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StartseiteVerbrauchertippTeure Stromschlucker mit geringer Leistung30.11.2016

InfrarotheizungenTeure Stromschlucker mit geringer Leistung

Günstig, schick, effektiv und sogar gesund sollen sie sein: Infrarotheizungen werden zurzeit enorm beworben. Sie geben die Wärme per Infrarotwellen nicht an die Luft, sondern an Wände, Decken und Böden ab. Verbraucherschützer warnen jedoch vor hohen Stromkosten und geringer Leistungsfähigkeit der neuen Heizungen.

Von Anja Krieger

"Ich bin eine Infrarotheizung" steht auf der schlichten Platte eines Infrarotheizkörpers, ausgestellt auf der Messe Heim und Handwerk 2014 in München (imago / MIS)
Als Spiegel oder Bild verkleidet fallen die Infrarotheizungen fast nicht auf - Geld sparen kann man mit ihnen jedoch nicht. (imago / MIS)
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Eine schicke Heizung direkt an die Wand montieren und per Infrarotwellen Wärme schaffen – das preisen die Hersteller in Baumärkten und dem Internet gerade an:

"Die Infrarotwellen, also die Wärmestrahlen, geben die Wärme nicht an die Luft ab, sondern an die Wände, die Decke und den Boden. Diese speichern die Wärme und geben sie langsam wieder ab. Diese effektive und gesunde Art der Wärmespeicherung sorgt für eine angenehme Zimmertemperatur auch am Fußboden und es ist gleichzeitig sparsam im Energieverbrauch."

"Das teuerste Heizsystem, was man sich aussuchen kann"

Eine Infrarotheizung soll nicht nur kalte Füße bekämpfen können, sondern auch Allergien, schimmelige Wände und den leeren Geldbeutel. Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur ist nicht überzeugt:

"Es ist eigentlich das teuerste Heizsystem, was man sich aussuchen kann. Das liegt daran, dass Strom ein sehr hochwertiger, teurer Energieträger ist, und wenn ich den mit einer Wärmewellenheizung umsetze, mache ich aus einer Einheit Strom eine Einheit Wärme."

Damit sind die Infrarotheizungen nicht besonders leistungsfähig. Eine Wärmepumpe kann aus derselben Menge Strom die dreifache Menge Wärme erzeugen. Prinzipiell gilt: Wer bei kalten Füßen auf die wärmende Kraft mobile Stromheizer hofft, dem schlägt schon die Physik ein Schnäppchen:

"Wenn die Temperatur zu kalt ist, weil Sie den Raum vorher nicht vernünftig geheizt haben, und Sie stellen irgendein punktuelles kleines Heizgerät neben sich, dann wird Ihnen vielleicht von der rechten Seite sehr, sehr warm, aber links und am Kopf ist Ihnen immer noch kalt, das heißt behaglich wird’s dann dadurch auch nicht."

"Das ist kein umweltfreundliches Gerät"

Behaglich wird es dagegen erst, wenn die Wärme von allen Seiten kommt. Das liegt daran, dass wir ständig im Strahlungsaustausch mit unseren vier Wänden stehen. Wenn drei davon kalt sind, dann bringt auch die Wärmewellenheizung nichts.

"Das ist kein umweltfreundliches Gerät", sagt Matthias Krümmel, der beim Bund für Naturschutz Berlin Verbraucher in Energie- und Klimafragen berät. Wer kalte Wände mit Infrarotheizung auszugleichen sucht, belastet nicht nur seinen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Denn der Strom, der da aus der Dose kommt, muss erst mal hergestellt werden.

Fenster konsequent abdichten und Zugluft stoppen

Wer sich unbedingt ein solches Gerät ins Haus holen möchte, dem empfiehlt der Energieexperte, auf Ökostrom umzusteigen und die Nutzung über eine Zeitschaltuhr zu begrenzen. Sinnvoller sei es aber, die eigentlichen Ursachen anzugehen:

"Eine Fensterdichtung, wenn die konsequent angewendet wird, hat ein Einsparpotenzial von ungefähr zehn Prozent, bei den Türen ganz genauso. Heizkörpernischen dämmen! Da geht durch die dünne Bauweise der Wände ganz viel Energie verloren in ihrem konventionellen Heizungssystem. Der Zugluftdackel, wenn man Altbaukastendoppelfenster hat, legen Sie den darein, das ist klassisch und alt, aber gut!"

Auch an den Türen können schlauchförmige Zugluftstopper helfen. Bei Schimmel ist es ebenfalls besser, die Ursachen anzugehen – lieber zweimal täglich stoßlüften und die Feuchtigkeit raus lassen, statt die Wände mit einem teuren Stromschlucker aufzuheizen.

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