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"Ich stehe seit heute Morgen offenbar unter Hausarrest"

26. November 1987: Der DDR-Schriftsteller und Bürgerrechtler Lutz Rathenow im Gespräch mit Heribert Schwan.

Rathenow: Ja, guten Tag. Ich verstehe Sie leider sehr schlecht, aber ich werde mich bemühen, alles zu sagen.

Schwan: Ja, wir verstehen Sie gut. Sie waren gestern Abend dabei, in der Zionskirche hatten Sie Glück, nicht verhaftet zu werden.

Rathenow: Ja, ich möchte erst mal sagen, es fällt mir schwer, mich ganz nüchtern zu äußern. Ich stehe seit heute Morgen offenbar unter Hausarrest, mehrere Wagen stehen vor meiner Tür. Ich meine, das ist eine seit Langem geplante, gut vorbereitete, schwerwiegende Aktion gegen kritische Leute aus künstlerischen Bereichen und aus politischen Kreisen. Das ist ja doch sehr getrennt in der Zwischenzeit hier.

Zum Beispiel: Zwei Stunden, bevor die Festnahme begann in der Umweltbibliothek, wurde mein Telefon abgeschaltet, blieb einen Tag abgeschaltet, deswegen kam am Montag ein Interview mit dem Deutschlandfunk nicht zustande. So was sind alles keine Zufälle und diese Mischung aus Verhaftung, Festnahmen, Hausarrest, Beschattung, Telefonabschaltung und anderen diffizilen Maßnahmen deutet fast auf einen generalstabsmäßig geplanten Angriff gegen emanzipatorische Bestrebungen in diesem Lande hier.

Sendezeichen aus 50 Jahren DLF
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