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StartseiteVerbrauchertippDas Eigenheim im Alter verkaufen08.06.2017

ImmobilieDas Eigenheim im Alter verkaufen

Ein Einfamilienhaus ist für eine Familie gedacht. Aber wenn der Nachwuchs flügge wird, ist das Haus oft viel zu groß, das Putzen und Instandhalten kosten Kraft und Geld. Im Alter stellt sich dann oft die Frage des Verkaufs. Ob das gut klappt und auch lukrativ ist, hängt stark davon ab, in welcher Gegend sich das Haus befindet.

Von Bernd Debus

Ein Haus steht auf Geldscheinen. Symbolbild für Haus und seine Kosten  (dpa /Revierfoto)
Nicht immer klappt das mit dem Verkauf eines Hauses im Alter. (dpa /Revierfoto)
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Paul, der eigentlich anders heißt, ist schon lange Rentner. In den 70er-Jahren hat sich Paul zusammen mit Frau und Tochter den Traum vom Eigenheim erfüllt:

"Wir hatten nachher mit Anbau, wir hatten die Terrasse ausgebaut, bewohnbar gemacht und das waren circa hundert Quadratmeter. Mit Garten dabei."

Aber dann zog die Tochter aus. Viele Jahre später starb Pauls Frau und plötzlich hatte er 100 Quadratmeter plus Garten für sich alleine. Etwas zu viel Haus für seinen Geschmack:

"Was sollte ich mit dem ganzen Haus? Ich wäre ja nur am Putzen geblieben und auch die Unterhaltung."

Paul hat das Einfamilienhaus für einen guten Preis verkauft und lebt seitdem in einer 42-Quadratmeter-Wohnung in der Nähe seiner Tochter. Erik-Uwe Amaya von Haus und Grund Rheinland kennt solche Geschichten:

"Das ist ja normalerweise so der Klassiker, warum man in eine Immobilie investiert als Kapitalanlage, gerade für die Altersvorsorge."

Viele problematische Verkaufsgebiete

Allerdings, nicht überall in Deutschland findet man problemlos einen Käufer für ein zu groß gewordenes Haus. Denn dort, wo der Weg zum nächsten Supermarkt weit ist, der Landarzt keinen Nachfolger findet, Fachärzte fehlen und der Bus nicht mehr fährt, dort wollen viele Menschen auch nicht mehr wohnen. Deswegen laufen meistens auch die Versuche, das Haus alternativ zu vermieten, ins Leere. Außerdem: Ist ein Mieter gefunden, wird ein Verkauf komplizierter, falls doch noch überraschend ein Kaufinteressent auftauchen sollte:

"Wir haben im westfälischen Bereich Eigentümer, die haben sich dann vor 30, 40 Jahren ein Haus gekauft mit dem Ziel der Altersvorsorge, stellen aber jetzt fest, die können diese Wohnungen, diese Häuser, weder vermieten, noch verkaufen."

Betroffen sind zum Beispiel auch die ländlichen Gebiete Ostdeutschlands, der Westerwald, der Schwarzwald, das Sauerland oder Nordbayern. Hier müssen verkaufswillige Hausbesitzer unter Umständen viel Geduld aufbringen.

Preisschmerzgrenze möglichst niedrig halten

Wer nicht selber nach einem Käufer suchen will, kann auch einen Makler beauftragen. Jörg Sahr von der Zeitschrift "Finanztest" empfiehlt, bei der Wahl des Maklers auf Referenzen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis zurückzugreifen und auch die Immobilienunternehmen der Banken und Sparkassen mit in Betracht zu ziehen.

Wer übrigens die persönliche Schmerzgrenze beim Preis möglichst niedrig ansetze, könne die Verkaufschancen deutlich erhöhen. Erik-Uwe Amaya:

"Wobei man auch dann, wenn man selbstnutzender Eigentümer ist, natürlich dann auch durchaus sagen muss, man hat dementsprechend dann auch schon eigenen Nutzen auch aus so einer Immobilie gezogen."

Und wer heute als Baustein seiner Altersvorsorge in eine Immobilie investieren will?

Momentan steigen die Preise in den Großräumen und ihrem Umland: in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart, München und an der Rheinschiene zwischen Bonn und Düsseldorf. Aber:

"Es ist immer ein Risiko. Man kann jetzt noch nicht sofort sagen, okay, wie ist jetzt der Zustand der Wohnungsmarktlage in zehn, 20 Jahren."

Paul allerdings hat Glück gehabt. Sein Haus stand in Neuss und somit an der begehrten Rheinschiene. Gekauft haben er und seine Frau das Reihenhaus einst für 60.000 D-Mark. Verkauft hat er es für 170.000 Euro.

"Nee, da habe ich was verdient daran. Das kann ich ruhig sagen."

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