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"Ich sitze nicht gerne zu Hause herum und drehe Däumchen"

Gitarrist Zakk Wylde im Corso-Gespräch

Zakk Wylde im Gespräch mit Stefanie Christensen

Zakk Wylde liebt sowohl die Studioarbeit als auch das Touren.
Zakk Wylde liebt sowohl die Studioarbeit als auch das Touren. (Foto: Jan-Martin Altgeld)

Zakk Wylde war seit 1987 Gitarrist von Heavy-Metal-Ikone Ozzy Osbourne. Vor drei Jahren war Schluss und Zakk Wylde wurde gefeuert. Nach der Trennung bleiben die beiden weiterhin miteinander freundschaftlich verbunden. Zakk kann sich seitdem wieder seiner Band Black Lable Society widmen.

Stefanie Christensen: Mr. Wylde, sie werden gerne mal als Gitarrenheld bezeichnet, etwa in der Art eines Carlos Santana oder eines Richie Blackmore. Was genau macht ihren eigenen Gitarrenstil aus?

Zakk Wylde: Nun, ich überlasse es anderen Leuten oder Gitarristen, meinen Stil zu beurteilen. Aber da wären natürlich die "Pinched Harmonics", die erzwungenen Obertöne zu nennen. Als ich damals bei Ozzy eingestiegen bin, meinte er zu mir: "Zakk, das wird dein Markenzeichen werden!" In den 80er spielten fast alle Gitarristen Tapping oder Double-Tapping wie Eddie Van Halen. Und Yngwie Malmsteen war überlebensgroß. Ich liebe sein Gitarrenspiel immer noch. Allerdings hat er so viele Gitarrentechniken geprägt, dass man heutzutage keine Moll-Tonleitern oder schnelle Triolen spielen kann, ohne sofort an Yngwie zu denken. Daher vermeide ich es, so zu spielen. Stattdessen habe ich mir damals gesagt: Ich spiele meine Sachen einfach extrem schnell und halte mich an pentatonische Tonleitern. Das bleibt übrig, wenn man alles andere weglässt. Das war mein Stil, als ich damals bei Ozzy einstieg, und ist es heute immer noch. Ich höre immer noch eine Menge alter Gitarrenhelden und bin immer noch ein großer Fan von ihnen. Aber wie ich schon sagte, am Ende bleibt es den Leuten überlassen, mich zu beurteilen.

Christensen: Die meisten kennen Sie als ehemaligen Gitarristen von Ozzy Osbourne. Für den haben sie 23 Jahre lang gearbeitet, 2009 kam es dann zur Trennung zwischen Ihnen beiden. Was ist damals passiert?

Wylde: Oh, nichts. Ozzy wollte nur mit ein paar neuen Leuten zusammenspielen. Sein Schlagzeuger Mike Bordin ging zurück zu Faith No More. Und dann meinte Oz zu mir: "Zakk, du hast jetzt Black Label Society. Und ich möchte nicht als Leadsänger in deiner Band enden!" Er hatte damals den Gesang auf einem meiner Black Label Society-Songs übernommen. Aber es gab keinen Streit. Ozzy hätte mich anrufen und sagen können: "Zakk, wenn du nachher rüberkommst, bringst du noch Eier und Milch mit?" Oder: "Zakk, ich mache jetzt wieder diese Black Sabbath-Geschichte!" Ozzy weiß, dass ich immer für ihn da bin, wenn er mich braucht.

Christensen: Aber auf der gleichen Bühne wie ihr Nachfolger Gus G. zu stehen - ist das nicht ein merkwürdiges Gefühl?

Wylde: Nein, überhaupt nicht. Das ist keine große Sache. Das letzte Mal, als ich ihn sah, spielte er die Songs, die ich vorher mit Ozzy gespielt habe. Ich sagte zu ihm: "Das hört sich echt super an!", und er hat sich bedankt. Er hat alle Soli gemeistert, er ist ein Killer-Gitarrist und ein netter Typ. Ich sehe ihn als Freund. Gus ist cool!

Christensen: Sie können sich stärker auf Black Label Society konzentrieren. Fühlt es sich besser an, mehr Zeit für ihre Hauptband zu haben, auch um Songs zu schreiben?

Wylde: Nein, es geht ja immer um Musik. Aber es gibt definitiv einen Unterschied, ob man jetzt bei jemand anders spielt oder seine eigene Band hat. Mit Ozzy ist es so, als ob man bei Mama und Papa zu Hause wohnt. Man muss sich nicht um die Rechnungen kümmern, man bringt nur ab und zu den Müll runter. Black Label Society ist wie eine eigene Wohnung: du musst die Miete, die Rechnungen und den Elektriker zahlen. Man hat einfach mehr Verantwortung. Aber was Ozzy und das Songwriting für ihn betrifft: Ich hatte alle Freiheit, die ich mir wünschen konnte. Aber ich war nicht beteiligt an der Produktion und der Abmischung, am Albumdesign oder den Fanartikeln. Bei Black Label Society muss ich das alles machen. Und ich liebe es! Ich sitze nicht gerne zu Hause herum und drehe Däumchen. Manche Leute sagen: "Ooh, du spielst ja nicht mehr bei Ozzy...!" Da kann ich nur sagen: "Du, ich mache Black Label Society jetzt seit 14 Jahren. Es ist nicht so, daß Ozzy mich arbeitslos gemacht hätte"

Christensen: Aber sie treten nicht mehr in den ganz großen Arenen auf. Vermissen Sie das manchmal oder mögen Sie den etwas intimeren Rahmen in kleineren Klubs?

Wylde: Nein! Ich habe auch mit Ozzy kleinere Konzerte gespielt. Wenn man sich auf eine Tour vorbereitet, spielt man vorweg ein paar Mal in kleineren Klubs und dann erst die großen Arenen. Aber Spaß macht es immer. Wenn man auf der Bühne steht, tut man das, was man liebt. Auch wenn ich in einem kleinen Radiostudio vor 20 Lauten spiele, habe ich Spaß an der Sache. Und das würde jeder Musiker bestätigen. Ob Elton John im Wembley Stadion auftritt oder vor 500 Leuten alleine am Klavier sitzt - es macht ihm Spaß. Weil er spielen kann. Nein, ich liebe alles daran!

Christensen: Viele Musiker verlieren dieses Feuer ja nach einigen Jahrzehnten. Sie stehen selbst auch schon seit 25 Jahren auf der Bühne. Fühlt sich das immer noch genauso an wie früher?

Wylde: Ich weiß nicht. Wir haben uns neulich mal in der Band darüber unterhalten. Ich kenne viele Freunde und Musiker, die manchmal keine Lust mehr darauf haben, besonders, wenn sie gerade geheiratet haben. Dann kommt meistens: "Ich vermisse meine Familie, und dies und das!" Ich selbst habe drei Kinder. Zwei davon studieren und unser Sohn Hendrix ist jetzt neun Jahre alt. Wenn ich dann nach dem Sommer von der Tour nach Hause komme, erwarten wir unser viertes Kind. Es ist so, als ob du David Beckham vergötterst und als Kind schon Fußballer werden willst. Auf einmal spielst du bei Manchester United. Und dann sagst du: "Ich mag das nicht! Ich will nach Hause!" Nein - es ist, weil du das Touren nicht magst. Das ganze Jahr über bist man unterwegs und muss gegen andere Teams antreten. Das gehört aber dazu. Ich für meinen Teil liebe sowohl die Studioarbeit als auch das Touren.

Christensen: Über die Jahre hinweg haben Sie sich einen Ruf als "Bier-Vernichtungsmaschine" erworben. Wenn ich mich allerdings hier im Tourbus umschaue, sehe ich nur Antialkoholisches und frisches Obst. Haben Sie mit dem Trinken aufgehört?

Wylde: Ich habe seit drei Jahren keinen Alkohol mehr getrunken. Ich hatte Blutgerinnsel in den Beinen. Ich fragte den Arzt: "Doktor, all die ganzen Jahre, die ich getrunken habe - hat das etwas damit zu tun? Ich dachte immer, man müsste sehr alt sein, um Blutgerinnsel zu bekommen!?" Und er sagte: "Äh, Zakk, ich weiß nicht, wie ich dir das als Arzt sagen soll. Aber wenn das genetische Ursachen hat, könnte dir dein jahrelanges Trinken durch die blutverdünnende Wirkung das Leben gerettet haben!" Ich ging dann zu meiner Frau - Barbarann, meiner Aufseherin - und sagte zu ihr: "Siehst du - das Trinken ist doch für was gut!" Nun ja, sie konnte darüber nicht wirklich lachen.

Christensen: Es gab ein paar Irritationen, als Sie sich kürzlich in Interviews als "Soldat Christi" bezeichnet haben. Haben Sie erst jetzt Ihren Glauben gefunden oder waren Sie schon immer gläubig?

Wylde: Ich sagte nur: "Keiner hat mich je danach gefragt!" Und dann fragte dieser Typ: "Zakk, bist du religiös?" Und ich antwortete: "Ja, ich wurde katholisch erzogen! Wo ist das Problem? Ja, ich bin ein Soldat Christi! Was geht dich das an?" Er fing dann an zu kichern. So fing das an. Und wie ich da schon sagte: "Jesus war bei mir, als ich noch getrunken habe. Und jetzt wo ich nicht mehr trinke, ist er immer noch bei mir!"

Christensen: Also hat es die Leute vorher nur nicht interessiert, weil sie es nicht wussten? Viele Menschen denken ja, dass Metal und Christentum nicht zusammen passen.

Wylde: Wen interessiert's? Das ist mir völlig egal.

Christensen: Danke für das Interview, Mr. Wylde.

Wylde: Gern geschehen! Kein Problem!

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