Die Nachrichten

Letzte Sendung hören:22:00 Uhr Nachrichten
schliessen

Deutschlandfunk24 Die Nachrichten

 
 
 
Nachrichten   
 
0:00
 
 
 
 

Internationale Presseschau

28. April 2017Die internationale Presseschau

Im Mittelpunkt steht die 100-Tage-Bilanz von US-Präsident Donald Trump. Zudem geht es um den Konflikt mit Nordkorea und um die Präsidentschaftswahl in Frankreich.

US-Präsident Donald Trump (dpa / picture alliance / Ron Sachs)
US-Präsident Donald Trump (dpa / picture alliance / Ron Sachs)

Über den US-Präsidenten schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG: "Donald Trump hatte sich viel vorgenommen, als er am 20. Januar in das Weiße Haus einzog: Innerhalb von 100 Tagen wollte er das Steuerwesen reformieren, die illegale Zuwanderung bremsen, die verhasste Gesundheitsreform seines Vorgängers revidieren - und natürlich Mexiko dazu bringen, das Trumpsche Prestigeprojekt - den Mauerbau - zu finanzieren. Nun gehört der neue amerikanische Präsident nicht zur Sorte Mensch, die ihr Geschwätz von gestern sorgt, im Gegenteil. Doch ihm muss aufgegangen sein, dass seine Wählerbasis ihn an der Einhaltung seiner vollmundigen Versprechen messen wird. Tatsächlich zeigt der plötzlich ausgebrochene Aktionismus, dass der Präsident um seinen Ruf besorgt ist", stellt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz fest.

"Seit hundert Tagen sind wir Zeugen von Trumpschen Hü-und-Hott-Entscheidungen", bilanziert die kroatische Zeitung JUTARNJI LIST aus Zagreb: "Trump ist weiterhin nicht zu einem klaren und dem Präsidentenamt angemessenen Politikstil fähig. Schon nach hundert Tagen im Weißen Haus ist er der unpopulärste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika."

Auch das Fazit der russischen Zeitung NEZAWISSIMAJA GAZETA fällt kritisch aus: "Donald Trump hat die meisten seiner großen Versprechungen bisher nicht eingelöst. Und sein Raketenangriff in Syrien sowie die Entsendung von Kriegsschiffen zur koreanischen Halbinsel haben die Spannungen in der internationalen Politik deutlich verschärft. Nicht erfüllt hat Trump auch sein Versprechen, die Beziehungen zu Russland zu verbessern. Sein anfänglich gutes Verhältnis zu Präsident Putin hat sich rasant ins Gegenteil verkehrt", unterstreicht die NEZAWISSIMAJA GAZETA aus Moskau.

Die kolumbianische Zeitung EL TIEMPO moniert: "Die zahllosen unerwarteten Kehrtwendungen erinnern an eine Telenovela. Überraschende Befehle wie der Luftangriff in Syrien und das Kräftemessen mit Nordkorea passen nicht zu den früheren Äußerungen des Präsidentschaftskandidaten Trump, die USA wollten nicht länger Weltpolizist sein. Anders als noch im Wahlkampf ist aber plötzlich nicht mehr China der große Gegenspieler, sondern Russland. Zu den jüngsten Episoden gehört der Vorschlag einer Steuerreform, die vor allem Reiche begünstigt. Wo bleibt da der Kandidat, der sich für die Arbeiterklasse einsetzen wollte?", fragt EL TIEMPO aus Bogotá.

"Es ist Zeit, Donald Trump einmal zu loben", erklärt dagegen die österreichische Zeitung DIE PRESSE: "Seine Pläne für eine Steuerreform in den USA sind grundvernünftig und gut. Eine Senkung der weltweit höchsten Körperschaftssteuer von 35 auf 15 Prozent ist dringend notwendig, eine Vereinfachung des Lohnsteuersystems ist überfällig - derzeit kommt eine Steuererklärung in den Vereinigten Staaten einer Dissertation in Mathematik gleich, und eine Abschaffung der Erbschaftssteuer bringt mehr Gerechtigkeit. Also: Gratulation, Donald Trump, für diese 'wirklich großartige', 'gigantische' Steuerreform, wie Sie sie unter anderem auf Twitter bezeichnen! Es gibt allerdings einen Haken, der genauso gigantisch groß ist: Es gibt keinen Plan, wie man diese Steuerreform finanzieren kann – außer mit neuen Schulden", notiert DIE PRESSE aus Wien.

Die US-Zeitung THE WASHINGTON POST meint: "Nach den ersten hundert Tagen von Donald Trumps Präsidentschaft haben wir weder das von ihm versprochene glückselige Nirvana erreicht noch das Gegenteil, die von seinen vielen Kritikern befürchtete Dystopie. Das ist in erster Linie dem Kongress und dessen Finanzbehörde, den Richtern und den amerikanischen Bürgern zu verdanken, aber auch den Wählern in den Niederlanden und Frankreich. Und in einem sehr begrenzten Umfang hat auch der Präsident selbst dazu beigetragen. Denn er kündigte nicht sofort sämtliche Abkommen auf. Er verließ weder die Nato noch umarmte er den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Und er reagierte mit einer angemessenen Aktion auf den Giftgas-Einsatz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gegen wehrlose Zivilisten. Andererseits gibt es auch Anlass zur Sorge. Trumps politische Unerfahrenheit und ideologisch geprägter Kurs wurden bei dem schwierigen Regierungsstart deutlich sichtbar", betont die WASHINGTON POST.

Die tschechische Zeitung LIDOVE NOVINY kommentiert den Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm: "Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un will mit den Nuklearwaffen den Respekt anderer Staaten erzwingen. Die US-Amerikaner geraten in dem Konflikt in die missliche Rolle einer Macht, die nur leere Drohungen ausspricht. Man muss kein Freund Pekings sein, um zu erkennen, dass letztlich nur China den Hebel in der Hand hält, mit dem sich Nordkorea beeinflussen lässt", ist die Zeitung LIDOVE NOVINY überzeugt.

Die in Schanghai erscheinende chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO überlegt: "Dass US-Präsident Trump gegenüber Nordkorea nun plötzlich gemäßigtere Töne anschlägt, ist wohl eher aus der Not geboren. Washington hat keinen Pfeil mehr im Köcher, was mögliche Sanktionen gegen Pjöngjang anbelangt. Da die USA offenbar auch noch keine ausgereiften Pläne für eine militärische Lösung des Problems haben, ist ihnen nun eher daran gelegen, eine weitere Eskalation vorerst zu verhindern."

Die Zeitung HUANQIU SHIBAO aus Peking blickt auf die Beziehungen zwischen China und Nordkorea: "Die Regierung in Peking muss darauf gefasst sein, dass sich das Verhältnis weiter verschlechtert. Sollte Pjöngjang nämlich weiter an der Entwicklung seines Atomprogramms festhalten, wird China im UNO-Sicherheitsrat zwangsläufig noch strengere Sanktionen unterstützen. China muss jedoch zugleich gegenüber den USA und Südkorea unmissverständlich deutlich machen, dass es kein Patentrezept für die Lösung dieses Konflikts besitzt und sich nicht für Ränkespiele missbrauchen lässt", verlangt HUANQIU SHIBAO aus China.

Nun zur Präsidentschaftswahl in Frankreich. "Die ganze Welt ist gespannt auf den Ausgang der zweiten Abstimmungsrunde am 7. Mai", heißt es in der mexikanischen Zeitung EL ECONOMISTA:  "Gewiss, Marine Le Pen vom Front National kam in der ersten Runde nur auf Platz zwei. Aber noch ist nicht sicher, ob der Kandidat der Mitte, Macron, als Sieger aus der Stichwahl hervorgehen kann. Le Pen tritt feindselig gegenüber der EU auf, während Macron eine offen proeuropäische Haltung einnimmt. Er erklärte, er wolle mit dem Besten aus dem rechten und linken Spektrum die politische Stagnation der vergangenen Jahre überwinden. Vor der Wahl blicken nun viele auch auf die Biografie von Macron, der mit einer 24 Jahre älteren Frau verheiratet ist. Wichtiger als seinPrivatleben ist aber doch die Frage, ob Macron das festgefahrene politische System tatsächlich erneuern kann", argumentiert EL ECONOMISTA aus Mexiko-Stadt und warnt zugleich: "Le Pen würde Frankreich in die Katastrophe führen."

"Warum auf einmal ein solches Interesse an Macrons Ehefrau?", fragt die schwedische Zeitung SYDSVENSKAN aus Malmö: "Es gibt natürlich politische Kräfte, die Schmutz in Macrons Vergangenheit finden wollen, um seinen Einzug in den Elysée-Palast zu verhindern. Doch die übrige Welt sollte sich auf die Frage konzentrieren, ob Macrons Politik tragfähig ist und ob er mit seinem Konzept in der Lage ist, Marine Le Pen zu schlagen."

Die französische Zeitung DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE hält einen Erfolg von Marine Le Pen gegen Emmanuel Macron längst nicht für ausgeschlossen: "Normalerweise müsste der Kandidat der Bewegung 'En Marche!', Macron, die Stichwahl gewinnen. Aber in diesem Wahlkampf ist nichts normal. Und der ungewöhlich leidenschaftliche Wahlkampf könnte noch ins Irrationale kippen. Dazu braucht es nur ein ungeschicktes Wort, eine Nebensächlichkeit oder eine von den sozialen Netzwerken verbreitete Falschmeldung", befürchtet die Zeitung DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE aus Straßburg.