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Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteNachrichten vertieftIst Deutschlands Finanzpolitik gefährlich und zerstörerisch?16.10.2014

Internationale Presse streitet über Berlins KursIst Deutschlands Finanzpolitik gefährlich und zerstörerisch?

Sparen Angela Merkel und Wolfgang Schäuble Europa zu Tode? Wird nicht letztlich auch Deutschland zum Opfer der "schwarzen Null", weil niemand mehr unsere Produkte kaufen kann und die deutsche Infrastruktur immer maroder wird? Darüber diskutiert heute die internationale Presse.

Bundeskanzlerin Merkel und ihr Finanzminister Schäuble, beide CDU (dpa / Michael Kappeler)
Ist der Sparkurs von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble Gift für Europa? (dpa / Michael Kappeler)

Ausgangspunkt der Überlegungen für die spanische Zeitung EL PAIS sind die weniger günstig werdenden Wirtschaftsprognosen für Deutschland:

"Auch wenn Deutschland darauf besteht, es zu ignorieren: Die Politik der absoluten Sparsamkeit bringt die Eurozone an den Rand einer neuen Phase der wirtschaftlichen Stagnation - wenn nicht der Rezession. Als Impulsgeber der europäischen Wirtschaft hat Deutschland seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 1,8 auf 1,2 Prozent zurückgenommen. Dies verursacht Panik an allen Börsen der Welt. Die Märkte haben verstanden, dass die Eurozone nicht die richtige Wachstumsstrategie gefunden hat - und sie in absehbarer Zeit wohl auch nicht finden wird. Aber diese Diagnose, die den Analysten auf allen fünf Kontinenten so eindeutig scheint, prallt an der deutschen Orthodoxie ganz einfach ab."

"Deutschland ist wirtschaftlich eine Bedrohung für sich selbst",

heißt es auch in einem Meinungsbeitrag in der WASHINGTON POST.

"Die deutsche Wirtschaftspolitik ist gefährlicher und zerstörerischer als die jeder anderen Nation. Das Land nutzt seine Dominanz in der Europäischen Union dazu, den kriselnden Staaten im Süden Austerität aufzuzwingen, und verurteilt dadurch mehr als 50 Prozent der jungen Leute in Spanien und Griechenland zur Arbeitslosigkeit. Die deutsche Politik hat den sozialen Zusammenhalt in den Mittelmeerländern erschüttert und dazu beigetragen, dass rechtsextreme Parteien wie der Front National in Frankreich und die Goldene Morgenröte in Griechenland erstarken. Die schlichtweg dumme Haushaltspolitik der Merkel-Regierung beginnt zudem, sogar der deutschen Wirtschaft zu schaden. Der weltweit erfolgreichsten Exportnation fehlt es an Nachbarn, die ihre Produkte noch kaufen könnten."

Die portugiesische Zeitung PUBLICO hofft auf einen Kurswechsel:

"Die Wirksamkeit von Sparmaßnahmen wird in immer mehr politischen und wirtschaftlichen Kreisen hinterfragt, selbst in Deutschland. Und blickt man im wirtschaftlich stärksten Land Europas hinter die Kulissen, erkennt man auch eine weniger strahlende Seite. Ein Grund hierfür ist, dass weniger investiert wird als in anderen Industrieländern."

Rückendeckung für Merkel, Schäuble und Co. kommt dagegen vom WALL STREET JOURNAL aus New York:

"Je schlechter die Wirtschaftsnachrichten aus Europa werden, umso lauter werden die Rufe, Berlin möge 'etwas unternehmen', also seine fiskalische Zurückhaltung aufgeben. Wenn Franzosen dies fordern, wie jetzt wieder Finanzminister Sapin, dann bedeutet das übersetzt: Berlin soll es mit massiven Ausgaben ausgleichen, dass Frankreich keine Reformen umsetzt. Bislang scheinen die Deutschen diesen Appellen zu widerstehen. Finanzminister Schäuble warnt davor, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, gemeint ist die Schuldenpolitik. Und er hat recht."

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