Das Feature / Archiv /

 

Im Staub des Imperiums

Andrej Bitows Erinnerungen an die Realität

Von Gisela Erbslöh

Der Schriftsteller Andrej Bitow in einer zeitgenössischen Aufnahme.
Der Schriftsteller Andrej Bitow in einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa)

Er ist der große alte Intellektuelle der russischen Literatur. Aber in Wahrheit, sagt Bitow, sei er ein Nichtstuer, denn nur so könne er Literatur machen. Er bezeichnet sich selbst als geborenen Streuner, hat Wohnsitze in Petersburg und Moskau.

Er lebte aber jahrzehntelang mehr zwischen als an diesen Orten, immer auf dem Sprung in die sibirische, kaukasische, nordrussische Provinz oder, seit das möglich ist, in die westliche Hemisphäre.

In den 60er-Jahren begann er zu publizieren - gegen den offiziellen Kanon und deshalb mit langen Pausen, in denen sein großer Roman "Das Puschkinhaus" im literarischen Untergrund kursierte. Seine Ironie, seinen Wortwitz, seine sprachliche Virtuosität hat Bitow an den russischen Klassikern geschärft, aber seine Helden sind aus dem Stoff seiner Zeit - vom politischen Tauwetter nach Stalins Tod bis über das Ende des Sowjetimperiums hinaus.

Alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Novellen seien im Grunde Teil des einen "totalen Texts", an dem er sein Leben lang schreibe: eine kontinuierliche Suche nach der unverstellten Realität des Augenblicks und nach dem Geheimnis des Schreibens.


DLF 2012

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Das Feature

KunstszeneMein Vater, der Maler

Judith Grümmer steht mit dem Vater Hans Grümmer und der Mutter in einer Küche. Die Mutter hält einen Vogelkäfig auf dem Schoß und Judith Grümmer hält den Hund an den Pfoten.

Mit 16 wird Jürgen Hans Grümmer (1935 – 2008) jüngster Meisterschüler an den Kölner Werkschulen, mit 20 gilt er als Geheimtipp der Kunstszene. Mit 22 hat er Frau und Tochter. Das Kind atmet Ölfarbe und Basaltstaub, spielt in Baubuden, Werkstätten und Steinbrüchen.

Wohngebiete"Unser Görli"

Menschen sitzen auf der Grünfläche vom Görlitzer Park.

Der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg: einzige grüne Freifläche in einem dicht besiedelten Wohngebiet, ein klar abgegrenztes urbanes Territorium für Naherholung und Freizeitgestaltung von Anwohnern und zunehmend Touristen.

Bauhaus, Buchenwald und BaudenkmälerDie fantastische Karriere des Architekten Franz Ehrlich

Das frühere Funkhaus an der Nalepastraße des Architekten Franz Ehrlich.

Er war Kommunist und Kapitalist, Genie und Hochstapler, Querdenker und Opportunist zugleich: Franz Ehrlich hat Architekturikonen wie das für seine Akustik gerühmte Funkhaus in der Berliner Nalepastraße entworfen und mit seiner Möbelserie 602 im Bauhaus-Stil einen DDR-Exportschlager konzipiert.