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StartseiteInterviewHurrikane im Mittelmeer29.08.2005

Hurrikane im Mittelmeer

Hurrikan-Experte erklärt das Entstehen der Wirbelstürme

Durch den Klimawandel werden auch die Meere immer wärmer. Das führt dazu, dass es in Zukunft auch dort Hurrikane geben kann, wo noch nie welche aufgetaucht sind. Im Mittelmeer zum Beispiel. Denn ein Wirbelsturm entsteht aus der Kombination von warmem Meerwasser und energiereicher Luft, wie Gerd Tetzlaff von der Uni Leipzig erklärt.

Moderation: Gerd Breker

Warmes Meerwasser + energiereiche Luft = Hurrikan. Hier der tropische Wirbelsturm Dennis vom Weltraum aus gesehen.  (NASA)
Warmes Meerwasser + energiereiche Luft = Hurrikan. Hier der tropische Wirbelsturm Dennis vom Weltraum aus gesehen. (NASA)

Gerd Breker: Und am Telefon begrüße ich nun Gerd Tetzlaff vom Institut für Meteorologie an der Universität Leipzig. Guten Tag Herr Tetzlaff.

Gerd Tetzlaff: Guten Tag Herr Breker.

Breker: Herr Tetzlaff, Hurrikan, das ist ein tropischer Wirbelsturm, der über warmem Meerwasser sich bildet. Aber wie geht das physikalisch, was geht da vor sich?

Tetzlaff: Zu einem Hurrikan brauchen sie nicht nur das warme Meerwasser, da brauchen sie auch noch ein bisschen atmosphärische Bedingungen dazu, die dafür sorgen, dass sie die Vertikalbewegung nach oben in Gang setzen. Und das heißt, sie müssen unten am Boden die Luft zusammenströmen lassen und in dem oberen Teil der Atmosphäre, so zwölf Kilometer Höhe, da muss sie auseinander strömen, und da müssen sie entsprechende Bedingungen für schaffen, damit da sozusagen die Luft von unten nach oben regelecht angesaugt wird. Und je energiereicher die Luft ist, desto intensiver kann dann das sein, was dann hinterher als Hurrikan erscheint.

Breker: Was macht denn die Luft energiereich?

Tetzlaff: Die Luft macht energiereich, zwei Sachen machen energiereich: Das eine ist die Temperatur - warme Luft enthält mehr Energie als kühlere Luft. Und das zweite - und das spielt hier die Hauptrolle - das ist der Wasserdampf; also feuchte, tropische Luft enthält eben große Energiemengen.

Breker: Herr Tetzlaff, wir haben es ja mit mehreren, mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bei einem Wirbelsturm zu tun. Zum einen das, was er bewirkt, durch Fliehkraft möglicherweise uns zum anderen, wie er sich selber bewegt.

Tetzlaff: Richtig. Das ist ja von den Kollegen auch schon angesprochen worden, dass nämlich die Vorherberechnung des Weges des Hurrikans gar nicht so einfach ist. Und das hängt eben tatsächlich mit dieser Eigenschaft zusammen, dass der Hurrikan gewissermaßen eine Versammlung von lauter kleinen Wolken ist. Und als solches eben gesteuert wird von den großräumigen Strömungsvorgängen in der Atmosphäre. Und das sorgt dann dafür, dass also der Weg des Hurrikans, die Fortbewegung, wie er sich als Ganzes fortbewegt, relativ schwer zu greifen ist und das auch übrigens relativ langsam passiert. Während die Windgeschwindigkeiten, die die Schäden bringen am Hurrikan eben riesengroß sind. Und da gibt es zum Beispiel eine eigene Windskala, die Beaufort-Skala, so für Segler und ähnliche Leute, ist ja vielleicht bekannt. Die fängt da an, wo bei uns der Orkan aufhört, da fängt die unterste Stufe vom Hurrikan richtig an.

Breker: Es wurden ja bei Katrina auch Böen gemessen von über dreihundert Stundenkilometern.

Tetzlaff: Ja. Und die Böen-Geschwindigkeit ist auch das, was die Einordnung in die - ich sage jetzt einmal in diese Schadenskategorien, diese Kategorie fünf ist ja auch mehrfach in den Nachrichten genannt worden, sozusagen mitprägt und die dafür sorgt, dass er eben entsprechend eingeordnet wird. Und Katrina ist eben offensichtlich ein Hurrikan der Kategorie fünf und von solchen Hurrikans der Kategorie fünf gab es in den letzten hundert Jahren nur drei Vorläufer.

Breker: Hurrikane, die Bildung von Hurrikane, kann der Mensch nicht verhindern. Die einzige Chance, die der Mensch eigentlich hat, um die Schäden möglichst gering zu halten ist wirklich das, was wir eben schon hatten: Zu sagen, woher er denn gehen wird und dann eventuell zu evakuieren, ist das richtig?

Tetzlaff: Ja, einerseits ist natürlich die Vorhersage - kurzfristig, ein, zwei Tage, vielleicht eine Woche vorher, natürlich sehr hilfreich. Aber was natürlich ebenso wichtig oder vielleicht sogar noch wichtiger ist, ist natürlich die langfristige Vorbeugung. Denn wenn sie wissen, dass sie in einem Gebiet wohnen, in dem es starke Hurrikane geben kann, dann müssen sie eben durch entsprechende Schutzbauten, Baumaßnahmen, Planungen dafür sorgen, dass sie diese Schäden, die dadurch entstehen, dass ein Hurrikan auftritt, möglichst gering halten.

Breker: Herr Tetzlaff, ich habe es eben den Kollegen auch gefragt gehabt. Es gibt in dieser Saison, in dieser Hurrikan-Saison recht viele Hurrikane im Golf von Mexiko. Die Menschen in Amerika erklären sich das offenbar damit, dass es solche Perioden immer mal wieder gibt, wo es viele gibt und dann wieder Perioden, wo es nur wenige gibt. Und mit Klimaveränderung habe das nichts zu tun. Wie sehen Sie das?

Tetzlaff: Der Zusammenhang von Hurrikane, Hurrikan-Anzahl und Klimaveränderung ist in der Tat relativ schwer herzustellen, weil eben - wie ich vorhin schon gesagt habe - eben nicht nur die warme Wassertemperatur eine Rolle spielt, sondern auch die ganzen atmosphärischen Bedingungen, die zum Aufsteigen der Luft führen. Und deswegen kann man solche Zyklen mit 20 Jahren zwar finden, die sind aber auch nicht so ganz deutlich ausgeprägt. Also nicht so deutlich ausgeprägt zum Beispiel, dass man darauf eine Vorhersage aufbauen könnte. Aber es gibt insgesamt in den letzten 100 Jahren keinen erkennbaren Trend in der Zahl der Hurrikane, der starken Hurrikane pro Jahr.

Breker: Herr Tetzlaff, das warme Wasser ist es allein nicht. Aber der Klimawandel - so wird gesagt - besteht darin, dass es insgesamt wärmer wird. Also wird das Wasser doch auch wärmer, also müsste doch auch in Zukunft möglicherweise an mehr Stellen es Hurrikane geben, an Stellen wo es zurzeit vielleicht keine gibt?

Tetzlaff: Ganz genau so ist es. Man geht davon aus, dass es zum Beispiel im Mittelmeergebiet in Zukunft Hurrikane geben kann, weil die Wassertemperatur dort über die Grenze von ungefähr 27 Grad ansteigt. Das ist der eine Teil. Der zweite Teil ist aber das, was ich vorher gesagt habe: Sie brauchen für einen Hurrikan auch noch die richtigen atmosphärischen Bedingungen, also das Ansaugen der feuchten Luft von der Meeresoberfläche in größere Höhen. Und dieses wiederum hängt eben auch von der Temperaturdifferenz ab. Also wenn es insgesamt wärmer wird, dann kann es durchaus sein, dass dieser Mechanismus nicht unterstützt wird, um mehr Hurrikane daraus zu machen.

Breker: Weil diese Differenz dann gar nicht entsteht?

Tetzlaff: Weil die Differenz entweder gleich bleibt oder sich wiederum eben nicht erhöht. Aber das ist ein sehr heikles Thema, da gibt es sehr wenig belastbares statistisches Material zu.

Breker: Gerd Tetzlaff war das, er ist Professor an der Universität Leipzig und leitet dort das Institut für Meteorologie. Herr Tetzlaff, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Tetzlaff: Ich bedanke mich Herr Breker und wünsche Ihnen noch eine schönen Tag.

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