Das Feature / Archiv /

 

Im Staub des Imperiums

Andrej Bitows Erinnerungen an die Realität

Von Gisela Erbslöh

Der Schriftsteller Andrej Bitow in einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa)
Der Schriftsteller Andrej Bitow in einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa)

Er ist der große alte Intellektuelle der russischen Literatur. Aber in Wahrheit, sagt Bitow, sei er ein Nichtstuer, denn nur so könne er Literatur machen. Er bezeichnet sich selbst als geborenen Streuner, hat Wohnsitze in Petersburg und Moskau.

Er lebte aber jahrzehntelang mehr zwischen als an diesen Orten, immer auf dem Sprung in die sibirische, kaukasische, nordrussische Provinz oder, seit das möglich ist, in die westliche Hemisphäre.

In den 60er-Jahren begann er zu publizieren - gegen den offiziellen Kanon und deshalb mit langen Pausen, in denen sein großer Roman "Das Puschkinhaus" im literarischen Untergrund kursierte. Seine Ironie, seinen Wortwitz, seine sprachliche Virtuosität hat Bitow an den russischen Klassikern geschärft, aber seine Helden sind aus dem Stoff seiner Zeit - vom politischen Tauwetter nach Stalins Tod bis über das Ende des Sowjetimperiums hinaus.

Alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Novellen seien im Grunde Teil des einen "totalen Texts", an dem er sein Leben lang schreibe: eine kontinuierliche Suche nach der unverstellten Realität des Augenblicks und nach dem Geheimnis des Schreibens.


DLF 2012

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Das Feature

Bosnien und HerzegowinaDas Plenum von Tuzla

Demonstranten stürmen ein Regierungsgebäude in Tuzla am 7.2.2014. (AFP / Elvis Barukcic)

Im Februar 2014 gingen in Bosnien und Herzegowina Arbeiter, Rentner und Arbeitslose auf die Straße, um gegen Armut und Korruption zu protestieren. Der bosnische Frühling begann in der ostbosnischen Stadt Tuzla und griff schnell auf das ganze Land über. Tagelang demonstrierten Tausende verbitterter Menschen.

MäzeneDas Kultur-Business

Goldene Bilderrahmen hängen an einer Wand. (picture alliance / Daniel Kalker )

Kunstwerke, Bücher und andere Artefakte zählen normalerweise zu den Werten, die es um jeden Preis zu fördern und zu verteidigen gilt. Entsprechend verehrt werden Verleger, Mäzene und Kunstsammler, die sich mit viel Idealismus, Verve - und nicht zuletzt mit ihrem eigenen Geld - für die schönen Künste in die Bresche werfen.

AbgehängtWie die Krise in das Leben der Franzosen eingreift

Eine französische Flagge weht im Wind.  (imago / Rainer Unkel)

Jeder vierte Franzose unter 25 Jahren ist arbeitslos. Rund fünf Millionen gelten als arm. Und die Armut breitet sich immer mehr aus. In Paris führt ein Obdachloser Interessierte an die Stätten des zunehmenden sozialen Elends. 2013 verteilten die "Resto du coeur" mehr als 130 Millionen kostenlose Mahlzeiten.