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Seit 07:15 Uhr Interview
StartseiteKalenderblattIdol der Revolution09.10.2007

Idol der Revolution

Vor 40 Jahren wurde Ernesto "Ché" Guevara erschossen

Sein Bild hing in den 70er und 80er Jahren in jeder linken Studenten-WG: Ché Guevara. Der gebürtige Argentinier kämpfte sein Leben lang gegen die Vorherrschaft der USA in Lateinamerika und wurde neben Fidel Castro zur zweiten Symbolfigur der kubanischen Revolution. Beim Versuch, den Guerillakampf auf andere Länder Südamerikas auszudehnen, wurde Ché Guevara am 9. Oktober 1967 im Alter von 39 Jahren in Bolivien erschossen.

Von Matthias Bertsch

Ernesto "Che" Guevara am Flughafen Havanna 12.6.1962 (AP Archiv)
Ernesto "Che" Guevara am Flughafen Havanna 12.6.1962 (AP Archiv)

"Weißt du nicht, wer der Tote ist, bolivianischer Soldat? Es ist Ché Guevara, der Argentinier und Kubaner."

Ernesto Guevara de la Serna wird am 14. Juni 1928 im argentinischen Rosario geboren. Nach seinem Medizin-Studium unternimmt Guevara ausgedehnte Reisen durch Südamerika, auf denen er mit der Armut der Landbevölkerung konfrontiert wird. In Guatemala erlebt er den von den USA und der United Fruit Company unterstützten Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten und dessen Landreform. Hier beginnt sein lebenslanger Kampf gegen die Dominanz der USA in Lateinamerika. Weil er Freunde immer mit "Che" - "he!" oder "hör mal!" - anspricht, wird er bald nur noch der "Ché" genannt.

Wenig später lernt Guevara in Mexiko den aus Kuba stammenden Fidel Castro kennen und unterstützt dessen Pläne, den kubanischen Diktator Batista zu stürzen. Am 2. Januar 1959 ziehen die Revolutionäre um Castro und Ché Guevara in Havanna ein. In einem Interview erklärt der inzwischen zum "commandante" aufgestiegene Ché die Ziele der kubanischen Revolution.

"Die unmittelbaren Aufgaben der Revolution sind die, die für die Massen die größte Bedeutung haben. Als Volksregierung werden wir auf die dringendsten Bedürfnisse der breiten Schichten eingehen, und diese Bedürfnisse haben direkt mit der Verteidigung unserer Souveränität und der Erhöhung unseres Lebensstandards zu tun. Wir werden vielfältige Handelsbeziehungen mit Ländern aufbauen, die nicht zum Umkreis der USA gehören. Außerdem werden wir Kontakt zu den Völkern aufbauen, die in Asien und Afrika um ihre Freiheit kämpfen und unsere unabhängige Position bei den Vereinten Nationen aufrechterhalten."

Ché Guevara wird Präsident der Nationalbank und später Industrieminister. Vor der UNO-Vollversammlung verurteilt er mit scharfen Worten Kolonialismus und Imperialismus. Doch seine Ideale von Gleichheit und Gerechtigkeit - Privilegien lehnt er aus Prinzip ab - geraten zunehmend in Konflikt mit der Realität in Kuba: die Führungsriege des Inselstaates orientiert sich immer mehr an der Sowjetunion. 1965 verlässt Ché Guevara Kuba, eine konsequente Entscheidung, so der Schriftsteller Daniel Chavarria.

"Ich denke, wenn der Ché in Kuba geblieben und seiner Persönlichkeit und seinen Prinzipien treu geblieben wäre, hätte es unweigerlich einen sehr gewaltsamen Zusammenstoß zwischen ihm und der Mehrheit der politischen Führung Kubas gegeben. Der Ché merkte, dass das Projekt der Revolution, von dem er geträumt hatte, zum Teufel ging, er merkte, dass die Dinge in eine andere Richtung liefen, und dass er nicht viel ausrichten konnte. Entweder er gab nach und akzeptierte Dinge, mit denen er nicht einverstanden war oder er verschwand. Und das tat er."

In einem Abschiedsbrief an seine Eltern schreibt Ché Guevara:

"Viele werden mich einen Abenteurer nennen, und ich bin auch einer; nur von der besonderen Art, einer von denen, die ihre Haut hinhalten, um ihre Wahrheiten zu beweisen."

Es war dieses unbedingte Eintreten für seine Ideale, das Ché Guevara schon damals zu einer Ikone der Revolutionsromantik machte. Manche nannten ihn schlicht "Christus mit Knarre". Befördert wurde der Kult durch ein Foto des kubanischen Fotografen Alberto Korda: der Ché, mit festem Blick, auf dem Kopf die Baskenmütze mit fünfzackigem Stern. In den 70er Jahren hing der Ché in jeder Studenten-WG, heute bedienen sich Popkultur und Reklame des Bildes.

Eine Entpolitisierung seiner Person, die Ché Guevara zurückgewiesen hätte. Für ihn blieb die Revolution das Ziel, für das er nach dem Verlassen Kubas zunächst im Kongo kämpfte. Enttäuscht über die dortigen Rebellenführer kehrt er nach Kuba zurück und plant den Aufbau einer Guerilla in Bolivien. Von dort soll die Revolution auf ganz Lateinamerika übergreifen. Doch der Plan schlägt fehl, der Commandante wird von der bolivianischen Armee aufgespürt und Anfang Oktober 1967 gefangen genommen. Am 9. Oktober wird Ché Guevara ohne Gerichtsurteil erschossen. Das hat ihn endgültig zum Märtyrer gemacht.

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