Das Feature / Archiv /

 

Im Staub des Imperiums

Andrej Bitows Erinnerungen an die Realität

Von Gisela Erbslöh

Der Schriftsteller Andrej Bitow in einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa)
Der Schriftsteller Andrej Bitow in einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa)

Er ist der große alte Intellektuelle der russischen Literatur. Aber in Wahrheit, sagt Bitow, sei er ein Nichtstuer, denn nur so könne er Literatur machen. Er bezeichnet sich selbst als geborenen Streuner, hat Wohnsitze in Petersburg und Moskau.

Er lebte aber jahrzehntelang mehr zwischen als an diesen Orten, immer auf dem Sprung in die sibirische, kaukasische, nordrussische Provinz oder, seit das möglich ist, in die westliche Hemisphäre.

In den 60er-Jahren begann er zu publizieren - gegen den offiziellen Kanon und deshalb mit langen Pausen, in denen sein großer Roman "Das Puschkinhaus" im literarischen Untergrund kursierte. Seine Ironie, seinen Wortwitz, seine sprachliche Virtuosität hat Bitow an den russischen Klassikern geschärft, aber seine Helden sind aus dem Stoff seiner Zeit - vom politischen Tauwetter nach Stalins Tod bis über das Ende des Sowjetimperiums hinaus.

Alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Novellen seien im Grunde Teil des einen "totalen Texts", an dem er sein Leben lang schreibe: eine kontinuierliche Suche nach der unverstellten Realität des Augenblicks und nach dem Geheimnis des Schreibens.


DLF 2012

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Das Feature

TagebuchIm Käfig

Der Bildhauer Hans Uhlmann neben seinen Plastiken "Fetisch 1963" und "Stahlplastik 1961" am 15.03.1968 in der Akademie der Künste in Berlin. (picture-alliance/ dpa / Konrad Giehr)

"Vorbereitung zum Hochverrat", lautete die Anklage, die Hans Uhlmann 1934 für eineinhalb Jahre ins Gefängnis Berlin-Tegel brachte. Der Künstler war einer von 60.000 Kommunisten, die damals festgenommen wurden. Um dem Haftalltag zu entfliehen, führte der Bildhauer ein Tagebuch, dem er seine Zukunftspläne, seine Empfindungen und Beobachtungen anvertraute.

PartisanenNicht kampflos sterben!

Ein Panzerfahrzeug der Wehrmacht, gefolgt von Soldaten auf Motorrädern, in der Stadt Minsk während des Rußland-Feldzuges im August 1941. (picture-alliance / dpa / UPI)

Im offiziellen weißrussischen Geschichtsbild nehmen die heldenhaften Partisanen im Kampf gegen die Nazibesatzung einen zentralen Platz ein. Was wenig bekannt ist: Zwei Partisanenverbände bestanden aus gläubigen Juden. Nirgendwo sonst in dieser Zeit gab es einen vergleichbaren jüdischen Widerstand.

Arbeitssklaven in Kalabrien Labor des Wegwerf-Menschen

Afrikanische Einwanderer ernten Orangen in Rosarno, Kalabrien. (picture-alliance / dpa / Franco Cufari)

Rosarno ist eine Kleinstadt im Süden Kalabriens, deren Wirtschaft seit jeher auf dem Anbau von Zitrusfrüchten gründet. Einst ein florierendes Städtchen, hat es seit den 70er-Jahren einen stetigen Niedergang erlebt. Denn irgendwann konnten die kalabrischen Orangen der billigen Konkurrenz aus dem Ausland nicht mehr standhalten.