Die Nachrichten

Letzte Sendung hören:21:00 Uhr Nachrichten
schliessen

Deutschlandfunk24 Die Nachrichten

 
 
 
Nachrichten   
 
0:00
 
 
 
 

Internationale Presseschau

20. September 2017Die internationale Presseschau

Viele Zeitungen kommentieren die Reaktion der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi auf die Kritik an der Vertreibung der Rohingya aus Myanmar. Thema Nummer eins auf den Meinungsseiten ist aber die erste Rede von US-Präsident Trump vor der UNO-Vollversammlung.

US-Präsident Trump spricht vor der 72. UN-Vollversammlung in New York (AFP / Timothy A. Clary)
US-Präsident Trump spricht vor der 72. UN-Vollversammlung in New York (AFP / Timothy A. Clary)

"Man hat von diesem Präsidenten weder Weisheit noch 'political correctness' erwartet, dieser Auftritt aber übertraf die schlimmsten Erwartungen", konstatiert die GAZETA aus Moskau: "Allenfalls erzkonservativen Politikern in Europa werden seine harten Worte imponiert haben", meint die russische Zeitung.

Die belgische Zeitung HET BELANG VAN LIMBURG führt aus: "Trump schlug vor der altehrwürdigen UNO ganz neue und unpassende Töne an. Seine Rede richtete sich vor allem an das heimische Publikum, denn Trump muss dort einige Scharten auswetzen, nachdem er kürzlich bei einem Flirt mit den Demokraten ertappt wurde. Und mit seiner Kritik an der Verschwendungssucht der UNO hat er ja sogar recht", räumt HET BELANG VAN LIMBURG aus Hasselt ein.

"US-Präsident Roosevelt formulierte einmal eine informelle Anleitung für die Außenpolitik seines Landes: freundlich sprechen, aber einen großen Knüppel dabei haben", erinnert sich die norwegische Zeitung VERDENS GANG: "Im Klartext heißt dies: Die USA sollen in Konflikten diplomatisch auftreten, aber niemanden im Zweifel über den Ernst ihrer Absichten lassen. Trumps Rede vor der UNO-Vollversammlung stand dieser Regel diametral entgegen. Trump zeigt keine Bereitschaft, dem Rat seines Vorgängers Roosevelt zu folgen und freundlich zu sprechen. Aber damit wächst die Gefahr, dass ihm am Ende tatsächlich nur noch der Knüppel bleibt", schlussfolgert VERDENS GANG aus Oslo.

Die Amsterdamer Zeitung DE TELEGRAAF spekuliert, was Trump mit seinen immer aggressiveren Drohungen erreichen will: "Es gibt die Theorie vom 'Mad Man', dem unberechenbaren Narren, vor dem sich jeder fürchtet und deshalb einlenkt. Das ist nicht ganz neu. Der schlaue Kissinger ließ auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges die Russen wissen: Wenn Präsident Nixon unter Druck steht, greife er zur Flasche und sei dann unberechenbar. Kissinger hatte Nixon unter Kontrolle, aber wer hat Einfluss auf Trump?" fragt sich DE TELEGRAAF aus den Niederlanden.

Die WASHINGTON POST äußert zwar Verständnis für Trumps Kritik an autoritären Regimen wie Nordkorea und Venezuela, ingesamt aber zeigt sich die Zeitung aus den USA von seiner Rede irritiert: "Trump pöbelte wie ein Schuljunge, als er dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un den Spitznamen 'Rocket Man' verpasste und Nordkorea im Falle eines Angriffs auf die USA mit 'totaler Zerstörung' drohte. Der Präsident wirkt mit diesem Gepolter gleichzeitig schwach und kriegslustig", findet die WASHINGTON POST.

Unter der Überschrift "Apokalyptische Drohungen Richtung Nordkorea" schreibt die slowenische Zeitung DELO: "Mit seiner ersten Rede vor der UNO-Vollversammlung hat Trump die schlimmsten Erwartungen erfüllt. Zuerst drohte er Nordkorea mit der totalen Vernichtung, dann spricht er auch noch Drohungen gegen den Iran aus. Nicht mal vor der UNO verzichtete Trump auf seinen umstrittenen 'America First'-Spruch. In seiner sehr einfachen Sprache skizzierte Trump ein Schwarz-Weiß-Bild der Welt, mit dem er nur noch seine treuesten Anhänger beeindrucken kann. Kein Wunder, dass es für seine 40-minütige Rede fast keinen Applaus gab", fügt DELO aus Ljubljana an.

Die französische Zeitung LIBÉRATION verurteilt Trumps Drohung gegen Nordkorea, das Land völlig zu zerstören: "Es war bei Konflikten zwischen Atommächten bislang gute Tradition in der Diplomatie, Worte abzuwägen und jede Eskalation zu vermeiden. Mit einem einzigen Satz hat Trump diese Tradition der strategischen und verbalen Zurückhaltung über Bord geworfen. Leider kann ihn niemand seines Amtes entheben", klagt LIBÉRATION aus Paris.

Die kanadische GLOBE AND MAIL reagiert gelassener: "Trump liebt Einschaltquoten und fette Schlagzeilen. Seine wütende Wählerschaft verlangt starke Worte und Trump liefert sie. Aber die Vergangenheit zeigt, dass er seine Drohungen selten wahr macht. Er bellt mehr, als dass er tatsächlich beißt", urteilt die GLOBE AND MAIL aus Toronto.

Die Zeitung SHARGH aus Teheran geht auf Trumps Kritik am Iran ein: "Die Iraner haben von Trump nichts Neues gehört. Wie seit Monaten sprach der US-Präsident von seiner Unzufriedenheit und seiner Wut über das abgeschlossene Atomabkommen. Er machte aber keine Vorschläge für eine Reform. Von einem einseitigen Austritt der USA war auch nicht die Rede. Der Iran macht es Trump aber auch nicht leicht, indem er sich seit zwei Jahren exakt an das Abkommen hält." Soweit die Stimme der iranischen Zeitung SHARGH.

Lob für seine Kritik am Atomabkommen mit dem Iran erhält Trump von ISRAEL HAJOM aus Tel Aviv: "Der US-Präsident hat den Iran mit dem isolierten Nordkorea auf eine Stufe gestellt und so gesprochen, wie es ein israelischer Ministerpräsident getan hätte. Das ist ermutigend, nachdem sein Vorgänger Obama den Iran wie eine normale Nation behandelt hatte. Trump hat den Iran wieder in die Ecke gestellt, in die er gehört. Die islamische Revolution in Teheran ist eine gefährliche Perversion, die bekämpft werden muss", so die Meinung der israelischen Zeitung ISRAEL HAJOM.

HUANGQIU SHIBAO aus China geht auf die geforderte Reform der Vereinten Nationen ein: "Trump verlangt einen Abbau der UNO-Bürokratie und eine Senkung des US-Beitrags. Was er nicht erwähnt, ist die für die ganze Welt offensichtliche Tatsache, dass die USA die UNO immer wieder instrumentalisieren, um ihre Interessen weltweit durchzusetzen. Die Supermacht ist zwar der größte Nettozahler, genießt aber auch Privilegien. Gemäß der Prämisse 'America first' lässt sich die UNO aber nicht vernünftig reformieren", kritisiert HUANGQIU SHIBAO aus Peking.

Das Schicksal der aus Mynmar vertriebenen Rohingya ist Thema in der schwedischen Zeitung SYDSVENSKAN:  "Nun hat sich De facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi doch noch zu Wort gemeldet. In einer Fernsehrede an die Nation oder vielmehr an die empörte Weltgemeinschaft erläuterte die Friedensnobelpreisträgerin ihre Position zu der jüngsten Massenflucht der Rohingya und den Berichten über brutale Übergriffe gegen die muslimische Minderheit. Aber was sie zu sagen hatte, war kaum besser als das vorangegangene lange Schweigen. Von ihrer moralischen Autorität nach dem langen Kampf für Demokratie in ihrem Land ist heute nicht mehr viel übrig. Es scheint, als habe sie kaum verstanden, warum ihr so viel Kritik entgegenschlägt. Während der vergangenen Wochen sind schätzungsweise 400.000 Rohingya nach Bangladesch geflohen, und sie berichten von Massakern und Zerstörungen. Vertreter der UNO sprechen von Völkermord und ethnischen Säuberungen. Es mag sein, dass die Kritik der internationalen Gemeinschaft zuletzt nun doch Wirkung gezeigt hat, aber leider ist es zu spät. Muslime haben in Myanmar offenbar keine Zukunft. Das Militär hat sein Ziel erreicht. Und es ist nicht einmal auszuschließen, dass Suu Kyi dies insgeheim gutheißt", mutmaßt SYDSVENSKAN aus Malmö.

Im STANDARD aus Wien heißt es: "Suu Kyis Zurückhaltung lässt erkennen, wie wenig Spielraum sie hat. Anscheinend hat sie keinen Einfluss auf die Soldaten, die schwere Menschenrechtsverbrechen begehen. Schon zwei Tage vor ihrer Rede machte General Min Aung Hlaing klar, wer nach wie vor das Sagen hat. Er forderte, dass die Nation gegen den 'Terror der muslimischen Banden' zusammenstehen müsse. Eine unmissverständliche Drohung. In dieser Krise versagt nicht nur Suu Kyi, es versagen auch die Asean-Staaten. Der Druck von außen ist viel zu schwach und zeigt den Kern des Problems: Der Konflikt droht - über das Land hinaus - zum Kampf Muslime gegen Nichtmuslime zu werden", befürchtet DER STANDARD aus Österreich. Damit endet die internationale Presseschau.