Cepheus.

Vor gut hundert Jahren untersuchte Henrietta Swan Leavitt Cepheiden in den Magellanschen Wolken, Begleitgalaxien unserer Milchstraße. Miss Leavitt war als Rechenkraft am Harvard College Observatory angestellt.

Ihr fiel auf, dass die Periode, mit der die Cepheiden mal stärker und mal schwächer leuchten, von der maximalen Helligkeit der Sterne abhängt. Je heller ein Cepheide leuchtet, desto länger dauert sein Pulsieren.

Ist dieser Zusammenhang einmal an nahen Objekten geeicht, so kann man damit den Abstand ferner Objekte bestimmen. Denn die Dauer des Lichtwechsels verrät die wahre Leuchtkraft des Sterns. Der Vergleich mit seiner Helligkeit an unserem Himmel liefert die Entfernung.

Diese Periode-Leuchtkraft-Beziehung der Cepheiden ist bis heute der wichtigste astronomische Zollstock, um das Weltall zu vermessen. Mit ihm werden wiederum andere Messmethoden geeicht, etwa die Rotverschiebung.

In diesem Jahr jährt sich die Veröffentlichung der Periode-Leuchtkraft-Beziehung zum hundertsten Mal. Zwar war diese Entdeckung sicher nobelpreiswürdig, aber Henrietta Leavitt hat sie beruflich nicht weit vorangebracht. Denn Harvard verwehrte Frauen damals bedeutende akademische Positionen.

Erst 1921 wurde Miss Leavitt dort immerhin Leiterin der Stellarphotometrie. Doch die große Astronomin ist kurz darauf gestorben - sie wurde nur 53 Jahre alt.

Informationen zur Entfernungsbestimmung mit Cepheiden

Das Leben von Henrietta Swan Leavitt

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Sternzeit

AstronomieNächtlicher Schwur unterm Regenbogen

Vielleicht zaubert der Mond auch heute Abend einen Regenbogen an den Himmel

Im Drama Wilhelm Tell lässt Friedrich Schiller die Protagonisten zum berühmten Eid zusammenkommen. Der Rütli-Schwur fand zur Geisterstunde statt - vor einer grandiosen Kulisse des Sternenhimmels.

AstronomieDer Sternenhimmel im August

Der Himmelsanblick Mitte August gegen Mitternacht

Sechs Wochen nach der Sommersonnenwende werden die Tage im August wieder spürbar kürzer. Im Laufe des Monats verringert sich die Länge des lichten Tages im deutsch-dänischen Grenzgebiet um zwei Stunden, in Lörrach immerhin noch um eineinhalb Stunden.

AstronomieGerst und Gerst

Gerst, aber nicht Alexander, sondern Bill - NASA-Manager Bill Gerstenmaier

Bis Mitte August ist jetzt wieder die Internationale Raumstation am Himmel über Deutschland zu sehen. Derzeit zeigt sie sich in den frühen Morgenstunden, in gut einer Woche ist sie auch am Abendhimmel zu beobachten.

 

Wissen

HirnforschungIst der Geist ein neuronales Gewitter?

Das Modell eines menschlichen Gehirns

Ohne dass wir es merken, geht es in unserem Kopf wild zu: Da feuern millionenfach Neuronen, da werden Stresssubstanzen ausgeschüttet und Bindungshormone freigesetzt. Für die Hirnforschung ist der menschliche Geist ein neuronales Gewitter, ist die Psyche ein Balanceakt zwischen Cortisol und Serotonin.