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StartseiteInterview"Ich bin richtig traurig, wie man mit den Opel-Kollegen umgeht"17.11.2008

"Ich bin richtig traurig, wie man mit den Opel-Kollegen umgeht"

Porsche-Betriebsrat Hück: Opel retten, ja - ohne Arbeitsplatzabbau

Uwe Hück, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Porsche, zeigt sich solidarisch mit dem notleidenen Autobauer Opel. Der Staat müsse jetzt auffangen, was der Mutterkonzern GM verursacht habe. Bedingung sei jedoch, dass kein Geld in die USA fließe und Arbeitsplätze nicht abgebaut werden.

Uwe Hück im Gespräch mit Friedbert Meurer

Opel-Mitarbeiter arbeiten im Opel-Werk in Rüsselsheim an einem Opel-Vectra (AP)
Opel-Mitarbeiter arbeiten im Opel-Werk in Rüsselsheim an einem Opel-Vectra (AP)

Friedbert Meurer: Uwe Hück ist Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Porsche und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates von Porsche. Guten Morgen, Herr Hück.

Uwe Hück: Einen schönen guten Morgen.

Meurer: Drücken Sie Opel die Daumen, dass der Konzern die Staatsbürgschaft bekommt?

Hück: Ja. Erstens drücke ich Opel die Daumen, dass die Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben. Opel ist ein wichtiges Unternehmen für Deutschland, für die Arbeitsplätze in Deutschland und deshalb wünsche ich meinem Kollegen Klaus alles Gute, dass er das auch hinkriegt.

Meurer: Sie glauben, dass es wirklich berechtigte Gründe gibt für eine Staatsbürgschaft?

Hück: Ich möchte folgendes sagen: Es ist halt schon traurig, wenn in den USA der Mutterkonzern sage ich mal bis zu 500 Millionen Euro nach Europa rüberschickt, so dass unsere Kollegen in Deutschland bei Opel das nachher zu finanzieren haben. Das finde ich nicht in Ordnung. Deshalb müssen wir gucken, wie weit kann man helfen. Wichtig ist es, dass wir alle Anstrengungen machen müssen, dass die Arbeitsplätze in Deutschland geschützt werden. Aber da gibt es auch gewisse Bedingungen von uns, von den Betriebsräten der Automobilfirmen und von der IG Metall.

Meurer: Als Bedingung der Politik wird ja formuliert, dass die Hilfe, wenn der Staat sie Opel gewährt, nicht gleich nach Detroit überwiesen wird und dann der US-Mutter zugute kommt. Ist diese Bedingung zurecht formuliert?

Hück: Vollkommen richtig. Wir können doch nicht Steuergelder jetzt über den Teich schicken. Das geht ja nicht. Wir müssen jetzt gucken, dass wir Opel helfen. Wir müssen gucken, dass wir Bedingungen an diese Steuergelder stellen, denn das Geld gehört ja nicht uns. Das Geld gehört ja den Bürgern. Das sollten wir nicht vergessen. Und damit müssen wir sehr sorgfältig umgehen.

Meurer: Welche Bedingungen meinen Sie?

Hück: Bedingung ist unter anderem – das habe ich ja mit den anderen Kollegen der Automobilfirmen unterschrieben -, dass wir gucken, dass keine Arbeitsplätze abgebaut werden, dass wir dieses Geld auch in Bildung hineingeben, also in Qualifizierungsmaßnahmen, dass die Gehälter gedeckelt werden, maximal 500.000 Euro, und lauter solche Themen. Unter diesen Bedingungen dürfen nur die Gelder fließen.

Meurer: Das läuft aber jetzt dann auf eine staatliche Subvention von Arbeitsplätzen bei privat geführten Autokonzernen hinaus.

Hück: Sie bringen es auf den Punkt. Das ist so! Es tut mir auch leid, aber welche Alternative haben sie? Soll Opel jetzt die Arbeitslosigkeit in Deutschland fördern, oder sollten wir gucken, dass der Staat so weit wie möglich "begrenzt einschreitet"? Wie gesagt: Opel ist eine besondere Situation: US-Tochtergesellschaft. Die machen Dinge, die nicht in Ordnung sind. Ich bin richtig traurig, wie man mit den Opel-Kollegen umgeht.

Meurer: Sie glauben nicht, Herr Hück, dass dann eine Reihe von anderen Automobilunternehmen Schlange stehen werden beim Kanzleramt und sagen, ja dann will ich die Hilfe auch haben?

Hück: Da sollten wir sehr, sehr vorsichtig sein. Ich glaube nicht, dass Daimler sowie auch VW oder BMW oder Ford dort anstehen. Das glaube ich nicht. Da müsste ich aber mit meinen Kollegen sprechen oder die Kollegen müssten selber die Antwort geben. Das dürfte nicht sein. Ich kann aber mit Sicherheit sagen: Porsche wird es nicht machen.

Meurer: Auch deswegen nicht, weil es ihnen auf dem deutschen Markt relativ gut geht? Auf dem US-Markt geht es ihnen etwas schlechter. Ärgert es Sie da, wenn Sie hören, dass der künftige Präsident Obama an kräftige Hilfen denkt für Chrysler, für Ford, für General Motors?

Hück: Das muss der Obama selber ausmachen. Der ist jetzt eben gerade als Präsident gewählt worden und ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich jetzt ihm Ratschläge geben möchte. Ich sage nur, wir müssen sehr vorsichtig sein, dass wir nicht alles verstaatlichen, denn das sind ja Schulden. Die Schulden müssen ja meine Kinder oder Ihre Kinder und Enkelkinder nachher tragen. Ich möchte nicht meinen Kindern sage ich mal einen Staat geben, der pleite ist, der bankrott ist. Da müssen wir sehr vorsichtig sein. Wir müssen an unsere Kinder denken und nicht nur an uns.

Meurer: Werden wir jetzt einen Wettbewerb erleben, Herr Hück? Die Amerikaner puschen ihre Autoindustrie, stecken Milliarden Dollar hinein, und die Bundesregierung und die Länder verfahren ähnlich?

Hück: Gegen Wettbewerb habe ich gar nichts. Ich bin selber Sportler. Wenn ich in den Ring gehe, dann erwarte ich schon, dass ich einen guten Gegner habe und dass ich auch stolz bin, wenn ich ihn umhauen kann.

Meurer: Das ist aber kein marktwirtschaftlicher Wettbewerb.

Hück: Ja. Ich wollte gerade auch auf den Punkt kommen. Gegen Wettbewerb habe ich nichts. Wir müssen nur gucken, dass die nicht gedopt werden. Das wollte ich eigentlich sagen. Sportler, die gedopt sind und gewinnen, ist nicht in Ordnung.

Meurer: Staatsbürgschaft ist kein Doping?

Hück: Ja, das könnte sein. Da müssen wir vorsichtig sein. Vor allem bei Opel müssen wir sehr vorsichtig sein. Wir wissen ja nicht, was die US-Tochter uns alles rüberschickt. Nach meinen Informationen – ich weiß nicht, ob sie richtig sind – kann ja unter anderem bis zu eine oder zwei Milliarden Euro schon nach Europa rübergeflossen sein als Minusschulden, die wir nachher zu begleichen haben, aber das kann der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel Klaus besser einschätzen. Der ist der Profi bei Opel und nicht ich.

Meurer: Was sollte der Staat im Moment am besten tun, um der deutschen Automobilindustrie zu helfen?

Hück: Der Staat soll erst mal immer nachdenken. Das ist erst mal ganz arg wichtig. Ich werde denen da keinen Ratschlag geben, weil darum treffen wir uns mit dem Frank-Walter Steinmeier. Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein, dass wir jetzt eines nicht machen dürfen: In den letzten Jahren haben die Unternehmen Millionen und Milliarden Gewinne gemacht. Ich nenne Porsche, ich nenne Daimler, BMW und andere Unternehmen. Es kann nicht sein, dass die lauter Gewinn gemacht haben und sie plötzlich kein Geld haben nach den ersten drei Monaten der Krise. Wir haben die Krise erst seit vier Monaten. Da bin ich sehr, sehr vorsichtig und sehr skeptisch, dass jetzt jeder herkommt, die Unternehmer, die Arbeitgeber, und sagt, ich brauche jetzt Hilfe. Wo sind die Milliarden, die sie Gewinn gemacht haben? Millionengewinne haben die Manager bekommen. Also da sollten wir sehr vorsichtig sein. Darum bin ich der Auffassung, nicht so schnell der Staat reagieren, sondern erst mal fragen, wo die ganzen Gewinne sind und die Gehälter, die die Manager bekommen haben, vor allem darüber nachdenken, dass keine Dividenden ausbezahlt werden etc.

Meurer: Meinen Sie auch Ihren eigenen Manager, der ziemlich viel Geld verdient hat in der letzten Zeit?

Hück: Ja, ja. Vollkommen richtig. Deshalb wird Porsche in keinster Weise so ein Konjunkturprogramm annehmen. Sie wissen: Wir waren 1994 pleite. Wir haben keine Subventionen genommen. Wir Kolleginnen und Kollegen haben uns alleine aus der Scheiße rausgezogen. Ich möchte jetzt hier nicht prahlen, aber ich möchte nur sagen, wir müssen vorsichtig sein. Wenn Dr. Wiedeking das angehen würde, dann würde ich mit ihm schimpfen, aber ich weiß, dass er das nicht macht. Er ist gegen Subventionen, ich auch. Ich will nur, dass die Arbeitsplätze in Deutschland gerettet werden.

Meurer: Werden Sie dann auch darauf verzichten, dass man von der Kfz-Steuer befreit wird, wenn man einen Porsche Kajen kauft?

Hück: Ich finde es absolut dumm. Diese Käufer, die einen Porsche kaufen, braucht man nicht von der Kfz-Steuer zu befreien. Die haben Geld und wenn sie das Geld für die Steuern nicht haben, dann dürfen sie auch keinen Porsche fahren.

Meurer: Was bringt diese Idee mit der Kfz-Steuer?

Hück: Überhaupt nichts. Ich finde das absolut chaotisch. Ich bin eher der Auffassung, da hätten wir lieber noch mal über die Entlastung unserer Mindestgehälter, die wir haben, nachdenken sollen. Wir haben Einkommen, wo Mitarbeiter nicht einen ganzen Monat auskommen. Die Geringverdiener müssen entlastet werden und nicht die Reichen, die da oben. Ich möchte nicht entlastet werden, sondern ich wünsche, dass meine Geringverdiener entlastet werden, die wenig Geld haben, für die das nicht einen ganzen Monat reicht. Deshalb finde ich das mit der Kfz-Steuer Blödsinn. Wenn wir Geld übrig haben, dann sollten wir Mindestlöhne in Deutschland einführen.

Meurer: Das war ja auch eine Idee der SPD-Spitze gewesen, auch von Frank-Walter Steinmeier. Werden Sie ihm das heute Abend sagen?

Hück: Das sage ich ihm freundschaftlich. Ich unterstütze ihn vollkommen in anderen Punkten, nur nicht in dem. Die Kfz-Steuer brauchen wir nicht befreien. Und ich sage noch mal: Kunden, die einen großen Daimler kaufen, einen großen Porsche kaufen, die sind reich genug. Die brauchen keine Kfz-Steuerbefreiung.

Meurer: Ich rede mit dem Porsche-Betriebsratsvorsitzenden Uwe Hück. Heute gleich zwei Gipfel: bei der Kanzlerin und beim Kanzlerkandidaten. Ist das ein politischer Wettbewerb im beginnenden Wahlkampfjahr?

Hück: Ich werde ja – und das ist auch bekannt – für die SPD den Wahlkampf mit führen. Ich kämpfe für die Arbeitnehmerrechte, für Geringverdiener, für Bildungsoffensive. Ich werde nicht kämpfen, dass wir hier die Promis noch reicher machen. Ich sage noch mal: die Manager, die die Automobilfirmen führen, haben Millionen in den letzten Jahren verdient, haben Milliarden Gewinne gemacht. Ich verstehe überhaupt nicht, warum die jetzt ein Konjunkturprogramm brauchen.

Meurer: Sie glauben nicht, dass das jetzt alles Wahlkampf-Show ist, was wir in diesen zwei Tagen erleben?

Hück: Bei den Politikern glaube ich schon. Der Koch ist gleich nach vorne gestürmt und wollte allen helfen. Jetzt habe ich gestern wieder gehört, er denkt wieder nach, ob es Sinn macht. Also Sie sehen: die Politiker, die im Wahlkampf sind, die sind meiner Ansicht nach sehr gefährlich.

Meurer: Aber dann zählen Sie Herrn Steinmeier auch dazu, für den Sie Wahlkampf machen wollen?

Hück: Nein, nein. Der ist ruhiger. Der hat bis jetzt noch gar nichts zu dem Thema gesagt. Der hat uns einfach eingeladen. Wir sind da, wir werden beraten und Sie haben auch gesehen: unser Kollege der SPD hat nicht Ratschläge gegeben, sondern er denkt erst mal nach.

Meurer: Uwe Hück, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Porsche, bei uns im Deutschlandfunk. Herr Hück, schönen Dank und auf Wiederhören.

Hück: Danke. Tschüß!

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