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StartseiteCampus & KarriereFlaggen-Fetischist und Drohnen-Pilot01.03.2018

Inhaber des Heidelberger Unesco-Lehrstuhls Flaggen-Fetischist und Drohnen-Pilot

Mal ist er in chilenischen Wüstenregionen unterwegs, mal brütet er darüber, wie man Schüler den Klimawandel nahe bringen kann: Alexander Siegmund, Professor für Geografische Fachdidaktik, hat als Inhaber des Unesco-Lehrstuhls an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ein abwechslungsreiches Berufsleben - und eine Berufung.

Von Thomas Wagner

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Panorama-Ansicht des Chajnator-Plateaus in der Atacama-Wüste in den chilenischen Anden (dpa / picture alliance / Fotoreport ESO)
Ein besonderes Projekt von Professor Siegmund findet in der chilenischen Atacama-Wüste statt (dpa / picture alliance / Fotoreport ESO)
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Die Flaggen auf dem Schrank: "Also erstens bin ich Flaggen-Fetischist. Also mir gefallen einfach Nationalflaggen. Und die Fähnchen, die sie hinter mir sehen, sind Flaggen, von Ländern, in denen wir Projekte haben. Also von Thailand angefangen über die kapverdischen Inseln, Nigeria, Spanien, Teneriffa waren wir schon tätig, Chile ist ein großer Schwerpunkt bei uns." 

Die große Weltkarte an der Wand: "Das ist auch der Bezug zum Unesco-Lehrstuhl. Wir sind als Unesco-Lehrstuhl weltweit vernetzt. Und diese Klimakarte, die sie hinter mir sehen, die habe ich selber entworfen. Das ist etwas, was hier, an der Abteilung für Geografie, selber entstanden ist."

Und schließlich der Cowboyhut, der an der Türklinke hängt: "Der Hut, das ist ein Geschenk meiner Kollegen an der Universidade Católica in Chile, mit der wir sehr eng zusammenarbeiten. Farbe und Größe des Hutes lassen erkennen: Der ist für den Einsatz in der Wüste geeignet, um Schatten zu spenden."

Alexander Siegmund, Professor für Geografische Fachdidaktik, ist Inhaber des Unesco-Lehrstuhls an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (Deutschlandradio / Thomas Wagner)Erforscht mit seinem Team, welche Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels wirklich effektiv sind: Alexander Siegmund (Deutschlandradio / Thomas Wagner)
Die Flaggen, die Weltkarte, der Cowboyhut - all dies findet sich wieder im vierten Geschoss eines schmucklosen Bürogebäudes am Stadtrand von Heidelberg, gleich gegenüber dem Hauptbahnhof: Hier hat einer sein Büro, der auszog, um die Welt zu erforschen - im Dienste des Klima- und Umweltschutzes: Alexander Siegmund, Professor für Geografische Fachdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg - und Inhaber des Unesco-Lehrstuhls für, wie die sperrige Bezeichnung genau lautet, "Erdbeobachtung und Geokommunikation von Welterbestätten und Biospährenreservaten."

Erforschung des Klimawandels

Oder, etwas weniger bürokratisch formuliert: "Das ist auch das Profil des Unesco-Lehrstuhls, um moderne Geoinformationstechniken zu nutzen, um moderne Umweltforschung zu betreiben, um gleichzeitig aber diese Analysen der Visualisierung zu nutzen, um Umweltveränderungen sichtbar zu machen und das Bewusstsein und das Wissen der Bevölkerung zu verstärken. Also der Umweltbildungsbereich ist neben der Umweltforschung eines der beiden Standbeine, die wir hier am Unesco-Lehrstuhl haben. Und die verknüpfen wir miteinander. Und das macht sozusagen das einmalige Profil des Unesco-Lehrstuhls aus."

Es geht also um Umweltforschung - und um Umweltbildung. Und genau deshalb ist dieser Unesco-Lehrstuhl nicht an der großen, altehrwürdigen Heidelberger Universität, sondern an der wesentlich kleineren Pädagogischen Hochschule ein paar Straßenzüge weiter angesiedelt. Die erfährt dadurch eine enorme Aufwertung.

Vor allem eine Entwicklung hat zur Einrichtung des Heidelberger Unesco-Lehrstuhls maßgeblich beigetragen: der Klimawandel.

Während Politiker weltweit darüber diskutieren, welche Maßnahmen irgendwann mal gegen den Klimagipfel greifen können, erforschen Alexander Siegmund und sein Team, welche Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels wirklich effektiv sind.

"Ein besonderes Projekt, das wir zurzeit haben, ist Chile und Peru. Da haben wir ein besonderes, EU-gefördertes Projekt mit Chile und aus Spanien. Die Region ist besonders vom Klimawandel betroffen. Und damit ist die Wasserversorgung besonders betroffen. Und wir untersuchen in der Atacama-Wüste, die eine der trockensten Wüsten der Erde ist, die Möglichkeit der Nutzung der Nebelvorkommen, die häufig in der Küstennähe auftreten, zur Gewinnung von Wasserresourcen für die lokale Bevölkerung."

Ebenfalls im Einsatz: Erdbeobachtungs-Satelliten

Dabei geht es auch darum, Handlungsempfehlungen auszuarbeiten - Handlungsempfehlungen für die Verantwortlichen in den Weltkulturerbestätten und Biosphärenreservaten, um sich vor den Bedrohungen des Klimawandels zu schützen. Manchmal kommen die Informationen dafür - von ganz weit oben …

Start eines Forschungssatelliten, der vom All aus Klimaschwankungen auf der Erde beobachten soll: Die Daten sind zunächst nur von Experten lesbar, wären aber auch für den Schutz von Biosphärenreservate und Weltkulturerbestätten wichtig.

"Space-to-Place ist ein Projekt, das wir haben, um quasi Erdbeobachtung an den Boden zu bringen, um Unesco-Site-Manager zu befähigen, Erdbeobachtungswerkzeuge zu nutzen, um ihre Unesco-Sites, also Welterbestätten besser zu überwachen", sagt Tobias Matusch, Geograf und Geschäftsführer am Heidelberger Unesco-Lehrstuhl. Das bedeutet: Er und all die übrigen Mitarbeiter dort erarbeiten eine Art Fortbildungsangebot für Biosphären- und Weltkulturerbe-Manager, um Daten aus dem All auszulesen und für ihre Zwecke nutzbar zu machen.
 
"Es gibt eine Vielzahl an Erdbeobachtungsatelliten. Es gibt eine Unzahl an Daten. Viele Leute wissen nicht, wie sie die nutzen sollen und was das auch für Nutzen bringt. Und genau da, auf der Schnittstelle sind wir - also die Bewusstseinsbildung, dass es solche Daten, wie man sie nutzen kann, und wie man sie auch für das Management und das Monitoring wertschätzen kann."

Dabei ist die Umwelt-Fortbildung für die Öko-Manager das eine - und die Umwelt-Ausbildung für die ganz jungen Adressaten des Heidelberger Unesco-Lehrstuhls das andere:

"Ein Schwerpunkt bei uns in der Abteilung Geografie ist die Climate-Change-Education, neudeutsch gesprochen als Klimawandel-Bildung. Da geht es darum, Jugendlichen in der Region, also an den Schulen, die Aspekte des Klimawandels näher zu bringen. Das Verständnis zu fördern, dass Klimawandel nicht irgendetwas in Afrika ist oder in Amerika, sondern der findet auch bei uns statt, und zwar hier und heute. Und dazu gehen wir mit den Schülerinnen und Schülern raus in den Wald, in die Natur, und schauen: Warum wachsen da jetzt Bäume, die früher noch nicht wachsen konnten, weil es noch zu kalt war?"

Begeisterter Drohnen-Flieger

Manchmal erwacht während der abwechslungsreichen Arbeit dann bei Professor Alexander Siegmund selbst das Kind im Manne:

"Also der Chefdrohnen-Pilot bin hier ich, weil ich früher mal Modellsegelflieger war und das ein bisschen im Händchen hab. So, das ist der Start einer unserer Drohnen, der Susi. Da geht es darum, dass wir mit de Drohne im Zuge einer Fernerkundung Ökosysteme erforschen aus Vogelperspektive, acht Kilo Zuladung mit Kamerageräten, mit denen wir eben unterschiedliche Aufnahmen der Erde machen können."

Verzückt blickt Alexander Siegmund auf den Bildschirm seines Laptops, auf dem gezeigt wird, wie er in Chile die Drohne fliegen lässt. In diesem Moment sieht man ihm die Begeisterung an seinem Job besonders an. Die Aufwertung als Unesco-Lehrstuhl hat ihm und seinem Team neue Aufgaben beschert - und neue Kontakte in alle Welt.

"Also wir sind stolz wie Oskar, weil es erst einmal eine Besonderheit in Deutschland ist, Unesco-Lehrstuhl zu sein. Wir sind der einzige und erste Unesco-Lehrstuhl in Baden-Württemberg, an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg. Und insofern ist es schon ein besonderes Privileg in dieser Familie der Unesco-Chairs zu sein. Und das verknüpft mit dem weltweiten Netz an 700 Unesco-Lehrstühlen - das ist schon eine Besonderheit und ein besonderes Privileg!"

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