Das Feature / Archiv /

 

Im Staub des Imperiums

Andrej Bitows Erinnerungen an die Realität

Von Gisela Erbslöh

Der Schriftsteller Andrej Bitow in einer zeitgenössischen Aufnahme.
Der Schriftsteller Andrej Bitow in einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa)

Er ist der große alte Intellektuelle der russischen Literatur. Aber in Wahrheit, sagt Bitow, sei er ein Nichtstuer, denn nur so könne er Literatur machen. Er bezeichnet sich selbst als geborenen Streuner, hat Wohnsitze in Petersburg und Moskau.

Er lebte aber jahrzehntelang mehr zwischen als an diesen Orten, immer auf dem Sprung in die sibirische, kaukasische, nordrussische Provinz oder, seit das möglich ist, in die westliche Hemisphäre.

In den 60er-Jahren begann er zu publizieren - gegen den offiziellen Kanon und deshalb mit langen Pausen, in denen sein großer Roman "Das Puschkinhaus" im literarischen Untergrund kursierte. Seine Ironie, seinen Wortwitz, seine sprachliche Virtuosität hat Bitow an den russischen Klassikern geschärft, aber seine Helden sind aus dem Stoff seiner Zeit - vom politischen Tauwetter nach Stalins Tod bis über das Ende des Sowjetimperiums hinaus.

Alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Novellen seien im Grunde Teil des einen "totalen Texts", an dem er sein Leben lang schreibe: eine kontinuierliche Suche nach der unverstellten Realität des Augenblicks und nach dem Geheimnis des Schreibens.


DLF 2012

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Das Feature

Hippies und Cyberspace"Wir sind wie Götter und wir können genauso gut werden"

Der amerikanische Architekt, Ingenieur, Poet, Autor, Philosoph und Erfinder Richard Buckminster Fuller, aufgenommen 1977. Fuller wurde richtungsweisend mit geodätischen Kuppeln, deren Tragwerk aus den an ihren Kreuzungspunkten miteinander verbundenen Stäben (Holz, Aluminium, Spannbeton, Pappe u.a.) besteht, wobei die einzelnen Elemente die Form von Oktaedern oder Tetraedern erhalten. Sein Hauptwerk ist die Kuppel des amerikanischen Pavillons auf der Weltausstellung in Montreal 1967. Richard Buckminster Fuller wurde am 12.07.1895 in Milton (Massachussetts) geboren und starb am 01.07.1983 in Los Angeles (Kalifornien).

Auf dem Cover der ersten Ausgabe des "Whole Earth Catalogs" prangte ein Foto der Erde, dem Spaceship Earth, aufgenommen aus dem All. Der Katalog versprach Zugang zu Werkzeugen und Ideen. Anleitungen zum Bau geodätischer Kuppeln fanden sich neben elektronischen Rechenmaschinen und Literatur von Norbert Wiener bis Buckminster Fuller.

PorträtZwischen Hochkultur und Problembezirk

Die Keupstraße fotografiert am 02.06.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen). Am Pfingstmontag ist es genau zehn Jahre her, dass vor dem Friseursalon in der Kölner Keupstraße eine Bombe explodierte.

An manchen Tagen hat Kutlu Yurtseven mit fünf Szenen gleichzeitig zu tun: Morgens arbeitet er als Sozialarbeiter in Kölner Problembezirken. Abends spielt er in einem Theaterstück über den Anschlag gegen Migranten in der Kölner Keupstraße im Schauspiel Köln.

Schrifsteller Akram Ailisli Axt und Feder

Die Flagge von Aserbaidschan.

2004 hackte ein aserbaidschanischer Leutnant namens Ramil Safarow einem armenischen Offizier mit einer Axt den Kopf ab. Es geschah bei einem NATO-Lehrgang in Ungarn. Angeblich hatte der Armenier im Beisein von Safarow einem anderen Armenier irgendetwas zugeflüstert und dabei gegrinst.