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StartseiteVerbrauchertippWann ist die Vertragswerkstatt wirklich Pflicht?23.02.2018

Inspektionen und GarantieWann ist die Vertragswerkstatt wirklich Pflicht?

Viele Autofahrer lassen Inspektionen in einer Vertragswerkstatt durchführen - aus Angst, ansonsten die Gewährleistung zu verlieren. Seit 2010 gilt jedoch das Recht auf freie Auto-Werkstattwahl. Etwas andere Bedingungen gelten für Nutzer von Leasingfahrzeugen.

Von Klaus Deuse

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Automechaniker in einer Werkstatt. (Symbolfoto) (imago / Westend61)
Autohersteller dürfen weder ihre freiwillige noch die gesetzliche Gewährleistungsgarantie von der Durchführung der Inspektionen in einer Vertragswerkstatt abhängig machen (imago / Westend61)
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Kein Autohersteller verliert gern Kunden an Konkurrenten. Darum werben sie vor dem Kauf eines Neufahrzeugs auch mit dem Versprechen für langfristige Fahrfreude durch eine fachgerechte Wartung. Natürlich in einer Vertragswerkstatt. Eine Empfehlung, der die meisten Autokäufer folgen - so wie auch Michael Wagner aus Bochum.

"Markentreue steht bei mir ganz vorne an. Seit Jahr und Tag fahre ich die gleiche Marke. Demzufolge gehe ich auch seit Jahr und Tag in die gleiche Autowerkstatt, beziehungsweise zum gleichen Händler, der auch eine Werkstatt angeschlossen hat. Jede Inspektion lass ich regelmäßig und auf Uhrschlag dort durchführen, damit ich die Gewährleistung nicht verliere und Garantie vor allen Dingen am Anfang in den ersten zwei Jahren nicht verliere."

Um die Garantie nicht zu verlieren, ist aber tatsächlich kein Neuwagenbesitzer verpflichtet, eine Vertragswerkstatt anzusteuern, stellt dazu Andreas Hölzel vom ADAC fest.

Viele Autofahrer wissen nicht vom Recht auf freie Werkstattwahl

"Nein, das ist er nicht. Aber er ist schon gehalten, die Inspektionen nach den Vorgaben des Herstellers ausführen zu lassen."

Diese Inspektionen können aber auch qualifizierte freie Werkstätten durchführen. Nach einer repräsentativen Umfrage kennt allerdings nicht einmal jeder zweite Autofahrer in Deutschland sein Recht auf eine freie Auto-Werkstattwahl. Dabei besteht schon seit 2010 eine entsprechende Verordnung der EU-Kommission. Danach dürfen Autohersteller weder ihre freiwillige noch die gesetzliche Gewährleistungsgarantie von der Durchführung der Inspektionen in einer Vertragswerkstatt abhängig machen. Sonst, so ADAC-Sprecher Hölzel, wäre es wettbewerbswidrig.

"Deswegen steht in den Garantiebedingungen auch nur, dass die Arbeiten fristgerecht und nach Herstellervorgaben durchgeführt werden."

Und das kann eben auch in freien Werkstätten passieren. Diese Werkstätten müssen allerdings bestimmte Kriterien erfüllen.

"Die Werkstatt muss eben nach den Herstellervorgaben arbeiten und der Hersteller ist verpflichtet, den Werkstätten alle dafür notwendigen Informationen und Werkzeuge entgeltlich zur Verfügung zu stellen."

Weil das eben Geld kostet, haben gerade kleinere Hinterhof-Werkstätten deshalb nicht immer für sämtliche Automodelle das nötige Wartungs-Know-How. Damit die Garantieansprüche erhalten bleiben, sollten Kunden danach schon bei der Terminabsprache fragen und sich die Einhaltung dieser Kriterien auf der Rechnung bestätigen lassen.

Zum Teil andere Konditionen bei Leasingfahrzeugen

twas andere Bedingungen gelten für Nutzer von Leasingfahrzeugen. Hier kommt es auf den abgeschlossenen Vertrag an. Da kann es durchaus verpflichtend sein, die Dienste einer Vertragswerkstatt in Anspruch nehmen zu müssen, erläutert der ADAC-Sprecher.

"Außer es steht fest, dass bei Beendigung des Vertrages oder bei Ablauf des Leasingzeitraumes das Eigentum an dem Fahrzeug auf den Leasingnehmer übergeht."

Klarheit verschafft in Zweifelsfällen ein genauer Blick in den Leasingvertrag. Ansonsten ist man als Besitzer eines Fahrzeugs nur in wenigen Ausnahmesituationen verpflichtet, eine Vertragswerkstatt aufzusuchen. Und zwar bei Rückrufaktionen des Herstellers, bei Produktionsfehlern oder im Garantiefall. Da in diesen Fällen der Hersteller für die Kosten aufzukommen hat, darf er auch vorschreiben, wo die Arbeiten durchzuführen und welche Teile zu verwenden sind.

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