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StartseiteVerbrauchertippStrengere Vorschriften machen Rentnern zu schaffen25.04.2017

ImmobiliendarlehenStrengere Vorschriften machen Rentnern zu schaffen

Angesichts niedriger Zinsen denken nicht nur viele jüngere Menschen, sondern auch Ältere über die Anschaffung einer Immobilie nach. Wenn dafür ein Darlehen notwendig ist, können Senioren aber leicht Bewilligungsprobleme bei Banken und Sparkassen bekommen. Die Ursache liegt rund zehn Jahre zurück.

Von Klaus Deuse

Haus mit Zaun in einer Kristallkugel. (imago stock&people)
Wenn sich Senioren den Traum vom eigenen Haus verwirklichen wollen, kann es Probleme beim Darlehen geben. (imago stock&people)

Nie waren die Zinsen für die Finanzierung einer Immobilie so günstig wie zurzeit. Darum hat die 65-jährige Angelika Wiesner auch nicht mit Problemen gerechnet, als sie mit ihrer Bank über die Anschlussfinanzierung für eine Restlaufzeit von fünf Jahren das Gespräch suchte.

"Vor 25 Jahren haben wir unsere Immobilie durch einen Kredit finanziert, der auch ohne Weiteres genehmigt wurde. Damals zur Hochzinsphase waren wir für das Kreditinstitut besonders gute Kunden. Denn mittlerweile haben wir für unseren Kredit so viel Zinsen zurückgezahlt wie der betrug. Und jetzt als Rentner noch einmal auf die Bonität hin geprüft zu werden, ist schon sehr verwunderlich."

Nachgefragt wurde in Anbetracht ihres Alters nach Rücklagen, Sicherheiten sowie Zahlungsverpflichtungen – obwohl die Höhe ihrer Rente und die ihres Mannes der Bank bekannt und für die monatlichen Raten mehr als ausreichend waren. In Fällen wie dem von Angelika Wiesner berufen sich Banken und Sparkassen auf eine seit März 2016 geltende EU-Norm mit der Bezeichnung "Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie". Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale NRW erläutert, was die bezwecken soll.

"Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist nach der Finanzkrise ins Leben gerufen worden und soll verhindern, dass Darlehen zu hoch vergeben werden und die Verbraucherinnen und Verbraucher so in Verschuldung geraten, beziehungsweise sich auch Banken mit zu hoch ausgereichten Darlehen über Gebühr belasten und damit auch unter Umständen in die Pleite gehen."

Privatleute vor einer Überschuldung zu schützen, das heißt für Rentner im Klartext: Sie müssen nachweisen, dass sie den Kredit noch zu Lebzeiten abtragen können. Verbraucherberater Thomas Hentschel kennt das Problem.

"Weil ich eben aufgrund der Rente ein deutlich niedrigeres Einkommen habe. Und da von Natur aus einfach nicht mehr die Möglichkeiten habe, wie man das im Erwerbsleben tut, 40, 45 Prozent des monatlichen Einkommens für Wohnen, also für die Kredittilgung und Unterhaltungskosten aufzuwenden."

Aber, sagt Verbraucherberater Hentschel, man kann mit den Kreditinstituten durchaus über Details reden.

"Es gibt beispielsweise Banken, die sagen: Ok, wenn das Darlehen auch noch im Ruhestand finanziert werden muss, dann setzen wir die Beleihungsgrenze nicht auf 80 Prozent, sondern setzen die auf 60, 50 oder 45 Prozent. Oder es wird gesagt, dass die mögliche Belastung ab Renteneintritt beispielsweise nicht mehr als 25 Prozent der Rente beziehungsweise der Pension betragen darf."

Auch wenn sich dadurch die Laufzeit verlängert. 

Verhandeln sollte man dabei übrigens nicht nur mit der Hausbank. Verbraucherberater wie Thomas Hentschel empfehlen, sich mehrere Angebote einzuholen. Außerdem sollte man Möglichkeiten einer Sondertilgung vereinbaren.

"Möglicherweise sind auch Sparverträge terminlich so ausgelegt, dass sie eben nicht mit dem Renteneintrittsalter ausgezahlt werden, sondern vier, fünf Jahre später. Auch die kann man eben dann mit einer Sonderzahlung in die Rückbezahlung der Immobilie mit einbeziehen."

Individuelle Beratung kann sich auszahlen. Am besten von unabhängigen Beratern und nicht nur von Mitarbeitern der Hausbank. Umwege wie etwa erwachsene Kinder das Darlehen aufnehmen zu lassen, in Wirklichkeit aber selbst die Raten zu zahlen, davon raten Experten dringend ab. Denn wenn die Eltern vor Ablauf des Kredits sterben, kann es für die Beteiligten sowohl zu rechtlichen als auch steuerlichen Konsequenzen kommen.

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