Sonntag, 21.01.2018
StartseiteInformationen am MorgenVor der dritten Verhandlungsrunde11.01.2018

IG MetallVor der dritten Verhandlungsrunde

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hofft auf einen schnellen Beginn der Tarifverhandlungen ohne weitere Warnstreiks. Er rechnet damit, dass Gewerkschaft und Arbeitgebern allein beim Thema Arbeitszeiten wochenlange Gespräche bevorstehen.

Von Brigitte Scholtes

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Warnstreik der IG Metall: Auf einem Transparent steht die Forderung nach 6 % mehr Geld. (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)
In NRW gab es bereits Warnstreiks der Metaller (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)
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"Wir brauchen die sechs Prozent - sonst geht gar nichts!"

 Die IG Metall hat in dieser Woche ordentlich Druck gemacht mit ihren Warnstreiks wie hier bei Porsche in Stuttgart. Die Gewerkschaft fordert zum einen sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, andererseits aber auch individuell befristete Arbeitszeitverkürzungen mit teilweisem Lohnausgleich. Seit Beginn dieser Woche sind 160.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie auf die Straße gegangen, gestern mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen. Heute nun geht es also in Baden-Württemberg in die dritte Verhandlungsrunde. Und nun müsse man endlich auch inhaltlich reden, meint IG-Metall-Chef Jörg Hofmann:

"Jetzt muss endlich mal ein bisschen Schwung rein in die Veranstaltung. Wir können noch ein paar Wochen lang beharren und auf der Gegenseite weiter eskalieren, aber ohne dass man konkret am Verhandlungstisch sich einlässt und an den Themen arbeitet, wird ein Fortschritt nicht möglich sein. Die Verweigerungshaltung zur Arbeit aufzugeben und uns da mit Vetos zu begegnen, ist keine Form Tarifverhandlungen zu führen. Wir kommen alle immer zweimal durch die gleiche Tür, deswegen gilt es jetzt auch mal da in die Gänge zu kommen und vielleicht weniger in der Öffentlichkeit martialisch aufzutreten , sondern konkret an Themen zu arbeiten."

Arbeitgeber halten Lohnzuschüsse für Schichtarbeiter für rechtswidrig

Die Arbeitgeber hatten bisher nur eine Entgelterhöhung von zwei Prozent und eine Einmalzahlungen angeboten, bisher zeigen sie sich aber nicht verhandlungsbereit, was die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung für Mitarbeiter angeht, die vorübergehend aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten möchten wie etwa Schichtarbeiter, oder die das wegen Kinderbetreuung oder Pflege von Familienangehörigen tun wollen. Dies Lohnzuschüsse für Schichtarbeiter halten sie sogar für rechtswidrig.Deshalb wünscht sich der IG Metall-Chef maßvolleres Auftreten:

"Man muss immer schauen auf beiden Seiten, wie weit treibe ich sozusagen meine Seite in Positionen rein, wo es hinterher schwer ist, sie zurückzuholen, und da würde ich gerade die Arbeitgeberverbände ermahnen, gerade an der Stelle etwas vorsichtiger umzugehen. Denn sie werden wie wir auch gemessen an dem, was wir aussagen."

Gewerkschaftschef rechnet mit wochenlangen Gesprächen

Hofmann rechnet zwar heute nicht mit einem Signal, aber mit dem Willen der Arbeitgeber, einen Fahrplan und Arbeitsstrukturen festzulegen. Denn gerade das Thema Arbeitszeit könne man nicht über Nacht regeln, glaubt der verhandlungserfahrene Gewerkschaftschef, da seien wahrscheinlich wochenlang intensive Gespräche zu führen, um das allein technisch zu regeln. Doch noch gehen die Warnstreiks der IG Metall weiter - bis zum Monatsende. Und was dann? Hofmann skizziert deren Möglichkeiten:

"Die eine ist - was ich hoffe - wir können die Verhandlungen ohne weitere Eskalation zum Ergebnis führen, die zweite, wir haben ein neues Mittel der Arbeitsauseinandersetzung mit 24 -Stunden-Warnstreiks. Das wäre eine weitere Option. Das hätte die Folge, dass wir in allen Regionen nochmal eskalieren. Oder wir entscheiden uns in einer Region, in die Urabstimmung, in den Flächenstreik zu gehen. Das werden wir dann Ende Januar zu entscheiden haben, und ich hoffe, dass wir bis dahin zumindest mehr auf dem Tisch haben wie heute."

Einen Flächenstreik wünsche er sich nicht, versichert Hofmann:

"Ich bin da noch ganz friedfertig unterwegs, natürlich mit dem notwendigen Druck im Hintergrund. Aber den brauchen wir, aber mit dem klaren Ziel, dass Tarifpolitik sich am Verhandlungstisch entscheidet."

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