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Im Londoner Marquee-Club fiel das Jazz-Monopol

Die Rolling Stones geben vor 50 Jahren ihr erstes Konzert

Von Karl Lippegaus

Die Rolling Stones in alter Besetzung (v.l.n.r. Charlie Watts, Bill Wyman, Keith Richards, Brian Jones) 1967 bei ihrer Ankunft in New York
Die Rolling Stones in alter Besetzung (v.l.n.r. Charlie Watts, Bill Wyman, Keith Richards, Brian Jones) 1967 bei ihrer Ankunft in New York (AP Archiv)

Für Rolling-Stones-Fans ist der 12. Juli 1962 der Stichtag der einmaligen Bandgeschichte. Denn an jenem Tag begann der weltweite Triumphzug der Formation, die ursprünglich als Pausenfüller für Auftritte von Dixielandgrößen wie Chris Barber und Mister Acker Bilk herhalten musste und sehr rasch einen revolutionären neuen Trend in der Popmusik auslöste.

"Was die Stones betrifft: Wir haben eine Menge Geld damit gemacht, dass wir einfach unser Hobby ausgeübt haben."

So Keith Richards rückblickend über die Band, die er mit dem Sänger Mick Jagger aus der Taufe hob. Wie es überhaupt zur Gründung der Rolling Stones kam, ist eine etwas verwickelte Geschichte. Bevor es den Gruppennamen gab, zupfte Dick Taylor kurz die Bassgitarre und erzählt:

"Wir probten und Keith kriegte Wind davon; offenbar war er zu schüchtern, um zu fragen, ob er mitmachen könne. Dann begegneten sich Mick und Keith auf dem Bahnhof daheim in Dartford und einer von ihnen trug eine Chuck-Berry-Platte unterm Arm. Man sah sich wieder und in dem Moment funkte es und wir luden Keith ein, mitzumachen."

Ein Freund hatte einen Verstärker, an den sie drei Gitarren anschlossen. Mit Mick Jaggers Grundig-Tonbandgerät nahmen sie das erste Tape auf. In seiner Autobiografie "Life" schreibt Keith Richards:

"Mick und ich nahmen anfangs eine Jimmy-Reed-Single und ich lernte den Gitarrenpart und er den Text. Es machte Spaß. Wir wussten, dass wir in einem Lernprozess steckten, und das war, was wir wirklich lernen wollten und es war zehn Mal besser als die Schule."

Ein Jahr lang klapperten sie als Sammler die Plattenläden in London ab. Mick Jagger hatte Kontakte in die USA und bestellte dort seine LPs direkt bei Chess Records in Chicago. Einmal fuhr Mick mit Keith rauf nach Manchester, um ihr Idol Muddy Waters zu sehen; der wurde ausgebuht, als er eine elektrische Gitarre spielte. Die Bluespuristen waren seltsame, konservative Leute. Für Keith und Mick war der Abend jedoch eine Offenbarung, erzählt Keith Richards.

"Wir hatten einen total identischen Musikgeschmack. Wir brauchten das nie zu erklären. Wir hörten eine Platte, schauten uns nur an und fanden: Das ist falsch. Das ist geschummelt. Das ist echt."

"Alexis Korner trat samstagabends im Ealing Jazz Club auf und wir quetschten uns alle in den Wagen von Micks Vater und fuhren ein paar Mal hin. Wir sahen uns das an und waren echt beeindruckt. Und mit der Rotznäsigkeit der Jugend fanden wir: 'Ach, das können wir auch, wir könnten auch da oben stehen."

Für Keith Richards war klar, welche Richtung sie einschlagen sollten:

"Entweder du standst auf Blues und Jazz oder auf Rock'n‘Roll, aber Rock'n‘Roll war tot und hatte sich in Pop verwandelt. Rhythm'n‘Blues war unser Ding. Das durchbrach die Barrieren."

Die ersten Proben der Stones fanden in einem schäbigen Pub in Soho im Mai 1962 statt. Über dem Schankraum spielte ein Kerl in Tiroler Lederhosen am Klavier Boogie Woogie, der Schotte Ian Stewart. Der hatte Mick Jagger als Sänger eingeladen und Mick erklärte:

"Ich komme nur, wenn auch Keith kommt."

Keith stöpselte seine Gitarre ein und spielte ein Thema von Chuck Berry.

"Niemand wird Musiker mit dem Vorsatz, Geld zu machen. Man lernt kein Instrument mit dieser Idee im Kopf. Man macht das, weil man es einfach will. Das ist der einzige Antrieb fürs Ganze. Man denkt nicht über Geld nach. Wenn man anfängt, weiß man nicht mal, was man tut."

Der alte Marquee-Club, der 600 Plätze fasste, lag in der Oxford Street. In Klubs wie diesem starteten die Rolling Stones vor 50 Jahren, am 12. Juli 62, ihre Attacke gegen den traditionellen Jazz. Am 12. Juli 1962 schlug ihre Geburtsstunde. Ian Stewart sorgte dafür, dass die Stones in den Pausen zwischen den Jazzbands spielen konnten.

"Plötzlich wurde die Pause interessanter als der Haupt-Event. Fünfzehn Minuten. Und nach ein paar Monaten war das Jazz-Monopol weg vom Fenster. Man hegte bitteren Hass auf uns."

Mick Jagger sagt heute:

"Einerseits ist es jetzt leichter, weil es besser organisiert ist, aber auch anstrengender, denn als ich zwanzig war, spielten wir nur zwanzig Minuten und jetzt zweieinhalb Stunden. Natürlich muss man dafür gut in Form sein, während einem das egal war, als man zwanzig war. "

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