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StartseiteHintergrundIm Namen des Profits04.11.2010

Im Namen des Profits

Frankreichs atomare Interessen und die politische Instabilität in Niger

Frankreich, das auf die Kernkraft setzt, bezieht 40 Prozent seines Urans aus Niger. Den staatlichen französischen Nuklearkonzern AREVA stört offensichtlich weder die angespannte Gesamtsituation in dem Sahelstaat noch die Tatsache, dass unzählige Minenarbeiter reihenweise erkranken.

Von Bettina Rühl

Auch Deutschland bezieht Uran aus Niger, und zwar indirekt über Frankreich.  (Stock.XCHNG)
Auch Deutschland bezieht Uran aus Niger, und zwar indirekt über Frankreich. (Stock.XCHNG)

Ein Haus in Arlit, einer Bergbaustadt im Norden von Niger. Der Ventilator eiert vor sich hin, es ist Vormittag und trotzdem schon heiß: Arlit ist eine Siedlung in der Sahara. Junge Männer sitzen oder liegen auf den Matratzen auf dem Boden. Sie spielen auf einer Gitarre, reden und rauchen – eine Stimmung wie in einer europäischen WG der 70er-Jahre. Die meisten in der Runde sind arbeitslos. Der 25-jährige Mohammed Kauza gehört zu den wenigen, die einen Job haben.

"Ich arbeite in der Uranmine und fahre eine Planierraupe. Das mache ich seit zwei Jahren. Ich mag meinen Job; mein Vater war auch schon Fahrer in der Mine."

Die Tagebaumine ist ein gigantisches Loch in der Erde: Bis zu 80 Meter tief haben sich die Menschen in die Tiefe gesprengt, um an die uranhaltigen Schichten zu kommen. Staubwolken steigen auf: nach jeder Sprengung und jedes Mal, wenn ein Bagger seine Schaufel über einem der riesigen Lkw entlädt. Betrieben wird die Mine seit rund 40 Jahren von einer Tochterfirma des staatlichen französischen Nuklearkonzerns, der früher Cogema hieß und heute AREVA heißt. Der Staat Niger hält an der Firma knapp 40 Prozent der Anteile.

Ein paar Kilometer entfernt wird auch unter der Erde Uran abgebaut. In den beiden Minen zusammen wurden im vergangenen Jahr 3200 Tonnen Uran gefördert.

Für Frankreich ist Niger von zentraler Bedeutung. Frankreich, das auf die Kernkraft setzt, bezieht 40 Prozent seines Urans aus dem Sahelstaat. Der staatliche französische Nuklearkonzern AREVA will noch einige Zeit in Niger bleiben, sagt Olivier Muller. Er ist Geschäftsführer von "AREVA Niger".

"Die Vorkommen in den beiden bestehenden Minen Somair und Cominak reichen garantiert noch für weitere 15 Jahre. Hinzu kommt die neue Mine, die wir etwas südlich davon in Imouraren eröffnen werden. Die dortigen Vorkommen werden voraussichtlich für 35 Jahre reichen. Und diese Prognose beruht nur auf den Lagerstätten, von denen wir schon wissen oder deren Entdeckung extrem wahrscheinlich ist. Voraussichtlich werden wir oder andere Unternehmen darüber hinaus noch weitere Vorkommen entdecken. Der Uranabbau in Niger wird also noch sehr lange weitergehen."

Der französische Staatskonzern AREVA und die französische Regierung haben also in Niger große Pläne. Dabei ist der Sahelraum schon seit einigen Jahren von politischer Instabilität geprägt. Erst im Oktober 2009 wurde die jüngste Rebellion der Tuareg beendet.

Weit bedrohlicher aber ist die Präsenz der Gruppe " Al Qaida im Islamischen Maghreb". Ihre Aktivitäten haben in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Immer häufiger werden Ausländer entführt. Der jüngste Fall trifft AREVA hart: In der Nacht auf den 16. September wurden in Arlit ein Mitarbeiter des Unternehmens, dessen Ehefrau und fünf Angestellte eines Subunternehmens entführt. Der Sicherheitsbeauftragte von AREVA in der Region ist der Franzose Benoît de Rambures. Noch im April hatte er die Sicherheitslage völlig anders eingeschätzt:

"Die Armee von Niger hat den Norden des Landes völlig unter Kontrolle. Und nördlich davon kontrolliert Algerien. Die Armee unseres Nachbarlandes geht dabei sehr konsequent vor. Im Norden von Niger ist die Militärpräsenz ausgesprochen stark. Das ist eine Folge des Tuareg-Aufstandes: Die Truppen, die hier zusätzlich zusammengezogen worden waren, sind noch immer vor Ort. Wir befinden uns also in einem sehr gut gesicherten Gebiet."

Die Einschätzung des Sicherheitsbeauftragten von AREVA dürfte sich nach der jüngsten Entführung gründlich geändert haben. Der Konzern wird dabei sein, sein Sicherheitskonzept zu überarbeiten. Denn: Auf die Pläne in Niger wird Frankreich nicht verzichten können. Zu sehr ist seine Energiepolitik abhängig vom Nachschub aus dem Sahelland.

AREVA wird im Jahr 2013 in einer weiteren Mine Nigers Uran fördern. Sie wird zu den größten weltweit gehören: 5000 Tonnen Uran sollen dort jährlich ausgebeutet werden. Viel mehr, als derzeit in den beiden bereits bestehenden Minen zusammen. Insgesamt will Niger seine Förderleistung in den kommenden Jahren auf jährlich 10.500 Tonnen erhöhen. Der Wüstenstaat würde damit der größte oder zweitgrößte Exporteur der Welt. Olivier Muller, Geschäftsführer von "AREVA Niger", weiß, warum sein Land so erpicht darauf ist, in Niger aktiv zu sein:

"Ohne Frage wird die Nachfrage nach allen Rohstoffen und damit auch nach Uran noch sehr lange anhalten. Weil die Nuklearenergie eine CO²-neutrale Energie ist, wird deren Bedeutung jetzt erst in vollem Umfang erkannt. Uran wird man also noch sehr lange brauchen und der Preis dafür wird steigen. Dann werden auch Vorkommen gefördert werden, die jetzt schon bekannt sind, deren Förderung sich aber noch nicht gerechnet hat. Ich denke deshalb, dass Niger in dieser Hinsicht eine brillante Zukunft hat."

Auch Deutschland bezieht Uran aus Niger, und zwar indirekt über Frankreich, denn dort kaufte Deutschland im vergangenen Jahr knapp die Hälfte des benötigten Brennstoffs. Der Bedarf könnte steigen, denn die Atomkraft erlebt in vielen Ländern eine Renaissance, auch in Deutschland sind die Weichen mit der Verlängerung der Laufzeiten neu gestellt worden. Die Argumente für die Kernenergie: die Wirtschaftlichkeit der bereits abgeschriebenen Anlagen, und die vermeintliche Klimafreundlichkeit, von der auch der Geschäftsführer von "AREVA Niger" spricht.

Die Kernkraft als klimaneutral zu beschreiben, wäre jedoch nicht zutreffend. Beispiel Niger: Dort kommt der Strom für den Uranabbau und die angegliederten chemischen Fabriken aus einem Kohlekraftwerk knapp 200 Kilometer südlich von Arlit. In der gesamten Herstellungskette fällt damit Kohlendioxid an: Beim Abbau in der Uranmine, bei der Anreicherung und bei der Brennstoffproduktion.

Bis 1968 war Arlit nur ein Haltepunkt der Tuareg-Nomaden, die in dieser Gegend lebten. Dann begann der Abbau von Uran. In der Nähe der beiden heute bestehenden Uranminen wuchsen die Städte Arlit und Akokan. Heute leben dort mehr als 80.000 Menschen. Viele Bewohner der Region sind wegen des Uranabbaus besorgt. Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung seien erheblich, sagt Angelika Claußen. Die Ärztin ist Vorsitzende der Organisation der "Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges”. Sie zählt eine Reihe von Krankheiten auf, die durch radioaktive Belastung infolge des Uranabbaus ausgelöst würden:

"Das sind überwiegend bei erwachsenen Menschen Krebserkrankungen, Lungenkrebserkrankungen, es können auch andere Krebsarten entstehen, dann gibt es eine toxische Wirkung durch den Uranstaub auch selbst. Wenn es hoch dosiert ist, kann es schwere Nierenschäden erzeugen, es kann die Niere auch vollständig kaputt machen, und wenn der Staub von Müttern, die in der Gegend wohnen, aufgenommen wird, und die sind gerade schwanger, dann wird der Embryo geschädigt und das führt zu erhöhter Säuglingssterblichkeit, zu Missbildungen, Fehlgeburten und möglicher Weise auch zum Down-Syndrom."

Der französische Nuklearkonzern AREVA und seine Tochterfirmen in Niger erklären jedoch immer wieder, alle Grenzwerte würden nicht nur eingehalten, sondern regelmäßig unterschritten. Das gelte für die Belastung der Luft durch das radioaktive Gas Radon, für die Belastung des Trinkwassers, des Erdreichs und für die Strahlendosis, der die Arbeiter ausgesetzt seien. Olivier Muller von "AREVA Niger”:

"Die Krankheiten der Menschen in den Uranabbaugebieten sind nicht auffällig. Sie unterscheiden sich nach unseren bisherigen, eher stichprobenartigen Untersuchungen nicht wesentlich von denen, an denen die Menschen in anderen Regionen von Niger erkranken. Das sind vor allem Erkältungskrankheiten, Erkrankungen der Atemwege, Diarrhöe und ähnliches. Noch einmal: nichts Besonderes."

Kritiker wie Angelika Claußen wollen den Beteuerungen des französischen Nuklearkonzerns keinen Glauben schenken. Die Statistik der Krankheiten in Niger sei nur deshalb unauffällig, vermutet die Ärztin, weil AREVA nie eine solide Statistik erhoben habe.

Bei den Tuareg ist es eine Frage der Ehre, dass ein Mann eines Tages auf eigenen Füßen steht. Früher musste er sich dafür eine eigene Herde aufbauen, heute muss er Geld verdienen. Das aber ist eine riesige Herausforderung: Nach den Statistiken der UNO ist Niger das ärmste Land der Erde. Wer hier geboren wird, stirbt wegen der hohen Kindersterblichkeit statistisch gesehen schon nach wenig mehr als 40 Jahren. In diesem Jahr ist die Lage besonders dramatisch: 2010 leidet das Land unter einer der schwersten Hungerkrisen der vergangenen Jahre.

Die Arbeitslosigkeit ist landesweit hoch. Im Norden, in den Lebensgebieten der Nomaden, ist es besonders schwer, eine Beschäftigung zu finden. Obwohl sich genau dort der Schatz des Landes befindet, das Uran. Der Abbau von Uran ist jedoch wenig personalintensiv. Mohammed Elias:

"Wissen Sie, bei uns sucht man sich die Arbeit nicht aus. Niemand hier hat sich das, was er macht, wirklich ausgesucht – dafür haben wir viel zu wenige Möglichkeiten. Jede Arbeit ist ein großes Glück für den, der sie bekommt, egal was er dann tun muss. Denn soviele sind ohne Beschäftigung, die haben sich das auch nicht ausgesucht. Das gilt nicht nur für uns Tuareg, sondern für alle Menschen in Niger: Wir haben keine Wahl."

In Niger bestehen Armut und Reichtum in krasser Weise nebeneinander. Die überwiegende Mehrheit lebt in existenzieller Armut und muss zusehen, wie die Gewinne aus der Nuklearindustrie von Wenigen abgeschöpft werden. Das ist einer der Gründe für die politische Instabilität der Region, die seit Jahren auch von Gewalt gezeichnet ist. Politische Instabilitäten aber schaden den Interessen von Investoren, in diesem Falle Frankreich.

In Niger ging die Gewalt bislang von zwei unterschiedlichen Gruppen aus: von aufständischen Tuareg und von bewaffneten Islamisten.

Die Tuareg durchziehen die Sahara seit Jahrhunderten mit ihren Herden. Heute haben die meisten zwar noch immer Kamele, Schafe und Ziegen, doch für das Überleben der ganzen Familie reicht das meist nicht aus. Denn in den vergangenen Jahrzehnten sind viele Tiere in einer Reihe von Dürren verendet, und selbst für die verkleinerten Herden ist die Weidefläche knapp; die Sahara wird mit dem Klimawandel noch trockener. Der zaghafte Tourismus kam mit einem ersten Aufstand der Tuareg zum Erliegen: Anfang der 90er-Jahre griffen die Nomaden zu den Waffen. Aghali Alembo war damals mit dabei.

"Für den Aufstand gab es viele Gründe. Da ist zum Beispiel der Mangel an Respekt, dann die Ungerechtigkeit. Wie sagt man? Die großen Fische fressen die kleinen Fische? Wir wollen nicht länger gefressen werden. So etwas treibt die Menschen in die Rebellion."

Die Tuareg forderten einen höheren Anteil an den Gewinnen aus dem Uranabbau: 10 bis 15 Prozent davon sollten verwendet werden, um den dünn besiedelten Norden des Landes zu entwickeln: um Schulen, Straßen und Krankenhäuser zu bauen. Außerdem forderten sie Arbeitsplätze und eine stärkere Vertretung von Tuareg in den zentralen Funktionen des Staates: in Armee, Verwaltung, Politik. Nach fünf Jahren versprach die Regierung, sie werde die Forderungen erfüllen, und beide Seiten unterzeichneten einen Friedensvertrag.

Doch der Norden kam nicht zum Erblühen, stattdessen wuchs dort die Enttäuschung. Die Tuareg fühlten sich von ihrer Regierung betrogen und erklärten, sie erfülle die Versprechen nicht, die sie gegeben habe. Aghali Alembo erzählt, er selbst habe den Kontakt zur Regierung und zu den Armeekommandanten gesucht, um vor der wachsenden Unzufriedenheit zu warnen.

"Zehn Jahre lang ist nichts passiert. Wissen Sie, das ist in vielen afrikanischen Ländern das Problem: Die Regierungen reagieren nicht. Man kann reden, schreiben – nichts passiert. Erst wenn der erste Schuss fällt, sagen sie: Was will denn der da bloß? Das ist wirklich ein Problem, wir können nicht länger nur mit Waffen auf unsere Bedürfnisse aufmerksam machen. Sie sollten immerhin so weit auf unsere Worte und Schreiben reagieren, dass sie merken: da gibt es ein Problem!"

Als sich die Situation nicht zum Besseren wandte, gründete Aghali Alembo die "Bewegung der Nigrer für Gerechtigkeit". Im Februar 2007 schlug die Gruppe los. Die Tuareg-Kämpfer stellten erneut Forderungen: Sie wollten stärker an den Gewinnen aus dem Uranexport beteiligt werden. Sie verlangten außerdem, dass der Bergbau vorübergehend eingestellt wird und dass alle ausländischen Unternehmen ihr Personal aus dem Norden des Landes abziehen. In den kommenden Monaten wurden AREVA und chinesische Bergbauunternehmen mehrfach direkt angegriffen und Arbeiter entführt.

Doch nicht alle Kämpfer, die beim ersten Aufstand dabei gewesen waren, gingen auch beim zweiten in den Untergrund. Mano Aghali beispielsweise hielt sich abseits. Beim ersten Aufstand war er zwar nicht mit der Waffe beteiligt, gehörte aber zum politischen Flügel der Rebellen. Inzwischen ist er Präsident einer humanitären Organisation, zwischenzeitlich war er außerdem Abgeordneter des nigrischen Parlaments. Den 2. Aufstand der Tuareg sieht er kritisch. Seiner Meinung nach waren hier andere Kräfte am Werk:

"Sie haben den Aufstand im Namen der Tuareg-Gemeinschaft geführt, aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es um etwas ganz anderes ging: um die Kontrolle des Schmuggels im Sahara-Raum und um die persönlichen Interessen von einzelnen. Die politischen Motive der Rebellion waren vorgeschoben. Ich will mit so etwas nichts zu tun haben. Ich streite für die ehrenhaften Anliegen der Tuareg, ich kämpfe gegen unsere politische, soziale und wirtschaftliche Benachteiligung. Aber ich verurteile die ganzen fragwürdigen Geschäfte, um die es bei dem zweiten Aufstand auch ging. Das wird uns den Frieden in der Region kosten. Am Ende wird unsere Heimat vermint sein."

Schmuggel in der Sahara ist seit vielen Jahren ein einträgliches Geschäft. Vor allem die wüstenkundigen Tuareg profitieren davon. Doch die gehandelte Ware hat sich verändert: Der Schmuggel von Zigaretten, Benzin und Lebensmittel erscheint im Rückblick wie ein Lausbubenstreich.

"Die Sahara ist eine Transitzone für unterschiedliche Schmuggelwaren. Der Weg führt von Mauretanien an der Westküste durchs Landesinnere ans Rote Meer ganz im Osten Afrikas. Geschmuggelt werden heute harte Drogen und Waffen. Außerdem gibt es Menschenhandel, und neuerdings auch den Handel mit entführten Geiseln - meist mit europäischen, aber auch anderen. In der Sahara ist eine regelrechte Mafia entstanden. Vordergründig geht es vielleicht um das Ziel X oder das Ziel Y, aber dahinter steckt die neue Mafia. Die Dinge hier haben sich verändert und ich weiß nicht, wohin das noch führen wird. "

Das Phänomen ist auch dem UNO-Büro für Drogen und Kriminalität bekannt. In den Berichten des UNO-Büros, die regelmäßig erstellt werden, heißt es: Kokain und andere Drogen werden aus Lateinamerika über Westafrika nach Europa gebracht. Die Waffen kommen aus dem südlich gelegenen Tschad und aus Ostafrika.

Die politische Stabilität der Region scheint mehr bedroht als zuvor. Hinzukommen heute die Gefahren, die von der sogenannten "neuen Drogenmafia" ausgehen. Entscheidend wird sein, wie sich das Verhältnis der beiden bewaffneten Gruppen im Sahelraum entwickeln wird. Das Verhältnis also zwischen der finanzstarken Drogenmafia und der islamistischen "Al Qaida im Islamischen Maghreb". Viele ihrer Mitglieder kommen aus den afrikanischen Nachbarländern, einige aus dem arabischen Ausland. Für zumindest einen Teil der Mitglieder sind die religiös-ideologischen Motive vermutlich nur vorgeschoben, genauso wie die politischen Motive einiger Tuareg. Jedenfalls hat sich einer der beiden führenden Köpfe der Islamisten zunächst als Zigarettenschmuggler einen Namen gemacht hat: Mokthar Ben Mokthar.

All diese Überlegungen werden den Mitarbeitern des staatlichen französischen Nuklearkonzerns AREVA, die am 16. September in der Uranbergbaustadt Arlit entführt wurden, kaum weiterhelfen. Die Islamisten haben mittlerweile die Verantwortung für die Geiselnahme übernommen. Demnach sind sie nicht in den Händen von Ben Mokthar, sondern in der Hand von Abou Zaid. Der gilt als ideologisch strenger und brutaler. Al-Jazeera hat Ende September ein Video ausgestrahlt, das die sieben Entführten und ihre vermummten Bewacher zeigt. Sie wurden zuletzt an einem Brunnen im Norden von Niger gesehen, sollen aber inzwischen in Mali sein.

Für Frankreich wird wichtig sein, ob es das Netzwerk, das hinter der jüngsten Entführung steht, identifizieren kann. Denn für das Land, das so entschieden auf die Kernkraft setzt, geht es nicht nur um das Leben der sieben Geiseln – es geht auch um die Zukunft des Uranbergbaus in Niger und damit um die Realisierbarkeit von Frankreichs energiepolitischen Plänen. Das Land ist zudem in höchster Alarmbereitschaft. Nicht nur wegen der Geiselnahme. Sondern auch aus Furcht vor Anschlägen im Mutterland selbst.

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