Freitag, 15.12.2017
StartseiteCampus & KarriereUniversität von Berkeley und die Nachhaltigkeit27.11.2017

INTERNATIONALUniversität von Berkeley und die Nachhaltigkeit

Beim Thema Nachhaltigkeit geht es meist um einzelne Forschungsprojekte oder Wissenschaftler, die einer bestimmten Idee nachgehen. Besonders viele Vorhaben gibt es an den großen US-Universitäten, etwa in Kalifornien. Aber wie nachhaltig ist solch eine Universität selber?

Von Michael Stang

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Kalifornische Unis sollen sicherer werden.  Campus der Universität in Berkeley mit dem Campanile, einem Glockenturm und Wahrzeichen des Gebäude. (picture alliance / dpa / Barbara Munker)
Manche Gebäude sind über 100 Jahre alt, die Nachrüstung auf Nachhaltigkeit bedarf oft vieler Überlegungen. (picture alliance / dpa / Barbara Munker)
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Morgens an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Die Uni zählt mit mehr als  37.000 Studierenden zu einer der renommiertesten Hochschulen in den USA. Projektmanagerin Kira Stoll wartet am Lower Sproul Plaza, im Herzen des Campus, wie sie sagt.

Dieser Ort ist ein Paradebeispiel für das Vorhaben, einen nachhaltigen Campus zu etablieren – zwei energieeffiziente Gebäude gebe es hier. Denn Nachhaltigkeit bedeutet in Berkeley mehr als nur das Trennen und Vermeiden von Müll. Es geht auch um Strom- und Wasserverbrauch.

"Nachhaltigkeit gehört zu den Bereichen, die alle betreffen, also Wissenschaftler, Studierende und Mitarbeiter. Ich bin hier für alle Projekte und Ideen verantwortlich, die sich am Campus mit dem Thema befassen." 

Blick auf den Campus der Universität Berkeley in Kalifornieren. (imago stock&people)Blick auf den Campus der Universität Berkeley in Kalifornieren (imago stock&people)

Berkeley ist die älteste Universität Kaliforniens, manche Gebäude sind für US-amerikanische Verhältnisse mit rund einhundert Jahren extrem alt. Bei Neubauten nachhaltig vorzugehen ist kein Problem. Historische Gebäude einer staatlichen Hochschule umzurüsten hingegen schon.

In einer Tiefgarage steht Kira Stoll nun vor einem riesigen Tank.  "In dieser Zisterne hier sammeln wir das Regenwasser vom Dach. Wir bereiten es auf und nutzen es, um die Toiletten im neuen Gebäude zu spülen."

Auch Studierende und Mitarbeiter sollen Ressourcen sparen

Doch nicht nur Gebäude sollen verbessert werden. Alle Studierende und Mitarbeiter werden angehalten auch privat Energie und Wasser zu sparen. Am östlichen Eingang der Uni zeigt Kira Stoll auf die verkehrsberuhigte Zone. 

"Früher war dieser Zugang zur Universität nur ein enger Fußweg. Wir haben das Ganze geöffnet und haben nun einen breiten Eingang zum Campus. Hier können die Busse halten, es gibt Fahrradständer, auch eine Station für Leihräder. Eine Menge Parkplätze sind weggefallen, und das ist genau das Ziel. Das alles soll offen für Fußgänger, Busse und Fahrräder sein."

Kira Stoll bemüht sich beim Transport auch privat auch um Nachhaltigkeit. 
 
Die Managerin geht in das frisch eröffnete Gebäude Chou Hall – es gilt als eines der ersten sogenannten Zero-Waste-Gebäude auf einem Universitätscampus in den USA. Sie bleibt vor einer Abfallstation stehen. 

"Wir schauen uns gerade - als Teil unseres Null-Müll-Projekts – einen Abfalleimer an. Wir hatten bisher kein gutes Systemdesign, wo der Müll vorsortiert wird, um recycelt zu werden. Dann haben Unimitarbeiter, Studierende und eine externe Firma dieses System entworfen. Man versteht sofort, in welche Tonne welcher Müll gehört, zudem kann man die Tonnen einfach entleeren, ohne sich zu verletzen."

Informieren und erziehen

Am Hintereingang hat sich eine Gruppe Studierender versammelt, die freiwillig Müll sortieren. Alle tragen weiße Plastikoveralls. Einer von ihnen ist Ryan Peterson: 
 
"Heute sortieren wir den ganzen Müll der vergangenen Woche, der in Chou Hall angefallen ist. Wir wollen schauen, ob die Müll-Trennung funktioniert und ob wir Dinge verbessern können. Das hilft uns auch beim Informieren und Erziehen der Studierenden, zukünftig möglichst keinen Müll mehr zu erzeugen."

Langfristig soll es auf dem Campus in Berkeley höchstens zehn Prozent Vermischungen geben, in denen etwa Dosen im Altpapier landen oder Kunststoff im Biomüll. 

"Vergangene Woche haben wir einen Packen halb voller Papierhandtuchrollen gefunden, die aus den Toiletten stammen. Da war teilweise noch eine Plastikverpackung dran. Warum wirft das jemand weg? Dann kam heraus, dass die Putzkolonne immer nur nachts kommt und für frische Handtücher sorgen muss. Wenn eine Rolle halb voll ist, wird die einfach erneuert, anstatt sie leer werden zu lassen und dann am nächsten Tag zu ersetzen."

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