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StartseiteKultur heuteIn den Untiefen der Mondverehrung16.04.2011

In den Untiefen der Mondverehrung

Thomas Frickels Dokumentarfilm "Die Mondverschwörung"

Im Stile Michael Moores hat Thomas Frickel eine aufklärerische Spaß-Dokumentation über die wahnwitzige Welt der Mondverschwörung produziert. Heraus kommt: Nicht nur harmlose Verrückte heulen den Mond an.

Von Josef Schnelle

Der Mond fasziniert seit Anbeginn der Zivilisation alle Kulturen (Observatoire de Paris)
Der Mond fasziniert seit Anbeginn der Zivilisation alle Kulturen (Observatoire de Paris)

Auf dem Mond kann man Grundstücke kaufen, was viele Zeitgenossen tatsächlich auch tun. Aber vielleicht gehört der Mond ja gar nicht dem Makler, der ihn so vollmundig anpreist. Hat nicht Friedrich der Große den Mond 1550 in einer Tabaklaune einfach an die Familie Jürgens in Westerkappeln verschenkt. Auch dafür gibt es Belege. Beides gleichzeitig geht nicht und schon sind wir mitten in der wahnwitzigen Welt der Mondverschwörung, die der Dokumentarfilmer Thomas Frickel für seine aufklärerische Spaß-Dokumentation im Stile Michael Moores aufgesucht hat.

Heraus kommt: Nicht nur harmlose Verrückte heulen den Mond an. Wasser bei Vollmond hochgepumpt ist bekömmlicher. Im Mondlicht lässt sich besser frisieren, was eigentlich sogar Dr. Guido Westerwelle beschwören könnte, wenn er es ins Mikrofon des Reporters eines amerikanischen Fernsehsenders sprechen würde. Mit dem Instinkt eines Politikers hat er aber erkannt, dass mit diesem Mann nicht gut Kirschen essen ist: Der naiv wirkende Dennis Mascarenas mit seinem einlullenden amerikanischen Akzent gibt sich naiv und erkenntnishungrig. Hat es aber ganz faustdick hinter den Ohren. Selbst bei der Mondscheinfriseuse und bei Westerwelle lässt er nicht so leicht locker:

"Friseuse: "Das denke ich schon. Er wird sich schon ein bisschen danach richten. Er ist eigentlich offen für alles. Und er hat mir versprochen, dass er wiederkommt, wenn Vollmond ist, und wollte auch wieder zum Haareschneiden kommen."

Dennis: "Herr Westerwelle, eine kurze Frage: Sie haben sich für eine Mondscheinfriseuse eingesetzt."

Westerwelle:" Vielen Dank, danke schön."

Dennis: "Kann ich Sie vielleicht später noch einmal sprechen?"

Westerwelle: Vielen Dank, danke schön.""

So harmlos bleibt der Film nicht. Auf die gelegentlich sogar sympathischen schlichten Spinner folgen immer bizarrere Vertreter der Esoterikszene, die wenn es um den Mond geht, in ihrer Mehrzahl zu den ewig gestrigen gehören. Zum Beispiel wenn ihm die Sonderlinge der neofaschistisch geprägten Mondverehrer von Adolf Hitler erzählen, der durch das Eis des Südpols zu ewiger Jugend im Inneren der Erde gelangt ist. Die ist natürlich hohl und man lebt auf der Innenseite der Erde genauso gut wie auf der äußeren Kruste. Besser sogar. Auch leben dort nur Menschen mit positiven Energien. Zu denen Hitler ja auch zählen muss, denn - so der überzeugende logische Schluss – sonst wäre er ja nicht in die Erde hineingelangt, wo er auch nicht altert und eines Tages als "Neuer Führer" die letzten Arier der Erde zu einen.

Dicke Schwarten haben die meisten Gesprächspartner der Filmemacher zu solchen Themen verfasst, bei denen in "Eigendruck im Selbstverlag "die Schlüsselbegriffe und Thesen fett in großen Lettern herausgehoben sind. Auch die allseits bekannten UFOs sind deutsche Raumschiffe, die nach der Niederlage auf der Erde sich gleich das Universum unter den Nagel gerissen haben.

""Hier das ist ne interessante Aufnahme. Hier sieht man den Buchstaben S. Da steht ´Another Letter S´ - also ein weiterer Buchstabe S

"Na ja, also noch'n S wäre Doppels also SS. SS auf'm Mond."

Dennis: "Sie glauben, dass die SS auf'm Mond ist?"

"Die Experten reden alle davon. Die sind auf'm Mond, auf'm Mars und machen auch intergalaktische Raumflüge."

Wie Dennis Mascarenas es schafft, bei all dem ernst zu bleiben und auch noch interessiert nachzufragen, das ist ein kleines Wunder der investigativen Humorproduktion. Auch das Filmteam im Raum muss sich ja zusammengerissen haben und Filmemacher Thomas Frickel muss die Paranoiker, die er in seinem Film versammelt haben, mit positiver Energie umgarnt haben, bis sie bereit gewesen sind, ihre Auskünfte zu geben.

Manche haben dann doch den Braten gerochen. Das zeigt der extrem lange Abspann, bei dem auch die angefragten Gesprächspartner aufgelistet sind, die dann doch nicht bereit gewesen sind, ihre hanebüchenen Thesen vor laufender Filmkamera auszubreiten.

Ein Fünkchen Ernst steckt natürlich doch in diesen absurden Geschichten von der Mondverschwörung. Alle Protagonisten halten sich für seriöse, allerdings unerhörte Privatgelehrte, eben nur unerkannt und unverstanden. Auch die NSDAP stand ja der Esoterik sehr nahe. Heinrich Himmlers Neigung in dieser Richtung ist ja bekannt. Nun scheint ein Teil der rechtsradikalen Szene bis hin zu Rockgruppen in die Esoterik abgetaucht zu sein. Sie schwärmen von einem zukünftigen "Neuschwabenland", wie das neue Wunschreich der Deutschen Arier genannt werden soll. Hinter all dem steckt jedoch diesmal ein kosmischer Plan, der garantieren soll, dass das neue Tausendjährige Reich diesmal nicht nur zwölf Jahre dauert. Die Aldebaraner sind's, eigentlich nur schlappe 67 Lichtjahre von der Erde entfernt, die die Luft mit positiver oder negativer Energie verpesten und sich entweder – das ist die eine Theorie: die Germanen-Arier als ihre Sachwalter auf Erden ausgesucht haben oder: auch dafür gibt's Zeugen hinter der jüdisch-extraterrestischen Weltverschwörung stecken.

Zwischendrin fragt man sich zwar, ob die Freakshow der Mondverschwörer nicht ein wenig zu weit geht. Am Ende erwartet man, dass die Protagonisten hinter einem Eisberg am Südpol hervorspringen, sich als Schauspieler zu erkennen geben und das Ganze als frostigen Aprilscherz entlarven. Doch leider sie sind alle echt, die Mondscheinfriseuse ebenso wie die Dame mit dem Pendel und die Anhänger "Neuschwabenlands". So machen die schaurigen Funde und Befunde doch auch äußerst nachdenklich. Das Lachen bleibt im Halse stecken und auch Dennis hat genug.

"Dennis: "Oh fuck, when is this paranoid shit finally going to stop. I'm going to go home. Now!”

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