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StartseiteCampus & KarriereKleine Roboter programmieren21.03.2014

InformatikunterrichtKleine Roboter programmieren

Lehrer fordern bei einer Göttinger Tagung, Informatik als naturwissenschaftliches Fach verpflichtend einzuführen. Denn die führt immer noch ein Nischendasein - dabei bietet sie sehr spannenden Stoff für die Schüler.

Von Carolin Hoffrogge

Weiterführende Information

Künstliche Intelligenz - Roboter mit Insektenhirn (Deutschlandradio Kultur, Elektronische Welten, 18.03.2014)

Star Trek - Vorlesung auf Klingonisch (Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 20.12.2013)

- Roboter: "Ich würde jetzt gerne starten."
- Schiller: "Aufstehen bitte."
- Roboter: "Willst du etwas von mir?"

Informatiker Thomas Schiller hat den Star mit nach Göttingen gebracht: Nao, einen grau-organgenen Roboter, kniehoch, robust gebaut. Nao gehorcht Schillers Befehlen auf´s Wort. Manches Mal zumindest:

- Schiller: "Jump."
- Roboter: "Ich gehe jetzt Schlafen."
- Schiller: "Jump ist ein englisches Wort. Und ich hätte juump sagen müssen, ich habe es Englisch abgespeichert."
- Schiller: "Aufstehen!"
- Roboter: "Aufstehen."
- Schiller: "Er zwinkert mit den Augen, bewegt den Oberkörper."

Nao ist aufgewärmt. Jetzt umzingeln ihn 20 Neuntklässler des Göttinger Hainberg Gymnasium, dem Tagungsort der Informatiklehrerinnen und Lehrer. Schließlich tanzt Nao zu dem Lied, das auch Agnes sehr mag. Allerdings hat die 15-Jährige mit Technik sonst nichts zu tun und schon gar nicht mit Algorithmen.

"Ich finde es der Wahnsinn, wie man so was machen kann. Ich kenne das schon, ein Bekannter von mir macht auch was mit Robotern, aber das hier ist der Wahnsinn – bin echt begeistert."

Begeisterung und Freude; deswegen nennt Ira Diethelm die von ihr organisierte Tagung auch "Informatik macht Freude". Das war allerdings nicht immer so, denn voller Frust über ihr Außenseiterdasein rief sie die alljährlich stattfindende Tagung vor neun Jahren ins Leben. Damals war Ira Deithelm selbst Informatiklehrerin an einem Braunschweiger Gymnasium. Heute lehrt sie "Didaktik der Informatik", als Professorin an der Universität Oldenburg.

"Die Informatiklehrer sind oft allein an den Schulen und haben keinen, mit dem sie sich austauschen können. Hier bieten wir die Gelegenheit, dass sie mal unter Ihresgleichen sind, dass sie von den Ideen anderer lernen können, dass sie Ideen für ihren Unterricht bekommen. Auch Hilfestellung zur Argumentation für ein Fach, weil man immer wieder alleine an der Front ist und das Fach verteidigen muss, weil es immer noch kein Pflichtfach ist in Niedersachsen. Gerade in unserer informationsgeprägten Welt kann man es sich schwer vorstellen, dass es noch gar kein Schulfach ist."

Kerstin Strecker lehrt Informatik am gastgebenden Hainberg Gymnasium. Die 40-Jährige entspricht überhaupt nicht dem Klischee einer weltfremden Person. Ganz im Gegenteil: Die hochgewachsene Frau verkörpert eine moderne, aufgeschlossene, äußerst kreative Lehrerpersönlichkeit. Mit ihrem Laptop sitzt die promovierte Informatikerin in der lichtdurchfluteten Aula.

"Wir haben den Vorteil, dass wir über Werkzeuge verfügen, die nicht mehr aus wilden Zahlen- und Buchstabenkolonnen bestehen, wie man sich das früher so vorgestellt hat. Oder so ein Geheimmensch: Wie bei Matrix laufen da die Buchstaben runter und keiner versteht ihn. Wir haben Werkzeuge, die können die Schüler intuitiv lernen. Relativ schnell in einer Doppelstunde können sie die bedienen, können so ihre eigenen Lösungsideen umsetzen. Sie müssen nicht mehr eine vorgefertigte Lösung rechnen, berechne die Quersumme, sag mir die Primzahl, sondern sie können wirklich mit Multimedia und allem drum und dran ihre Ideen umsetzten. Dadurch ist es ein interessantes Fach."

So lernen Kerstin Streckers Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7, einen Strichcode zu erstellen, kleine Roboter zu bauen oder die Herzkurve eines Menschen zu simulieren.

"Das ist natürlich ein ganz anderer Zugang zur Informatik für viel breitere Schülerschichten. Dann kann man externe Hardware anschließen, dass man hier einen Motor hat, Sensoren. Dann kann man technische Systeme rekonstruieren. Meinetwegen, können die ein Haus steuern. Das ist ein Druckknopf, eine Alarmanlage, wenn man draufdrückt dann piepst sie. Die Schüler kommen auf Ideen mit den Sensoren, die sie auch umsetzen können. Sie sind auf jeden Fall erfolgreich."

Grundschüler automatisieren einen Zoo mit wilden Tieren, Fünftklässler machen das Gleiche mit einem Bauernhof; Leistungskursschüler bauen ein soziales Netzwerk, dass die Daten nicht preisgibt: Die Ideen kommen von den Schülern, die Lehrer helfen sie umzusetzen. Für Professor Eckhart Modrow vom Institut der Informatik der Universität Göttingen sind besonders junge Lehramtsstudenten hoch motiviert und am Puls der Zeit:

"Das Bild, dass ein Informatiker alleine vor seinem Computer sitzt, ist eigentlich falsch. Informatik wird in allen Bereichen der Gesellschaft angewandt und ein Informatiker muss bereit sein, auf andere Leute zuzugehen, deren Probleme zu analysieren, dann die entsprechenden Lösungen zu entwickeln."

In Niedersachsen führt der schulische Informatikunterricht ein Nischendasein. Das wollen die Tagungsteilnehmer ändern, in dem sie heute Kultusministerin Frauke Heiligenstadt ein Memorandum übergeben: Informatikunterricht soll verpflichtend als vierte Naturwissenschaft in die Lehrpläne aufgenommen werden. Dafür setzen sich auch Guido Neumann und Annika Schachtebeck vom Humboldt Gymnasium in Gifhorn ein. In der Kaffeepause stecken die beiden Informatiklehrer ihre Köpfe zusammen.

- Neumann: "Wir würden gerne mehr machen, die Schüler rennen uns die Hütte ein. Es ist immer eine Geldfrage, eine Ressourcenfrage. Wir haben einen sehr, sehr schweren Stand im Land. Wir versuchen natürlich, an der Erfahrungswelt der Schüler anzuknüpfen, holen uns die Handys, die Roboter, die Legos in die Schulen."
- Schachtebeck: "Wie man die Schüler dafür begeistert? Wenn sie das Fach belegen und sie machen mit, dann brauchen wir uns da gar nicht groß anstrengen. Die Inhalte stehen für sich selbst. Die Schüler bauen dann irgendwelche Sachen aus der Realität nach und sind interessiert. Die sind einfach zwei Stunden hoch konzentriert und haben hinterher nicht das Gefühl, dass sie gearbeitet haben, aber haben unglaublich was gelernt."
- Neumann: "Sie sind fasziniert, wo überall Informatik drin steckt und wo man es immer wieder findet. Und sagen: Das müsste eigentlich jeder wissen."

Für die 15-jährigen Gymnasiasten Elias und Louis erschließt sich diese Welt jeden Tag aufs Neue - in ihrem Informatikkurs.

- Elias: "Letztens haben wir Legoroboter zusammengebaut und selber programmiert. Wir haben den Robotern verschiedene Aufgaben gegeben. Roboter, die Abstand messen sollten, vor einer Wand stehen bleiben sollten, auch sehr anwendungsbezogen. Das hat viel Spaß gemacht, besser als trockener Theorieunterricht."
- Louis: "Ich möchte später was mit Informatik machen, so Netzwerkadministrator."

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