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StartseiteCampus & KarriereIm Aufstand19.12.2007

Im Aufstand

Bremer Studierende wehren sich gegen Sparpläne

Seit zwei Tagen besetzt eine Truppe von Studierenden der Universität Bremen das Verwaltungsgebäude. Die Mitarbeiter haben freibekommen, denn niemand kommt derzeit an seinen Arbeitsplatz.

Von Christina Selzer

Das Bremer Wahrzeichen Roland steht vor dem Rathaus der Hansestadt. (AP)
Das Bremer Wahrzeichen Roland steht vor dem Rathaus der Hansestadt. (AP)

Alles dicht. Steffen, Lehramtstudent ist ganz zufrieden mit diesem ersten Ergebnis:

"Wir sind mit 40 Leuten reingekommen, über Nacht weniger gewesen, aber immer in der Stärke gewesen, Verwaltungsbereich liegt lahm. "

Noch ist nicht klar, wie viele Tage die Blockade noch dauern soll. Erste Ermüdungserscheinungen machen sich aber schon bemerkbar. Steffen ist noch kämpferisch. Sein Uni-Leben hat er sich anders vorgestellt, von seiner Utopie einer unabhängigen Wissenschaft sieht er aufgrund der Sparmaßnahmen nicht mehr viel.

"Das ist nicht die Uni, wo ich studieren wollte, ich dacht immer, eine Uni, da kann ich mich entfalten, aber das ist nicht mehr so. Sparzwang, "

Steffen und seine Kommilitonen protestieren gegen die Umsetzung des sogenannten "Hochschulentwicklungsplans Fünf’, kurz HEP V. Mit diesem Plan will das Rektorat die Vorgaben des rot-grünen Senats umsetzen, die massive Kürzungen für die Uni vorsehen. Das sei nicht akzeptabel für die Studierenden, sagt Paul Hecker vom ASTA:

"Fordern es zum Rücktritt, vom Kürzungsplan distanziert, gegen die Landespolitik zu stellen, "

Konkret bedeutet der Hochschulentwicklungsplan: Die Hochschulen in Bremen sollen bis zum Jahr 2010 eine Summe von 100 Millionen Euro einsparen. Die Universität soll mit 25 Prozent weniger auskommen. Von den 314 Professuren werden dann nur noch 240 übrig bleiben. 25 % weniger finanzielle Mittel bedeutet auch 25 % weniger Lehre, was dazu führen wird, dass es 4000 Studienplätze weniger geben wird, das befürchten die Studierenden. Sie halten das für ein Desaster. Besonders ärgerlich sei, dass noch vor der Bürgerschaftswahl das gesamte Rektorat Seite an Seite mit den Studierenden gegen den Kürzungsplan auf die Straße gegangen sei. Wortbruch sei das. Die Konrektorin für Lehre, verweist auf die politischen und finanziellen Realitäten, denen man sich nun einmal stellen müsse.

"ir haben protestiert, das war eine tolle Sache, wir haben mit der neuen Landesregierung verhandelt, sie hat positive Zugeständnisse gemacht, aber nicht was wir wollten, die Kritik daran bleibt bestehen. Dass es sich mit der Realität befasst. Wir brauchen eine öffentliche Debatte."

Die Studentenvertreter halten das für eine Farce. Statt sich vor die Studenten zu stellen und gegen die Kürzungen zu kämpfen, sei der Rektor schon dabei, den Hochschulentwicklungsplan 5 durch die Hintertür umzusetzen, obwohl der noch gar nicht vom Akademischen Senat beschlossen sei. Die Schließung der Studiengänge Behindertenpädagogik und Sport steht kurz bevor. Große Teil der Chemie, Psychologie, Erziehungswissenschaften werden zusammengekürzt. Alles richtig, sagt Konrektorin Helbrceht. Aber es wird bei allen Fachbereichen gekürzt, und dabei geraten die kleinen, die ohnehin schon wenige Professoren haben, in Existenznot.

"HEP 5 ist einer der vielen FB eine Kürzung zumuten, wir haben nur zwei Bereiche geschont, Geo und Politik, die durch die Exzellenzin. Viel Geld an die Uni geholt haben, "

Paul Hecker vom ASTA kann das Argument nicht nachvollziehen, denn die Kriterien für Exzellenz seien unwissenschaftlich und dienten einer reinen Standortsicherung. Deshalb will der Asta weiterkämpfen und versuchen, zu verhindern, dass der Hochschuleentwicklungsplan beschlossen wird. Auch denn es nur wenige Studierende sind, die dafür auf die Straße gehen.

"Die Studenten sind unpolitisch geworden, aber es war es läuft lange, die Vorlagen werden seit 1,5 Jahren, diskutiert, es ist schwer, die Leute zu mobilisieren, sie sind müde geworden. "

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