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StartseiteVerbrauchertippNotfallausweise können Leben retten19.03.2018

Informationen für RettungskräfteNotfallausweise können Leben retten

Ketten um den Hals, Ausweise im Portmonnaie oder Info-Tattoos auf dem Oberkörper: Es gibt viele Möglichkeiten, Ärzte oder Sanitäter in Notfällen über bestimmte Krankheiten oder Medikamente zu informieren. Wichtig ist, dass Rettungskräfte die Unterlagen schnell finden.

Von Sebastian Moritz

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Ein Herzausweis der deutschen Herzstiftung (imago stock&people)
Ein Notfallausweis für Herzpatienten der deutschen Herzstiftung (imago stock&people)
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Viele Symptome und Krankheitsbilder können die Rettungskräfte auf den ersten Blick richtig einordnen. Manchmal jedoch sind zusätzliche Informationen nötig, damit die Rettungskräfte am Einsatzort und die Ärzte später im Krankenhaus richtig reagieren können, sagt Prof. Dr. Bernd Böttiger, er ist Vorsitzender des Deutschen Rats für Wiederbelebung und Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin an der Uniklinik Köln:

"Wir sehen immer wieder Menschen, die schwer verletzt nach einem Unfall zu uns in die Uniklinik nach Köln kommen und die vielleicht auch blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen, und das hat schon eine Bedeutung. Wenn man schwer verletzt ist und schwer blutet, würden wir schon gerne wissen, welche Medikamente das genau sind."

Patienten sollten Unterlagen bei sich tragen

Relevant sind außerdem Allergien und Unverträglichkeiten, sowie Vorerkrankungen. Wenn diese Informationen fehlen, kann es später unter Umständen Probleme bei der Behandlung geben. Im Idealfall ist der Patient noch ansprechbar und kann die Fragen selbst beantworten, sagt Alex Lechleuthner, ärztlicher Leiter bei der Kölner Feuerwehr:

"Problematisch wird es, wenn der Patient nicht mehr sprechen kann oder keine Auskünfte mehr geben kann, weil wir dann auf die reine Symptomatik reagieren müssen. Und dann ist es eben hilfreich, wenn wir etwas Schriftliches haben, aus dem wir die Informationen bekommen können, wie wir ihn dann eben richtig behandeln können."

Wie und wo diese Informationen aufgeschrieben sind, ist eigentlich ziemlich egal. Wichtig ist es aber, dass der Patient die Unterlagen bei sich hat und dass die Rettungskräfte diese Unterlagen auch finden:

"Schriftlich kann sein: Der Notfallausweis. Schriftlich können sein: Befundunterlagen von Ärzten. Einige haben auch eigene Ausarbeitungen erstellt, die sie dann wie einen Notfallausweis bei sich führen. Und wir denken natürlich, dass uns die Möglichkeiten der elektronischen Gesundheitskarte uns hier in Zukunft auch besser helfen."

Die Möglichkeiten sind also vielfältig. Es gibt den standardisierten Notfallausweis, den etwa die Deutsche Herzstiftung, mehrere Krankenkassen und einige Kommunen anbieten. Es gibt Notfallketten, die man um den Hals oder ums Handgelenk trägt und hier die wichtigsten Informationen eingraviert. Und es gibt ziemlich kreative Lösungen, sagt Prof. Dr. Böttiger.

"Ich kenne sogar Menschen die sagen: 'Ich lasse mir das alles auf den Oberkörper tätowieren, was wichtig ist'. Es gibt auch nette Ideen wie: 'Ich stelle mir eine kleine Schachtel in den Kühlschrank – wo der Kühlschrank ist, das weiß ja jeder – und da stehen die wichtigen Dinge drin. Wenn der Notarzt dann zu mir nach Hause kommt, kann er da gucken'."

Wichtig ist, dass die Unterlagen nicht irgendwo im Haus oder in der Jackentasche versteckt sind. Zur Notfalldose im Kühlschrank gehört daher ein Aufkleber mit einem entsprechenden Hinweis. Den kann man direkt an der Haustür anbringen. Denn die Rettungskräfte können nur die Informationen verwenden, die sie sofort finden. Die Wohnung oder die Kleidung eines Patienten komplett zu durchsuchen, dauert zu lange und ist außerdem verboten. In der Jackentasche oder im Portemonnaie sind die Informationen aber gut aufgehoben, hier schauen die Rettungskräfte in der Regel als erstes nach.

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