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StartseiteCampus & Karriere"Hier steht ein Lehrer vor 170 Schülern"02.12.2017

Im Flüchtlingslager Kakuma"Hier steht ein Lehrer vor 170 Schülern"

Ein Schulbuch für zehn Kinder, kein Platz für Tische und Stühle sowie Unterricht in Morgen- und Nachmittagsschichten: So sieht Schule im Grenzgebiet zwischen Süd-Sudan, Uganda und Kenia aus. In einem mit 200.000 Menschen völlig überfüllten Flüchtlingsunterkunft.

Von Kai Rüsberg

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Grundschulkinder in Kakuma vor ihrer aus Wellblech gebauten Schule. (Deutschlandradio / Kai Rüsberg)
Nach dem Unterricht: Die Grundschulkinder in Kakuma (Deutschlandradio / Kai Rüsberg)
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"Keine Gewalt ist R/recht", steht draußen an der Schulwand im Lager Kakuma. Drinnen ein Raum mit 40 Quadratmetern Fläche. Es ist eine Grundschulklasse. Die Wände und das Dach sind aus Wellblech, die Fenster aus einem groben Drahtgitter. Alle Schüler sitzen oder knien auf dem Boden. In dem völlig überfüllten Raum gibt es nur eine Tafel und ein Pult für den Lehrer, damit genügend Platz bleibt für die Kinder, erklärt Schulleiterin Maureen Ogutu.

"In dieser Klasse sind 170 Schüler, idealerweise sollten es nur 50 sein. Wenn wir Tische und Stühle hätten, müssten wir Kinder vom Unterricht fernhalten, weil sie erst recht nicht in den Raum passen würden. Eine Klasse wie diese müsste eigentlich drei Lehrer haben, aber weil das Fördergeld nicht reicht, steht hier nur ein Lehrer vor 170 Schülern."

Ein Klassenraum voller Grundschulkinder, ohne Tische und Stühle (Deutschlandradio / Kai Rüsberg)Für Tische und Stühle wäre in dieser Klasse kein Platz (Deutschlandradio / Kai Rüsberg)

Der Unterricht beginnt eine Stunde nach dem Morgengrauen, damit die Schüler und Schülerin­nen im Tageslicht zur Schule kommen können. Diese Klasse hat um 12 Uhr Schulschluss:

"Das hier ist die Morgenschicht. Noch eine solche Klasse mit mehr als 170 Kindern kommt am Nachmittag."

Zehn Schüler, ein Schulbuch

Der lutherische Weltbund, Betreiber der Schule, will nun die Ausbildung beschleunigen, damit mehr Schüler teilnehmen können. Doch es fehlt das Geld für die nötigsten Unterrichtsmaterialien. Im Englischunterricht sind heute Singular und Plural dran. Der Lehrer schreibt Beispiele an die Tafel und die Kinder wiederholen im Chor. Anders sei hier kein Unterricht möglich.

"Zehn Schüler teilen sich ein Schulbuch. Wie soll das funktionieren?"

Schlangen vor der Essensausgabe der Grundschule in Kakuma (Deutschlandradio / Kai Rüsberg)Schlange stehen bei der Essensausgabe (Deutschlandradio / Kai Rüsberg)

Gegenüber, auf der anderen Seite des sandigen Schulhofs, sind die Klassen der älteren Schüler. Hier gibt es Tische und Stühle. Vier bis fünf Schüler sitzen gedrängt auf einer Schulbank. Im Matheunterricht geht es um die Umrechnung von Maßen, Gewichten und Preisen. An die abgewetzte Tafel schreibt Lehrer Ramadan Salin eine Tabelle mit vielen Zahlen aus dem Lehr­buch ab. Denn es gibt nur genau 5 Lehrbücher für 116 Schüler in der Klasse.

"Wenn man alles auf die Tafel geschrieben hat, stellt man fest, dass die Schüler auf der anderen Seite des Raums nichts lesen können und muss alles noch mal auf die andere Tafel schreiben. Das dauert dann 20 Minuten. Da bleibt kaum Zeit für den Unterricht."

Gefahr bei Sonnenuntergang

Besonders für die älteren Schüler, die vor ihrer Abschlussprüfung stehen, sind das schlechte Lernbedingungen. Zwar gibt es nach der Schule zusätzliche Vorbereitungskurse, an denen kön­nen aber die Mädchen nicht teilnehmen. Denn ab sechs Uhr wird es dunkel und dann droht Ge­fahr, berichtet die 15-jährige Dhingjing Ramba.

Ein Kind läuft vor einem Zaun der Flüchtlingsunterkunft. (Deutschlandradio / Kai Rüsberg)Nach Sonnenuntergang ist es hier für viele Schüler gefährlich (Deutschlandradio / Kai Rüsberg)

"Wir gehen nachts nicht raus. Die Polizei sagt uns dann, bleibt zu Hause, Eure Familien wissen ja nicht, wo ihr seid."

Im Flüchtlingslager Kakuma gibt es 26 Grundschulen und nur fünf weiter führende Schulen.Es reicht für eine Mindestbildung, aber insbesondere junge Frauen haben es schwer einen Bildungsstand zu erreichen, der sie für gute Jobs qualifiziert. Und von den Männern möchte viele gerne das Flüchtlingslager nach der Schule verlassen. Nicht wenige in Richtung Europa.

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