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Impfen gegen Krebs?

Umstrittene Empfehlung der Ständigen Impfkommission

Von William Vorsatz

Eine Patientin wird  geimpft.
Eine Patientin wird geimpft. (AP)

Seit gut einem Jahr gibt es eine Impfung gegen Humane Papillomaviren, kurz HPV. Die Viren werden durch sexuellen Kontakt übertragen und können bei Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen. Seit März dieses Jahres empfiehlt die <papaya:link href="http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html" text="Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO)" title="Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO)" target="_blank" /> jungen Mädchen, sich vorsorglich gegen HPV impfen zu lassen. Die neue Impfung wird von den Betroffenen gut angenommen. Nicht alle Experten befürworten sie jedoch. Es regt sich immer mehr Widerstand.

Erstmals Impfen gegen Krebs, titelten die Medien unisono, als ein großer Pharmakonzern vor drei Jahren mit dem neuen Impfstoff an die Öffentlichkeit trat. Drei Spritzen versprechen Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs. Seit einem Jahr ist der Impfstoff Gardasil in Deutschland zugelassen. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt die Immunisierung. Mit Erfolg. Impfexpertin Yvonne Deleré:

"Was wir wissen, von den Verkaufszahlen von Gardasil, ist, dass auch, seitdem die Impfempfehlung offiziell ist, dass das gut angenommen wird. Also das doch schon Mädchen in dieser Altergruppe zu einem sehr hohen Prozentsatz, also um die 30 Prozent im Bundesgebiet geimpft sind. "

Ohne die Impfung infizieren sich sieben von zehn Frauen mindestens einmal im Leben mit Humanen Papilloma-Viren. Es gibt zirca 100 verschiedene Typen von HPV. Die Impfung schützt gegen vier davon. Vor allem gegen die an häufigsten vorkommenden Typen 16 und 18 , die zu Zellveränderungen im Gebärmutterhals führen. Aus diesen kann Krebs entstehen.

Auf knapp 500 Euro summiert sich der Impfstoffpreis für die drei Spritzen. Doppelt so viel, wie die vollständige Impfung gegen acht Kinderkrankheiten. Wie sich diese Kosten zusammensetzen, sei nicht transparent, räumt Deleré ein. Der Hersteller begründet ihn mit dem hohen Forschungsaufwand im Vorfeld. Dafür bliebe den Frauen durch die Impfung viel Leid erspart, betont die Ärztin und Robert-Koch-Mitarbeiterin. Nicht nur Krebs werde verhindert. Operationen am veränderten Gewebe mit Schmerzen und gravierenden Folgen wie späterer Kinderlosigkeit blieben den Frauen ebenfalls erspart. Genau daran zweifeln jedoch immer mehr Kritiker. Darunter Eltern von jungen Mädchen, Ärzte und Gesundheitsexperten:

"Die Pharmaindustrie, die produzierenden Firmen, verkünden ja im Zusammenhang mit der HPV-Impfung, das sei ein Durchbruch in der Krebsprävention. Das ist im großen Maße irreführend."

Prof. Rolf Rosenbrock ist Leiter der Forschungsgruppe Public Health am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Die Impfung sei viel zu schnell eingeführt worden,
die Beweise für den Schutz wären nicht stichhaltig und die Risiken bislang ungeklärt, fasst er die Argumente der Kritiker zusammen:

" In der Tat. Man muss ohnehin feststellen, dass die Studienlage bei der Zulassung dieser Impfstoffe außergewöhnlich dünn war, und sich die Fachwelt fragt, wie die Ständige Impfkommission auf Basis dieser Studienergebnisse so zügig ihr Placet gegeben hat."

Der Muttermundhalskrebs ist in Deutschland dank Früherkennung relativ selten. Rund 6000 Neuerkrankungen pro Jahr, unter zwei Prozent der an Krebs sterbenden Frauen hat Gebährmutterhalskrebs. In anderen Ländern sieht es anders aus, vor allem dort, wo die Vorsorge nicht so gut funktioniert. Von dort her kämen jedoch die Daten zur Wirksamkeit der Impfung, monieren die Kritiker. Sie seien auf Deutschland so nicht übertragbar. Rosenbrock:

"Die Impfung schaltet zwei aggressive Krebstypen aus, andere aber eben nicht. Und diese aggressiven Virustypen, die durch die Impfung ausgeschaltet werden sollen, erklären halt maximal 70 Prozent der Neuerkrankungen. Diese Zahlen werden mittlerweile übrigens auch bezweifelt, es wird darauf hingewiesen, dass diese Informationen von Frauen in der Dritten Welt stammen, und das der Anteil der Krebsfälle, die durch die Impfung in Deutschland und Mitteleuropa verhindert werden könnte, sehr viel niedriger liegen kann."

Und der Hersteller garantiert lediglich einen Schutz von fünf Jahren. Längere Studien gibt es noch nicht. Wie lange darf sich eine Frau aber in Sicherheit wiegen? Und welche Nebenwirkungen hat die Impfung? Werden sich an die Stelle der ausgeschalteten neue, gefährliche Viren im Gebährmutterhals ansiedeln. Bevor diese Fragen nicht geklärt sind, sollte sich niemand mit der Impfung in falscher Sicherheit wiegen.

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